Audi S4 3.0 TFSI quattro Avant, Exterieur Achim Hartmann
Alpina B3 Touring, Exterieur
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Alpina B3 Touring, Interieur
Alpina B3 Touring, Motor 18 Bilder

Alpina B3 Touring und Audi S4 Avant als Gebrauchte

Zwei Bayern-Kombis mit über 300 PS

Deutlich über 300 PS stark und viel Platz für die ganze Familie: Auch als Gebrauchte sind Alpina B3 Touring und Audi S4 Avant sehr verlockende Sportkombis. Also gleich zugreifen?

Kombi, Allradantrieb, Sechszylinder, Automatik – alles ungemein praktisch, alles sehr deutsch. Wir Germanen als Kombi-Nation Nummer eins stehen einfach auf diese Autogattung, die unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut bringt. Als Eier legende Wollmilchsäue sprechen beide bayerischen Mittelklasse-Sportler von Alpina und Audi quasi die gleiche Zielgruppe an. Doch wer genau hinschaut, sieht schnell: B3 und S4 sind unterschiedlicher, als anfangs gedacht. Hier der ganz besondere BMW aus der "Produktion exclusiver Automobile" in Buchloe/Allgäu mit doppelt turbogeladenem Reihensechser.

Der B3 war als Touring ebenso im Angebot wie als Coupé, Limousine und Blechdach-Cabrio. Die Sechsstufenautomatik war Pflicht, Allrad gab es auf Wunsch. Von 2007 bis 2010 bot der B3 360 PS, nach dem Facelift des Dreier 2010 kam der Nachfolger B3 S mit glatten 400 PS.

Weniger PS im V6

Ganz anders der S4 vom Massenhersteller aus Ingolstadt: 2008 kam der Sportler als Limousine und Avant mit dem neuen kompressorgeladenen Dreiliter-V6 und 333 PS auf den Markt. Zur Wahl stand die manuelle Sechsgangbox oder der Doppelkuppler S tronic.

Ab 2011 entfiel das manuelle Getriebe. Das zweitürige Coupé, das Stoffdach-Cabrio und das viertürige Fließheck-Coupé Sportback nannte Audi dagegen S5 – wobei einzig das Coupé bis 2011 noch mit dem 4,2 Liter großen V8-Saugmotor und 354 PS befeuert wurde.

Dazu noch der Eigensinn von Audi, die "V6 T" auf die Kotflügel pappten. Doch es ist kein Turbo, sondern ein Kompressor an Bord. Verwirrend? Na ja, das nennt man Modellpolitik. Wichtiger: Wie sieht es mit der Auswahl aus? Wie zu erwarten, liegt der Audi klar in Führung. Wer sich auf die Kombis beschränkt, findet rund dreimal so viele S4 wie B3 im Netz. Da ist sie wieder, die Produktion exklusiver Automobile, die jeden Alpina-Käufer zum PS-Gourmet macht.

Der musste beim Neuwagen übrigens über 8.000 Euro mehr investieren als der S4-Kunde. Heute hat sich diese Differenz reduziert: Gebrauchte S4 starten bei 11.000 Euro, B3 aus Vorbesitz bei 17.500 Euro. Alpina-Aficionados müssen sich im Zweifel mehr Zeit für die Suche nehmen. Und weitere Strecken zurücklegen, um ihren Bald-ist-er-meiner-Traumwagen zu finden.

Alpina B3 Touring, Interieur
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Tachostand bei knapp 210.000 im scheckheftgepflegten, gut ausgestatteten Alpina B3 Touring Allrad.

sport auto hat mehr Glück: Ein elf Jahre alter B3 Touring Allrad aus dritter Hand steht beim Car Center in Filderstadt unweit des Stuttgarter Flughafens. Geschäftsführer Nico Sauter: "Der B3 steht schon über ein Jahr. Der Vorbesitzer hat sich bei mir einen B5 gekauft und den blauen Touring in Zahlung gegeben." Mit 19.990 Euro gehört er zu Deutschlands günstigeren B3 der Modellreihe E91. Für den Kombi sprechen die durchgängig bei BMW durchgeführten Inspektionen, die komplette Ausstattung und der mitgelieferte Winterradsatz. Ein Schaden am linken hinteren Radlauf wurde fachgerecht beseitigt.

Abschreckend kann der Blick auf den Alpina-Tacho wirken: Die Digitalanzeige steht bei knapp 210.000 Kilometern. Immerhin gab es zuletzt noch frischen Schmierstoff für den Langstreckenmotor. Doch der N54, der Reihensechser des 335i mit zwei Turboladern, auf dem das Alpina-Aggregat basiert, hat seine Schwachpunkte: etwa Injektoren, Wasserpumpe, Wastegate sowie Zündspulen – und auch der BMW-Evergreen Vanos taucht in der Mängelbilanz auf.

Jetzt stehen aber erst mal Genusskilometer statt Sorgenfalten an: rote Nummern drangeklipst, noch ein paar Liter Super Plus in den Tank und ab auf die Landstraße. Sonne satt versüßt den kalten Freitagnachmittag. Dabei ist der Alpina-Sechser eine Wucht: Sein wohlig-warmer Klang garantiert Gänsehaut. Dazu das Zupacken beim kleinsten Fußzucken.

Und auch wenn es die Papierwerte nicht vermuten lassen – 360 PS bei 5.500/min –, Drehzahlen bis 7.000 Touren schüttelt der seidenweich laufende Reihenmotor locker von seiner Kurbelwelle. Freunde, man muss keine 400 PS plus haben, um happy zu sein. Stopp: und das merkwürdige Geräusch beim Motorstart? Vermutlich nur ein loses Hitzeschutzblech am Unterboden.

