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Abstandstempomat mit Tempolimit-Erkennung

Teilautonomes Assistenzsystem gar nicht mal so sicher

Mercedes Distronic Instrumente Abstandsgrafik ACC Foto: Mercedes 8 Bilder

Dass Autos immer mehr erkennen, bringt nicht immer mehr Sicherheit: Wenn das Auto bremst, weil am Straßenrand ein Schild steht oder ein Tempolimit im Kartenmaterial nicht mehr stimmt. Blöd, wenn so was bei 200 km/h auf der linken Spur passiert.

29.03.2017 Andreas Of 12 Kommentare

Neulich, in einem Audi A5. Linke Spur auf der Autobahn, der Tempomat steht auf 130 km/h, Richtgeschwindigkeit. Plötzlich bremst das Auto, im Instrumentenkombi steht ein 80er-Schild, darunter das Zusatzschild für Regen. Eben hat es noch getröpfelt, der Sensor ließ den Scheibenwischer eher unregelmäßig über die Scheibe fahren. Jetzt fährt der Beifahrer aus seinem leichten Schlaf hoch, erschrickt über die die rüde Bremsung bei schlechter Sicht auf der linken Spur der Autobahn. Bei ihm verursacht das Verhalten des Sicherheitssystems ein Gefühl der Unsicherheit. Auch der Fahrer ist irritiert, kann das Geschehen jedoch schnell einordnen und sich mit einem kurzen Gasstoß wieder dem Verkehrsfluss anpassen.

Einige Wochen davor fühlt sich der Fahrer in einem Mercedes E 400 wie ein Passagier: Bei etwa 200 km/h auf der linken Spur ploppt ein 120er-Schild im Head-up-Display auf. Gleichzeitig versucht das Auto, auf 120 km/h zu kommen, bremst spürbar ab, Fahrer und Beifahrer hängen im Gurt.

Keine Testsituation, aber ein auffälliges Verhalten

Zwei einzelne Beobachtungen, keine Testsituation. Doch der Zusammenhang scheint offensichtlich. Wir haben also die Hersteller gefragt und wollen klären: Wie hängen die beiden Ereignisse mit den beiden Testautos zusammen?

Tempomat achtet auf Tempolimits

Der Abstandstempomat gleicht die gefahrene Geschwindigkeit mit Tempolimits ab. „Im Zweifel wird eher die niedrigere Geschwindigkeit genommen“, erklärt Mercedes dazu. Zur Sicherheit, denn ein Schild könne auch verdeckt oder verschmutzt sein, die Daten im Navigationssystem sind möglicherweise inaktuell.

Audi Q5 ACC Foto: Audi
Der Abstandstempomat hält bei Audi und Mercedes nicht nur Abstand und Geschwindigkeit, sondern auch Tempolimits ein.

Audi hat in manche Modelle einen „prädiktiven Verkehrszeichenassistenten“ programmiert. Der funktioniert so: Die Kamera hinter der Frontscheibe registriert die Verkehrsschilder wie ein aufmerksamer Beifahrer. Die Software erkennt Überholverbote, Tempolimits und Zusatzschilder. Ein Tempolimit, das nachts von 22 bis 6 Uhr gilt, bekommt der Fahrer nur zwischen 22 und 6 Uhr angezeigt. „Die Schildererkennung ist relativ zuverlässig, auch bei schlechter Sicht“, erklärt Audi auf Nachfrage.

Automatisches Ausrollen vor Ortsschildern

Nicht nur die erkannten Schilder spielen eine Rolle. Das Assistenzsystem nutzt auch Streckendaten, die im Navi hinterlegt sind: generelle und örtliche Tempolimits, Kurvenradien, Steigungen und Gefälle. Was Audi etwas sperrig „prädiktive Streckendaten“ nennt, sorgt dafür, dass der Abstandstempomat in einem A4 oder Q5 auch auf Landstraßen die richtige Geschwindigkeit wählt; das Auto fährt dann eben nicht stur 100, sondern nimmt Kurven mit der passenden Geschwindigkeit, lässt ein Automatik-Fahrzeug auf Gefällstrecken ausrollen, wenn danach ein Ortsschild kommt. Das mag Hinterherfahrenden wie Schleichen vorkommen, spart aber Sprit. Um bis zu zehn Prozent könne der "prädiktive Effizienzassistenz" den Verbrauch auf Landstraßen reduzieren, das hätten Testfahrten ergeben.

Dass der Abstandstempomat auf Tempolimits achtet und sich danach richtet, mag nicht jeder Kunde, räumt Audi ein. Darum lässt sich die Funktion in den Fahrzeugeinstellungen auch deaktivieren oder so einstellen, dass die Reaktion verzögert erfolgt. Laut Audi haben manche Kunden eingeräumt, dass sie der Abstandstempomat schon vor hohen Geschwindigkeitsübertretungen bewahrt habe.

Auch Mercedes erlaubt das Abschalten der Funktion. Über das Comand kann auch die Geschwindigkeitswarnung eingestellt werden. Grundsätzlich bleibt auch bei Mercedes „der Fahrer nach wie vor in der Verantwortung für die Fahraufgabe und das Einhalten der Geschwindigkeitsgrenzen.“

BMW bietet ebenfalls Autos mit Abstandstempomat und Verkehrschild-Erkennung an. Auf eine Verknüpfung verzichtet der Hersteller mit Hinweis auf die Autonomie des Fahrers.

Vorher vertraut machen

Vernetzte Assistenzsysteme machen Autos komplexer. Assistenzsysteme wie der Abstandstempomat mit Verkehrszeichenerkennung können wegen eines Tempolimits bremsen, was den Fahrer irritieren kann. Darum vielleicht besser vorher nochmal in die Bedienungsanleitung schauen. Bei Audi und Mercedes kann der Fahrer die Funktion abschalten, dass der Abstandstempomat auf Verkehrsschilder reagiert. Diese Funktion bleibt bei beiden Herstellern auch dann erhalten, wenn das Auto abgestellt und wieder neu gestartet wird. Die Einstellungen für die Funktion finden sich jeweils über Comand (Mercedes) und MMI (Audi) in den Fahrzeugeinstellungen im Menüpunkt Fahrerassistenz.

Augen auf beim Autofahren

Generell gilt, dass die Reaktion auf Tempolimits bei ruhiger Fahrweise und nicht zu hohen Geschwindigkeiten sanfter erfolgt. Das hilft jedoch nicht, wenn ein 80er-Limit den Fahrfluss versemmelt, weil die Elektronik nicht weiß, dass ein paar Regentropfen die Straße noch nicht nass machen. Denn erst dann hätte das 80er-Limit aus dem Eingangsbeispiel auch gegolten. Man sieht: Obwohl die Systeme schon erstaunlich schlau sind und zahlreiche Informationen verknüpfen, können sie Menschen noch nicht immer perfekt vertreten und sie zuweilen sogar unangenehm überraschen. So bleibt trotz aller Assistenzsysteme der Fahrer die letzte Instanz und in der Verantwortung.

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Beim neuen Arteon gibt es auch den prädiktiven Verkehrszeichenassistent. Die maximale Verzögerung liegt aber bei einem Drittel der maximalen Bremskraft, man hängt also nicht in den Seilen. Der VW erkennt allerdings die Uhrzeiten unter einem Tempolimit nicht, so das er unnötig langsam fährt. Da ist noch Verbesserungsbedarf.

Archer 28. Juli 2017, 18:01 Uhr
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