Achsenbruch beim China-Jetta

Schon wieder China-Ärger für VW

04/2014, China, VW Sagitar Foto: Hersteller

Volkswagen muss erneut Autos in China nachbessern. Bei der chinesischen Ausführung des Jetta (Sagitar) ist es zu Hinterachsbrüchen gekommen. Aber offenbar nur, wenn zuvor Unfälle die Fahrzeuge beschädigt hatten. Die Behörden in China zwingen VW dennoch zu einem Rückruf.

Mitte Oktober musste VW weltweit mehr als eine Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit der Hinterachse in die Werkstätten zurückrufen. 563.605 davon in China, 568.265 in Nordamerika. Betroffen sind die Baureihen Jetta, Sagitar (China-Version des Jetta) und Beetle.

Kein Achsbruch ohne Vorschaden

An Modellen der Baureihen mit der sogenannten Koppellenker-Hinterachse kam es in China zu Hinterachsbrüchen - VW spricht von einer niedrigen dreistelligen Zahl. VW untersuchte die Vorfälle in China und erklärte, es läge kein Materialfehler vor. Das Problem trete vielmehr nur auf bei Vorschäden, etwa bei einem Heckaufprall. Wegen der Anordnung der Behörden würden die Fahrzeuge mit dem entsprechenden Bauteil jedoch zurückgerufen. Es werde keine neue Achse montiert, sondern im Falle eines Schadens verbauten die Werkstätten identische, aber unbeschädigte Teile. Zusätzlich wurden die Längsträger der Hinterachse mit Blechen versehen, die die Achse zwar nicht stabilisieren, aber bei einem drohenden Schaden vernehmlich scheppern. "Wir haben keinen Zweifel, dass der 'Sagitar' ein sicheres Auto ist – die Hinterachse hält“, zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den VW-China-Vorstand Jochem Heizmann.

Den chinesischen Kunden geht VWs Vorgehen nicht weit genug. Hunderte Besitzer der betroffenen Sagitar-Modelle protestierten in zahlreichen chinesischen Metropolen vor VW-Händlern. Sie fordern als Ersatz für die einfache Koppellenkerachse neue, technisch aufwendigere Mehrlenkerachsen für ihre Fahrzeuge, wie sie VW beispielsweise in den leistungsstärkeren Golf-Varianten in Europa verbaut (Hier erklären wir den Unterschied zwischen den Achsen).

Auch wenn kein technischer Mangel vorliegt, ist dieser erzwungene Rückruf für VW gefährlich, denn das China-Geschäft macht rund ein Drittel des Gesamtgewinns und ein Viertel des Umsatzes aus. Ein bleibender Imageschaden hier könnte die Gesamtbilanz nachhaltig beeinflussen.

In Deutschland sind bislang keine Probleme mit der Koppellenker-Achse bekannt. Dennoch wird VW auch hierzulande Anfang 2015 rund 15.500 Jetta- und Beetle-Modelle mit dem Klapperblech nachrüsten.

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