Audi PB 18 E-Tron

Die Audi-Zukunft ausprobiert

Audi PB18 e-tron Audi PB18 e-tron Audi PB18 e-tron Audi PB18 e-tron 24 Bilder

Audi stellt in Pebble Beach eine Studie vor, die so gar nicht autonom fahren soll: Der PB18 e-tron basiert auf LMP1-Technik, hat drei Elektromotoren, eine Festkörperbatterie und kann mit 800 Volt laden. Das Showcar dürfte Designelemente der neuen R8-Generation enthalten. Assistenzsysteme? Null.

Kennen Sie das? Geschwister können sich so ähnlich sehen und doch so unterschiedlich sein. 2017 machten wir bereits Bekanntschaft mit dem Audi Aicon, die Studie zu einem autonom fahrenden Luxus-SUV mit Elektroantrieb. Der in Pebble Beach präsentierte Audi PB18 e-tron sieht dem Aicon zwar irgendwie ähnlich, hat aber einen ganz anderen Charakter.

Denn während sein größerer Bruder eher zur bequemeren Truppe gehört, soll der PB18 e-tron der Athlet in der Familie sein. Daran erinnert auch die „18“ im Namen. Denn ihm vermachte ihm sein Technik-Ahne LMP1 R18 e-tron, der dreimal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Das PB steht für Pebble Beach.

Shooting Brake-Sportler misst 4,53 Meter

Konkret handelt es sich beim PB18 e-tron um einen etwa 1.550 kg schweren Mittelmotor-Sportwagen mit 680 PS (500 kW). Er ist 4,53 Meter lang, zwei Meter breit und 1,15 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,70 Meter, die Überhänge sind kurz. Zusammen mit der weit nach hinten gezogenen Dachlinie und mit der breiten C-Säule erinnert das Heck an ein Shooting-Brake-Modell. Überraschend: Audi gibt das Kofferraumvolumen mit 470 Litern an. Das wäre sehr üppig für einen Sportwagen. Zum Vergleich: Ein VW Golf VII packt nur 380 Liter. Die Karosserie besteht aus einer Mischung zwischen Aluminium, Karbon und Multimaterial-Verbundstoffen.

Verschiebbares Monocoque und ausklappbarer zweiter Sitz

Drinnen entpuppt sich der PB18 e-tron als kleine Trickkiste: Denn Fahrersitz und Cockpit sind in einer inneren, seitwärts verschiebbaren Monocoque-Schale integriert. Der Vorteil: Will der Pilot allein losfahren, kann er sich mittig wie in einem Monoposto positionieren. Ist noch ein weiterer Mitfahrer an Bord, lässt sich das Cockpit nach links verschieben und rechts ein weiterer Sitz ausklappen. Die Flexibilität entsteht Audi zufolge dadurch, dass sich Lenkung und Pedalerie by-wire steuern lassen – auf mechanische Anbindungen verzichteten die Ingolstädter bei dieser Studie.

Audi PB18 e-tron Foto: Audi

Der Fahrer blickt nicht nur auf die Straße, sondern auf eine transparente OLED-Fläche, auf der sich beispielsweise Navigationsdaten oder aber auch die Ideallinie einer Rennstrecke einblenden lassen –Audi betont mehrfach, dass die Studie für puren Fahrspaß stehen soll. Während der Aicon beispielsweise vollgepackt Assistenzsystemen daher kam, steht beim PB18 der Fahrer im Zentrum.

Sitzprobe inder „Playstation“

„Das ist wie Playstation“, sagt Audi-Designchef Marc Lichte, während er mit dem Finger auf die weit nach unten gezogene Windschutzscheibe des Audi PB18 e-tron zeigt. Der Fahrer sieht in der Tat viel mehr von dem Äußeren des Showcars, nicht nur Armaturenbretter und Knautschzone. Möglich macht das Lichte zufolge der Elektroantrieb, der deutlich weniger Platz braucht als ein Verbrenner. Da könne man auch mal was Unkonventionelles mit der Motorhaube machen.

Audi PB18 e-tron Foto: Natalie Diedrichs
Audi-Designchef Marc Lichte erklärt, warum der PB 18 e-tron für ihn das pure Fahrvergnügen bedeutet.