Alpina B3 Touring, Motor
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360 PS bei 5.500/min –, Drehzahlen bis 7.000 Touren schüttelt der seidenweich laufende Reihenmotor locker von seiner Kurbelwelle.

Als Spaßkiller outet sich die Sechsgangautomatik: Sie agiert im Vergleich zu heutigen Wandlergetrieben schläfrig und lässt die Schnelligkeit vermissen. Anstatt Schaltpaddel montierte Alpina Knöpfe an der Rückseite – Geschmackssache. Es gab weder einen Handschalter noch ein Doppelkupplungsgetriebe.

Die B3-Lenkung erfordert festen Griff und spart mit Servounterstützung. Gefühlt liegt das Federdämpfer-Set-up zwischen 335i und M3. Das ergibt unterm Strich eine ziemlich ideale Kombination für verwinkelte Landstraßen, die auch auf Langstrecken nicht negativ auffällt. Doch die knapp sechs Jahre alten Reifen präsentieren sich recht laut. Auf den hinteren Pneus ist nur noch wenig Restprofil vorhanden.

Tags darauf: Die Sonne scheint schon wieder, nur der kalte Wind pfeift noch fieser durchs Industriegebiet als gestern. In der Daimler-Geburtsstadt Schorndorf steht bei Koberstein Automobile neben 911 GT3 RS, Audi R8 und Wiesmann MF28 ein S4 Avant für 26.650 Euro.

Nur 40.000 Kilometer

Nein, diesmal ist es nicht die Zahl 210.000 auf dem Tacho, die einen nachdenklich stimmt: Der silberne S4 hat nur etwas über 40.000 Kilometer runter. Wirklich? In Zeiten der Tachotrickser-Storys sind Zweifel angebracht. Doch der Zustand ist bestechend: keine Kratzer und Dellen, dazu feine Alus, die Inhaber Klaus Koberstein aufbereiten ließ. Auch innen kein Verschleiß, der zehn Jahre alte S4 wirkt wie ein Jahreswagen. Doch der Blick ins Serviceheft macht skeptisch. Bei zwei Inspektionen fehlen die Stempel. Koberstein: "Wundert uns auch. Aber beide Inspektionen wurden im Audi-Betrieb durchgeführt. Die Service-Historie stimmt, ein Audi-Händler hat sie für uns online abgefragt."

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Der silberne S4 hat nur etwas über 40.000 Kilometer runter.

Beruhigt gehen wir auf Tour. Auch hier macht sich die lächerliche Laufleistung bemerkbar. Der S4 fühlt sich an wie neu. Leider klingt der Kompressormotor nicht sehr dynamisch, er nölt etwas aus seinen vier Rohren. Der 3.0 TFSI ist eben kein ausgewiesener Sportmotor. Audi installierte ihn schließlich in fast allen Modellen, vom A6 bis zum Q7.

Der V6 schiebt zwar satt an, doch im Vergleich zum B3 fehlt ihm etwas die Power. Bestätigung liefert der Blick auf die sport auto-Messwerte. Selbst wenn damals keine Kombis, sondern ein B3 Coupé und eine S4 Limousine getestet wurden: Auf dem Kleinen Kurs Hockenheim war der Alpina eine Sekunde schneller als der schwere Audi. Grundsätzlich gefällt die S tronic besser als ein Wandlerautomat, aber die verzögerten Reaktionen auf den Klick am Schaltpaddel zeigen, dass die Zeit auch hier nicht stehen geblieben ist. Außerdem ruckelt und knackt der Doppelkuppler beim Rangieren, ein Software-Update oder Ölwechsel könnte Abhilfe schaffen.

Gewichtiger S4 Avant

Überzeugend: die Kombination Dynamiklenkung, elektronische Dämpferregelung und Sportdifferenzial, damals vom Erstbesitzer als Extra bestellt. Via Drive Select lässt sich der S4 vom unauffälligen Komfort-Cruiser zum hecklastigen Spaßmobil verwandeln.

ESP ist wie beim B3 komplett abschaltbar – lobenswert. Dochje mehr man den Audi auf kurvenreichen Strecken rannimmt, desto deutlicher spürt man sein hohes Gewicht. Der Audi fühlt sich eine halbe Klasse größer an als der etwa 100 Kilo leichtere und kompaktere B3.

Kann ein S4 Ärger machen? Ja, leider auch beim Motor. Vereinzelt ist von Kolbenkippern, rasselnden Steuerketten und defekten Injektoren die Rede. In diesem Punkt herrscht dann wieder Einigkeit mit dem B3.

Fazit

Schon klar, mit einem M3 oder RS 5 hat man auf der Rennstrecke mehr Spaß. Dafür glänzen die beiden Sportkombis von Alpina und Audi auch in anderen Disziplinen, bei denen die supersportlichen Topmodelle nicht wirklich überzeugen können. Mehr Alltagstauglichkeit bei gleichzeitig guter Performance als bei B3 und S4 geht kaum. Hinzu kommen attraktive Preise für beide Gebrauchtwagen.

Doch egal ob man sich für den Alpina B3 Touring oder den Audi S4 Avant entscheidet, man sollte die Unterhaltskosten nicht vergessen: Verbrauchswerte von 13 bis 15 Litern Super Plus alle 100 Kilometer bei flotter Gangart sind normal. Die Ausgaben für Versicherung, Inspektionen und Ersatz- beziehungsweise Verschleißteile liegen zwar günstiger als bei einem M3 oder RS 4, den kleinen Geldbeutel aber können die Ausgaben schnell überfordern. Unterm Strich liegen die Werkstattkosten für den Ingolstädter etwas höher, dafür kassieren die Versicherungen bei den Kunden des Allgäuer Power-Kombis mehr ab.

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