Aktives Fahrwerk von Bose

Foto: Bose

Nach 24 Jahren Entwicklungsarbeit präsentiert Bose jetzt ein voll aktives Fahrwerk, das den ewigen Zielkonflikt zwischen Komfort und Fahrsicherheit lösen soll. Federn und Dämpfer werden bei dem so genannten Bose Suspension System durch lineare Elektromotoren ersetzt.

Die Motoren sind in der Lage Fahrbahnunebenheiten fast vollständig zu kompensieren, so dass keine zusätzlichen Kräfte in die Karosserie eingeleitet werden. Dadurch schwebt das Auto sprichwörtlich über Bodenwellen und Schlaglöcher hinweg, ohne dass die Karosserie sich bewegt. Das System eliminiert zudem sämtliche Wankbewegungen bei Kurvenfahrt, Spurwechsel und Slalom, und verhindert das Eintauchen beim Bremsen genauso wie das Aufbäumen beim Anfahren.

Die Linearmotoren sind dabei so schnell und leistungsfähig, dass sie das ganze Spektrum möglicher Anregungen durch die Straße kompensieren können. Voraussetzung dafür sind aber eine extrem schnelle Signalverarbeitung und Leistungselektronik sowie die Entwicklung entsprechender Rechenmodelle, so genannter Algorithmen, da das Auto praktisch in Echtzeit auf Unebenheiten reagieren muss. Diese Entwicklungsfelder gehören seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1964 zu den Kernkompetenzen von Bose.

Fahrwerk speist sich teilweise selbst

Das aktive Bose-Fahrwerk bietet eine weitere Besonderheit, die in ähnlicher Form beim regenerativen Bremsen in Hybridautos angewandt wird. Ein Teil der aufgewendeten elektrischen Energie für die Linearmotoren wird wieder zurückgewonnen, indem die Motoren zeitweise als Generatoren arbeiten und die Bewegungsenergie der Räder wieder in elektrische umwandeln. Gespeichert wird diese Energie in Hochleistungs-Kondensatoren, so genannten Ultra-Caps. Dadurch soll der Energiebedarf des ganzen Systems, der im Endeffekt vom Verbrennungsmotor aufgebracht werden muss, nur ein Drittel dessen betragen, was eine Klimaanlage benötigt. Das System arbeitet mit einer Spannungen von über 300 Volt, das Bordnetz weiterhin mit zwölf Volt.

Innerhalb der nächsten sechs Monate sucht Bose nach einem Autohersteller, mit dem das System zur Serienreife gebracht werden kann. Das könnte in etwa vier Jahren der Fall sein. Da das Bose Suspension System modular aufgebaut ist, kann es optional als Alternative zum Serienfahrwerk angeboten werden.

Anstoß für die Entwicklung eines solchen Systems war die Neugier des Firmengründers Amar Bose, ob und mit welchen Mitteln der Zielkonflikt zwischen Fahrsicherheit und Komfort gelöst werden und dem theoretischen Optimum möglichst angenähert werden kann. Geweckt wurde Boses Interesse am Thema Fahrwerk durch seine Erfahrungen mit einem Citroën DS mit hydropneumatischer Federung Anfang der sechziger Jahre.

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