Adrian van Hooydonk im Interview

BMW-Designchef über die E-Zukunft

Adrian van Hooydonk, Porträt, Vortrag Foto: Beate Jeske 71 Bilder

auto motor und sport traf Adrian van Hooydonk, Designchef der BMW Group, und stellte ihm Fragen zu alternativen Antriebskonzepten.

Welche Trends gibt es bei der Entwicklung von E-Mobilität?

van Hooydonk: Wenn wir heute unter Zukunft die E-Mobilität verstehen, ist sie näher, als man denkt. Bei BMW beginnt sie mit dem i3 in zwei Jahren, das ist nicht mehr so lange hin.

Unterscheiden sich die Autos denn wirklich?

van Hooydonk: Ja, wir kreieren dafür sogar eine neue Marke. Das Straßenbild wird sich durch das Mega-City-Vehicle i3 und den Sportwagen i8 in zwei Jahren drastisch ändern. Die Autos wirken hochmodern, und man hat das Gefühl, die Zukunft sei angekommen.

Was ist denn so anders?

van Hooydonk: Die Bauweise, der Einsatz von Carbon, die Leichtigkeit und die Aerodynamik, die das Auto auch optisch zum Ausdruck bringt. Da gibt es deutliche Unterschiede zur Marke BMW, deren Tradition darin besteht, sportliche Eleganz auszudrücken.

Beim i3 handelt es sich ja um einen kleinen City-Van. Wie bekommt man da eine gute Aerodynamik hin?

van Hooydonk: Der BMW i3 wird kein Van sein, sondern ein neuartiges, modernes Fahrzeug für urbane Mobilität. Eine Limousine hat von Haus aus sicher bessere aerodynamische Voraussetzungen als ein Auto mit One-Box-Design. Aber es ging uns auch um Raumeffizienz und die Möglichkeit, auf einer kleinen Verkehrsfläche möglichst viel Platz zu bieten. Darüber hinaus ist uns eine gute Aerodynamik gelungen.

Ändert sich denn die Optik bei Autos mit E-Antrieb grundsätzlich?

van Hooydonk: Beim i3 sitzt der Fahrer quasi auf Batterie und E-Motor. Dadurch ändern sich auch die Proportionen. Aber die Aerodynamik wird grundsätzlich sichtbar werden, denn wir haben hier jeden Kunstgriff ausgenutzt.

Werden auch die Folgen des Leichtbaus "sichtbar" sein?

van Hooydonk: Ja, das wollen wir sogar im Design sichtbar machen.

Und wie?

van Hooydonk: Zum Beispiel durch ein helles, leichtes Greenhouse (Anmerkung der Red.: Dachaufbau), das auch gut für die Rundumsicht ist. Helle Materialien und hoher Glaseinsatz lassen ein Auto leicht wirken.

Schaut man sich die E-Autos aktuell auf der Challenge Bibendum an, wirken diese oft eigentümlich. Warum?

van Hooydonk: Bislang gibt es noch kein attraktives Premium-Elektroauto, darin sehen wir ja auch unsere Chance. Nur wenn es uns gelingt, die Autos attraktiv zu gestalten, können wir auch die Elektromobilität voranbringen. Das geht nicht nur über den Verstand, sondern auch über die Emotion.

Verraten Sie uns noch weitere Kniffe, wie man "Zero Emission" optisch zum Ausdruck bringt?

van Hooydonk: Ein E-Auto wirkt im Vergleich zu einem BMW Z4 ruhiger. Wir reden hier von einer sauberen Mobilität, und das lässt sich auch durch eine saubere Gestaltung der Oberflächen ausdrücken. Was wir aufrecht-erhalten, sind die scharfen Linien, weil sie für uns Ausdruck unserer Präzision sind. BMW hatte nie weiche Formen.

E-Autos benötigen weniger Kühlluft als Modelle mit konventionellem Antrieb. Verkleinern Sie die Einlässe in der Frontpartie entsprechend?

van Hooydonk: Ja, denn das hilft auch, dem Kunden zu erklären, um was für ein Fahrzeug es sich handelt. Beim BMW i3 haben wir uns eine Interpretation des Nieren-Themas einfallen lassen, um die Wiedererkennbarkeit sicherzustellen. Aber die Nieren sind hier geschlossen.

Designer müssen bei E-Autos eine Lösung für den Stromanschluss finden, manch einer träumt sogar von der Induktion. Wie sieht es bei Ihnen aus?
van Hooydonk: In der Tat stellt es eine Herausforderung dar, die wir lösen müssen, denn für den Kunden soll das Laden möglichst komfortabel und unkompliziert sein. Laden über Induktion haben wir auch im Auge und sehen dar-in einen vielversprechenden Ansatz.

Eine neue Marke für die BMW Group zu kreieren – wie ist das?

van Hooydonk: So eine Aufgabe bekommt man als Designer ganz selten. Normalerweise macht man einen Nachfolger, oder man entwickelt ein neues Modell. Aber bei BMW i handelt es sich um eine neue Sub-Marke mit gleich zwei Modellen.

Und was übertragen Sie von der neuen Marke zurück auf BMW?

van Hooydonk: BMW i ist noch in der Entstehung, hochmodern und sehr attraktiv. Das beeinflusst natürlich auch die Designer bei BMW, wobei ich dafür sorgen muss, dass diese Einflüsse nicht zu stark sind, um die Marken voneinander zu trennen und linientreu zu halten. Aber die Sub-Marke soll auch der Hauptmarke eine neue Dimension vermitteln.

Besonders in Japan interessieren sich junge Leute längst nicht mehr so stark für Autos wie in der Vergangenheit. Wie sehen Sie diesen Trend?

van Hooydonk: Vor 20 Jahren war das Auto noch das Allergrößte. Für junge Menschen gibt es heute so vieles zu erleben, auch ohne Auto. Das ist einfach so. Trotzdem bietet die individuelle Mobilität noch immer viel Freiheit. Wir reduzieren den Benzinverbrauch, so weit es geht, bieten Zero-Emission-Vehicles an und verschaffen dem Fahrer über das Internet alle Informationen, die er für die Reise braucht. So stellen wir ein emotionales Erlebnis für alle Sinne sicher, das auch junge Leute ansprechen sollte.

Wird das Multimedia-Angebot irgendwann kaufentscheidend sein?

van Hooydonk: Kaufentscheidend bleibt das Design. Premium-Marken müssen für alle Probleme eine Lösung finden und eine entsprechende Funktion anbieten. Aber gekauft wird mit den Augen.

Auf dem Genfer Auto Salon im Frühjahr waren viele Studien mit iPad-Lösungen versehen. Wird es so etwas auch bei BMW geben?

van Hooydonk: Für den Fondbereich bestimmt, da bieten wir auch schon Halterungen beim BMW X5. Aber auf dem Cockpit kann ich mir ein iPad nicht vorstellen. Da setzen wir eher auf einen integrierten Bildschirm.

Welche Fahrzeugkonzepte werden in Zukunft besonders gefragt sein?

van Hooydonk: Die Leute wissen immer besser, was sie für sich persönlich wollen. Deshalb wird es nicht einen Trend zu einem speziellen Konzept geben. Der Markt wird sich vielmehr weiter aufsplitten, deshalb müssen wir auch deutlich unterschiedliche Produkte anbieten. Wir brauchen Familienähnlichkeit bei gleichzeitig sehr unterschiedlichen Charakteren.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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