Stadler aus U-Haft entlassen

Ex-Audi-Chef kommt frei

Rupert Stadler, Porträt Foto: Stefan Baldauf

Rupert Stadler wurde Mitte Juni als Vorstandsvorsitzender der Audi AG im Rahmen der Ermittlungen zum VW-Abgasskandal verhaftet. Jetzt kam der ehemalige Audi-Chef unter Auflagen aus der Untersuchungshaft frei.

Das Oberlandesgericht (OLG) München hat Rupert Stadler aus der Untersuchungshaft entlassen. Ein dringender Tatverdacht und der Haftgrund der Verdunkelungsgefahr bestehe jedoch weiterhin, erklärte das OLG in einer Pressemitteilung. Stadler wurde ein Kontaktverbot zu für das Ermittlungsverfahren relevanten Personen auferlegt, außerdem muss er eine Kaution in nicht genannter Höhe hinterlegen. Der Haftbefehl besteht seit 18.06.2018.

Audi entlässt Stadler

Mit einer knappen Erklärung verabschiedet sich der Volkswagen-Konzern von Rupert Stadler. Der Audi-Chef und VW-Vorstand, seit 1990 im Konzern tätig, „scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen aus und ist nicht mehr für den Volkswagen Konzern tätig“, teilt Volkswagen mit. Die Begründung folgt im nächsten Satz: „Hintergrund ist, dass Herr Stadler aufgrund seiner andauernden Untersuchungshaft nicht in der Lage ist, seine Aufgaben als Mitglied des Vorstands zu erfüllen und sich stattdessen auf seine Verteidigung konzentrieren will.“ Die vertragliche Abwicklung sei an den Verlauf und den Ausgang des Strafverfahrens geknüpft. Vier Sätze reichen Volkswagen, die Karriere des einstigen Piech-Büroleiters zu beschreiben.

Stadler in U-Haft

Stadler sitzt seit dem 18.6.2018 in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in München bestünde Verdunklungsgefahr. Diese liegt nach Paragraf 112 Absatz 2 der Strafprozessordnung vor, wenn der dringende Verdacht besteht, dass ein noch nicht inhaftierte Person Beweismittel vernichtet, ändert oder Zeugen und Mitschuldige beeinflussen könnte.

Abgastest auf der Straße, Mercedes C-Klasse, AMS2515 Diesel-Abgasmessungen Zwei weitere NOx-Sünder erwischt

Ermittler haben laut „Süddeutscher Zeitung“ sieben Tage vor und nach der Razzia in Stadlers Privatwohnung am 11.6 dessen Telefonate abgehört. Nach Recherche der Bild-Zeitung sprach der Audi-Chef mit anderen im Diesel-Abgasskandal Beschuldigten. In den nächsten Tagen solle er sich mit Mitarbeiten verabredet haben, die ihm im Dezember 2015 über den Diesel-Skandal informiert hatten, so das Blatt. Die Süddeutsche, der NDR sowie der WDR berichten am Mittwoch (20.6.) Stadler habe in einem Telefonat erwähnt, er überlege einen Angestellten beurlauben zu lassen. Dieser soll gegenüber den Ermittlern zur Abgasaffäre ausgesagt haben und zur Diesel-Task-Force des Konzerns gehören, die intern herausfinden soll, welche Audi-Fahrzeuge mit illegaler Abgasreinigung ausgerüstet sind. Der Mitarbeiter habe ausgesagt, dass er wegen einer Weisung des Vorstands Kollegen, die für die Abgasmanipulationen verantwortlich gewesen sein sollten, nicht befragen durfte.

Rupert Stadler wird seit dem 30. Mai 2018 im Diesel-Abgasskandal als Beschuldigter geführt, die Staatsanwaltschaft München II legt ihm und einem weiteren Beschuldigten Betrug und mittelbare Falschbeurkundung zur Last. Insgesamt sind 20 Personen als Beschuldigte in dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft geführt.

Bram Schot neuer Audi-Chef

Bram Schot Foto: Audi
Bram Schot wird Interims-Audi-Chef.

Ursprünglich sollte Stadler am Montag, 18. Juni zur Aufsichtsratssitzung nach Wolfsburg reisen, denn dort tagte – schon seit längerem anberaumt – das Aufsichtsgremium. Insidern zu folge wollte man dort auch Stadler in der Abgasaffäre auch den Rücken stärken. Stattdessen teilte damals VW in einer knappen Stellungnahme mit, dass Stadler „vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden ist“ und der Niederländer Bram Schot als Interims-Chef den Vorstandsvorsitz übernimmt. Er verantwortete bis dato das Ressort Vertrieb und Marketing.

Warum nur beurlaubt und nicht fristlos gekündigt? Dahinter steckte zum Einen die Zerrissenheit innerhalb des Aufsichtsrats. Hier wollten einige Mitglieder einen harten Schnitt, andere den Status quo beibehalten. Zum Anderen ist es aber auch klares Kalkül: Noch in Diensten von VW muss der Vorstand dem Aufsichtsrat Rede und Antwort stehen und unter Umständen sich sogar selbst belasten. Diese Überlegungen scheinen nun mit der Verhaftung Stadlers eine neue Richtung genommen zu haben. Die Verhandlungen über die Vertragsauflösung Stadlers erschwerte die U-Haft des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden: Stadler musste die Verhandlung seinen Anwälten überlassen. Im Gefängnis ist es nicht möglich, jederzeit Rückfragen zu beantworten.

Stadler tief im VW-Konzern verwurzelt

Rupert Stadler, der in der Branche auch „Teflon-Stadler“ genannt wird, hat sich in der Abgasaffäre als zweitwichtigsten Mann im Konzern lange auf seinem Posten halten können, während um ihn herum VW-Manager wie Martin Winterkorn und sogar dessen Nachfolger Matthias Müller ihre Posten räumen mussten. Trotz aller Vorwürfe gegen ihn hält Aufsichtsrat Hans Dieter Pötsch immer an Stadler fest, auch weil die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zu Stadler stehen. Hintergrund dürfte auch sein, dass Rupert Stadler 1997 Büroleiter des VW-Patriarchen Piëch wurde und tiefe Einblicke in die Macht-Strukturen des Wolfsburger Konzern hatte. Darüber hinaus leitete er Teile der Stiftungen der Familie Piëch und avancierte damit zu einer Art persönlicher Vermögensverwalter.

Rupert Stadler ist am 17. März 1963 im oberbayrischen Tittingen geboren. Er wuchs als Sohn eines Landwirts auf und studierte in Augsburg BWL mit Schwerpunkt Unternehmensplanung und Controlling. 1990 übernahm er die Leitung des Controllings bei Audi, stieg 1994 zum kaufmännischen Geschäftsführer von VW-Audi in Spanien auf und wurde Ende 2006 zum Vorstandsvorsitzenden der Audi AG ernannt. Er folgte auf Martin Winterkorn, der den Chef-Posten bei VW übernahm. Stadler ist ebenfalls Vorstandsmitglied der VW AG sowie Aufsichtsratsmitglied der Porsche Holdung, Präsident des Verwaltungsrates von Lamborghini und der VW Group Italien, Aufsichtsrats-Mitglied der MAN Truck & Bus AG sowie MAN SE, Verwaltungsratsmitglied von Italdesign und Mitglied des Aufsichtsrates des FC Bayern München Stadler ist verheiratet und hat drei Kinder.

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