BMW, Daimler, VW, Bosch und das EUGT

Abgastests an Affen

Javanerafffe Foto: Pixabay

BMW, Daimler, VW und Bosch haben jahrelang ein Institut finanziert, das laut Zeitungsberichten Abgase an Affen testen ließ. Alle Fakten und aktuellen Entwicklungen.

Nach VW zieht nun offenbar auch Daimler eine personelle Konsequenz aus den Abgastests mit Affen: Laut mehrerer Medienberichte hat der Konzern Udo Hartmann beurlaubt. Hartmann war Leiter Umweltschutz und saß im Vorstand jener der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT), die Tests an Affen in Auftrag gegeben hat. „Wir werden den Sachverhalt lückenlos aufklären und sicherstellen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen“, erklärte Daimler.

VW beurlaubt Chef-Lobbyist Steg

Volkswagen hat am Dienstag, 30 Januar wegen der publik gewordenen Abgastests an Affen im Auftrag der von Autoherstellern finanzierten Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) den Chef-Lobbyisten des Konzerns, Thomas Steg, beurlaubt. VW-Chef Müller kündigte an, „die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen“.

Versuch im Auftrag der EUGT

Nach Informationen der Bild-Zeitung (Ausgabe von Mittwoch, 31. Januar 2018) hat das Lovelace-Institut in Albuquerque (USA) am 4. Mai 2015 zehn Javaner-Affen Diesel-Abgasen ausgesetzt. Der Forschungsauftrag dafür kam von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT). Finanziert haben den Verein zu diesem Zeitpunkt BMW, Daimler und Bosch. Laut Zeitungsbericht entsprachen die Ergebnisse des Versuchs nicht den Erwartungen der Auftraggeber – die Versuchsaffen reagierten stärker auf die Beetle-Abgase als auf jene eines zum Vergleich herangezogenen Ford F-150. Offenbar blieb zum Schluss sogar ein Teil der Rechnung offen: Als die EUGT den Abschlussbericht bekam, sei sie schon abgewickelt worden, die letzte Rate sei nicht bezahlt worden.

Darum geht's: Abgastests an Affen

In einem Report über die Jahre 2012 bis 2015 beschrieb die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) laut Süddeutscher Zeitung „mehrstündige Inhalationsversuche mit Affen“. An zehn Affen sollte untersucht werden, wie sich Diesel-Abgase auf die Lunge und das Herz-Kreislaufsystem auswirken. Die Affen bekamen im Rahmen der Versuche Comicfilme zur Beruhigung gezeigt, während sie Abgase einatmen mussten. „Erst wurden ihre luftdichten Kammern mehrere Stunden lang an den Auspuff eines alten, schmutzigen Ford (Baujahr 1999) angeschlossen, dann kam ein moderner, angeblich sauberer VW Beetle (Baujahr 2013) auf den Prüfstand“, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Von den Abgastests mit Affen hatte zunächst die „New York Times“ berichtet.

NO2-Versuche an Menschen

Aus einem EUGT-Report ginge auch hervor, „der Forschungsverein habe auf Empfehlung seines Beirates eine “Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen gefördert„ ,schreibt die Süddeutsche Zeitung. An 25 gesunden Untersuchungspersonen soll untersucht worden sein, wie sich unterschiedliche Konzentrationen von Stickoxid (NO2) auf Menschen auswirken. Auswirkungen hätten nicht nachgewiesen werden können.

Statement der Uniklinik Aachen

Die Uniklinik Aachen, an deren Institut für Arbeits- und Sozialmedizin die Studie 2013 und 2014 stattfand, erklärt in einem Statement, dass es in der von EUGT beauftragten der Stickoxid-Grenzwert an Arbeitsplätzen untersucht werden sollte.Mit der Studie sollte untersucht werden, ob Stickoxid in einer Menge unterhalb der Grenzwerte bei gesunden Personen zu biologischen Effekten führt. Die Grenzwerte geben an, wie hoch die Belastung sein darf, damit ein Mensch 40 Jahre lang für 8 Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche dieser Konzentration ausgesetzt sein darf, ohne krank zu werden. “Die Belastungen, denen die Probanden ausgesetzt waren, lagen damit deutlich unter den Konzentrationen, wie sie an vielen Arbeitsplätzen in Deutschland auftreten können. Dementsprechend kam kein Mensch zu Schaden„, erklärte das Uniklinikum in einem Statement am Montag, 29. Januar 2018.

Hersteller gehen auf Distanz

Daimler distanzierte sich von dem Versuchsaufbau und kündigte eine Untersuchung an. Auch BMW hat sich distanziert, VW hat die Methodik als falsch bezeichnet und sich entschuldigt. Politiker bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerten sich empört.

Das ist die EUGT

Die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) war laut Süddeutscher Zeitung “ein Lobbyisten-Verein mit wissenschaftlicher Fassade„. Das von der Autoindustrie finanzierte Forschungsinstitut sei zehn Jahre lang betrieben und Mitte 2017 aufgelöst worden. Gegründet hätten den Verein BMW, Daimler, VW und Bosch – Bosch sei nach 2013 wieder ausgestiegen. Die EUGT soll 2013 beim Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) in New Mexico (USA) Tierversuche in Auftrag gegeben haben.

“Im Vorstand des Forschungsvereins saßen Manager von BMW, Daimler und Volkswagen, und auch ein Vertreter der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport„, so der Bericht weiter. Der Verein sollte die Auswirkungen des Verkehrs auf Menschen und Umwelt untersuchen.

Die Chronik der Ereignisse

Januar 2018
Eine Dokumentation auf Netflix berichtet von den Versuchen an den Affen. Anschließend berichtet die New York Times darüber, deutsche Medien wie Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online werden auf das Thema aufmerksam. Daimler, VW und BMW distanzieren sich von den Versuchen. Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilen die Tierversuche.

2013/2014
Aus einem EUGT-Report ginge auch hervor, “der Forschungsverein habe auf Empfehlung seines Beirates eine „Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen gefördert“ ,schreibt die Süddeutsche Zeitung. An 25 gesunden Untersuchungspersonen soll untersucht worden sein, wie sich unterschiedliche Konzentrationen von Stickoxid (NO2) auf Menschen auswirken. Auswirkungen hätten nicht nachgewiesen werden können.

2013
Im Auftrag der EUGT setzt das Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) in den USA zehn Affen den Abgasen eines Ford F-150 Diesel (Baujahr 1999) und anschließend den Abgasen eines VW Beetle (Baujahr 2013) aus.

2013
Bosch steigt aus dem EUGT aus

2012
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Dieselabgase als krebserregend ein.

2007
BMW, Daimler, VW und Bosch gründen in Berlin die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT).

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