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Audi Chef-Rupert Stadler in U-Haft

Wollte Stadler Zeugen beeinflussen?

Rupert Stadler, Porträt Foto: Stefan Baldauf

Audi-Chef Rupert Stadler, seit dem 1. Januar 2007 Vorstandsvorsitzender der Audi AG ist im Rahmen der Ermittlungen zum VW-Abgasskandal am Montag (18.6.2018) verhaftet worden. Der Niederländer Bram Schot soll als Interims-Chef Audi führen. Hier die ersten Hintergründe der Verhaftung.

20.06.2018 Holger Wittich

Wie die Staatsanwaltschaft in München am Montag (18.6.2018) mitteilte, wurde „der Beschuldigte […] der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat.“ Es bestünde Verdunklungsgefahr. Diese liegt nach Paragraf 112 Absatz 2 der Strafprozessordnung vor, wenn der dringende Verdacht besteht, dass ein noch nicht inhaftierte Person Beweismittel vernichtet, ändert oder Zeugen und Mitschuldige beeinflussen könnte.

Gegenüber der „Welt“ sagte Staatsanwalt Stephan Necking: „Stadler hat bereits mitteilen lassen, dass er sich vernehmen lassen wird.“ Es sei unwahrscheinlich, dass man ihn gegen Kaution wieder auf freien Fuß setzt, weil die Verdunkelungsgefahr mit einer Geldzahlung ja nicht aus der Welt geschafft wird, so Necknig. Bei der Haftrichterin selbst machte Stadler laut Staatsanwaltschaft keine Angaben zur Sache. Seine Vernehmung soll spätestens am Mittwoch (20.6) beginnen.

Stadlers Telefon wurde abgehört

Abgastest auf der Straße, Mercedes C-Klasse, AMS2515 Diesel-Abgasmessungen Zwei weitere NOx-Sünder erwischt

Ermittler haben laut „Süddeutscher Zeitung“ sieben Tage vor und nach der Razzia in Stadlers Privatwohnung am 11.6 dessen Telefonate abgehört. Nach Recherche der Bild-Zeitung sprach der Audi-Chef mit anderen im Diesel-Abgasskandal Beschuldigten. In den nächsten Tagen solle er sich mit Mitarbeiten verabredet haben, die ihm im Dezember 2015 über den Diesel-Skandal informiert hatten, so das Blatt. Die Süddeutsche, der NDR sowie der WDR berichten am Mittwoch (20.6.) Stadler habe in einem Telefonat erwähnt, er überlege einen Angestellten beurlauben zu lassen. Dieser soll bei den Ermittlern zur Abgasaffäre ausgesagt haben und zur Diesel-Task-Faorce des Konzerns gehören, die intern herausfinden soll, welche Audi-Fahrzeuge mit illegaler Abgasreinigung ausgerüstet sind. Der Mitarbeiter habe ausgesagt, dass er wegen einer Weisung des Vorstands Kollegen, die für die Abgasmanipulationen verantwortlich gewesen sein sollten, nicht befragen durfte.

Rupert Stadler wird seit dem 30. Mai im Diesel-Abgasskandal als Beschuldigter geführt, die Staatsanwaltschaft München II legt ihm und einem weiteren Beschuldigten Betrug und mittelbare Falschbeurkundung zur Last. Insgesamt sind 20 Personen als Beschuldigte in dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft geführt.

Bram Schot neuer Audi-Chef

Bram Schot Foto: Audi
Bram Schot wird Interims-Audi-Chef.

Ursprünglich sollte Stadler am Montag zur Aufsichtsratssitzung nach Wolfsburg reisen, denn dort tagte – schon seit längerem anberaumt – das Aufsichtsgremium. Insidern zu folge wollte man dort auch Stadler in der Abgasaffäre auch den Rücken stärken, nun müssen sich die Aufsichtsräte einen neuen Vorstandschef suchen. Die Suche scheint jedoch nicht ganz so einfach zu sein, lange haben die Aufsichtsratsmitglieder getagt, ohne eine Entscheidung. Jetzt ist es offiziell. In einer knappen Stellungnahme teilte VW mit, dass Stadler „vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden ist“ und der Niederländer Bram Schot als Interims-Chef den Vorstandsvorsitz übernimmt. Er verantwortet aktuell das Ressort Vertrieb und Marketing. Eine konkrete Entscheidung steht jedoch noch aus.

Warum nur beurlaubt und nicht fristlos gekündigt? Dahinter steckt zum Einen die Zerrissenheit innerhalb des Aufsichtsrats. Hier wollen einige Mitglieder einen harten Schnitt, andere den Status quo beibehalten. Zum Anderen ist es aber auch klares Kalkül: Noch in Diensten von VW muss der Vorstand dem Aufsichtsrat Rede und Antwort stehen, ggf. sich sogar selbst belasten.

Stadler tief im VW-Konzern verwurzelt

Rupert Stadler, der in der Branche auch „Teflon-Stadler“ genannt wird, hat sich in der Abgasaffäre als zweitwichtigsten Mann im Konzern lange auf seinem Posten halten können, während um ihn herum VW-Manager wie Martin Winterkorn und sogar dessen Nachfolger Matthias Müller ihre Posten räumen mussten. Trotz aller Vorwürfe gegen ihn hält Aufsichtsrat Hans Dieter Pötsch immer an Stadler fest, auch weil die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zu Stadler stehen. Hintergrund dürfte auch sein, dass Rupert Stadler 1997 Büroleiter des VW-Patriarchen Piëch wurde und tiefe Einblicke in die Macht-Strukturen des Wolfsburger Konzern hatte. Darüber hinaus leitete er Teile der Stiftungen der Familie Piëch und avancierte damit zu einer Art persönlicher Vermögensverwalter.

Rupert Stadler ist am 17. März 1963 im oberbayrischen Tittingen geboren. Er wuchs als Sohn eines Landwirts auf und studierte in Augsburg BWL mit Schwerpunkt Unternehmensplanung und Controlling. 1990 übernahm er die Leitung des Controllings bei Audi, stieg 1994 zum kaufmännischen Geschäftsführer von VW-Audi in Spanien auf und wurde Ende 2006 zum Vorstandsvorsitzenden der Audi AG ernannt. Er folgte auf Martin Winterkorn, der den Chef-Posten bei VW übernahm. Stadler ist ebenfalls Vorstandsmitglied der VW AG sowie Aufsichtsratsmitglied der Porsche Holdung, Präsident des Verwaltungsrates von Lamborghini und der VW Group Italien, Aufsichtsrats-Mitglied der MAN Truck & Bus AG sowie MAN SE, Verwaltungsratsmitglied von Italdesign und Mitglied des Aufsichtsrates des FC Bayern München Stadler ist verheiratet und hat drei Kinder.

Neben Stadler sitzt wegen des Abgasskandals der frühere Leiter der Aggregate-Entwicklung von Audi, Wolfgang Hatz, seit rund neun Monaten in Untersuchungshaft. Dazu wurde in den USA der VW-Manager Oliver S. zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Neuester Kommentar

Wäre mal wieder Gelegenheit, reinen Tisch zu machen...und den schwarzen Peter bei Dr.Z zu lassen.../Jetzt kommen die interessanten Bauernopfer...

Guest 19. Juni 2018, 22:19 Uhr
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