Es gibt ja wirklich viele Zukunftsstudien – und manche bleiben eher in Erinnerung als andere. Der PB18 zählt zur ersten Gruppe, allen voran wegen des tatsächlich sehr ungewöhnlichen Sitzkonzeptes. Auf Knopfdruck surrt der Sitz von der Fahrzeugmitte nach links. Lichte macht die erste Tür auf, dann die zweite. Ja, richtig gelesen. Um bequemer in der Sitzschale Platz zu nehmen, lässt sich auch das Monocoque mit einer weiteren Mini-Tür öffnen.

Dann sitzt man drin und schließt die erste und die zweite Tür wieder. Surrend fährt der Sitz in die Mitte. Die Schale liegt sehr eng an, Wohnzimmercouch-Feeling kommt da natürlich nicht auf. Große Menschen sollen aber auf jeden Fall reinpassen, „Das hab ich schließlich selbst getestet, beteuert der über zwei Meter große Marc Lichte und klopft sich mit der flachen Hand auf den Kopf. Da der PB 18 ja weitestgehend ohne Assistenzsysteme auskommen soll, befinden sich kaum Knöpfe im Cockpit – selbst ein Playstation-Controller dürfte mehr haben.

Reichweite bis 500 Kilometer

Zwischen Monocoque und Hinterachse befindet sich das Batteriepaket Elektro-Renners. Die flüssigkeitsgekühlte Festkörperbatterie ist 95 kWh groß. Eine Vollladung soll für mehr als 500 km (WLTP) reichen. Die Studie sei dabei für das Laden mit 800 Volt ausgelegt – sofern die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, ließe sich der PB18 in 15 Minuten voll aufladen. Darüber hinaus sei hier auch induktives Laden möglich, also ohne Kabel, dafür mit einer Ladeplatte, die unter dem Fahrzeug platziert ist.

Die Akkus geben Power für drei Elektromotoren. Einer sitzt vorn, die anderen beiden befinden sich mittig zwischen den Achsschenkeln und treiben über Halbwellen jeweils ein Rad an. Sie speisen eine Leistung von bis zu 150 kW an die Vorderachse und 450 kW an die Hinterachse. Insgesamt kommt der PB18 e-tron auf 500 kW (680 PS), kurzzeitig seien sogar 570 kW (774 PS) abrufbar, verspricht Audi. Das Drehmoment liegt bei 830 Newtonmetern, einen Sprint von null auf hundert soll der Stromer in gut zwei Sekunden schaffen. Ein Torque Control Manager verteilt die Momente je nach Bedarf an die Räder der Vorder- und Hinterachse.

Fahrwerk wie beim Le Mans-Renner

Auch beim Fahrwerk der Studie orientierte sich Audi am Le Mans-Renner: Vorn und hinten hat der PB18 e-tron jeweils eine Einzelradaufhängung an den unteren und oberen Querlenkern. Dann wären da noch 22-Zoll-Räder und 19 Zoll große Karbon-Bremsscheiben, die aber erst bei starker Verzögerung zum Einsatz kommen. Leichtes Bremsen geschieht durch die Elektromotoren, die mithilfe von Rekuperation Energie zurückgewinnen. Ein weiteres Le Mans-Feature ist das Laser-Fernlicht, das auch bei Geschwindigkeiten von über 300 km/h für eine ausgeleuchtete Strecke sorgen soll.

Fazit

Audis Studie könnte Designelemente der kommenden R8-Generationen und des e-tron GT vorgreifen. Mit dem PB18 e-tron senden die Ingolstädter ein klares Zukunftssignal: Dass nämlich trotz allen Wirbels um das autonome Fahren auch weiterhin der sportliche Fahrspaß eine wichtige Komponente bei Audi bleiben soll. Eine kleine Anekdote: Der interne Arbeitstitel des Showcars lautete „Level Zero“ – in Anspielung auf die verschiedenen Level des automatisierten Fahrens. „Zero“ bedeutet in diesem Zusammenhang also: das absolute Gegenteil von autonom – womit der PB18 ganz schön aus der Reihe tanzt. Das machen Geschwister ja auch ganz gern.

Neues Heft
Top Aktuell 11/2018, Volvo auf der AutoMobility LA 2018 AutoMobility L.A. 2018 Volvo zeigt Konzepte, aber kein Auto
Beliebte Artikel Audi E-Tron GT Elektrosportler Audi E-Tron GT (2020) Das ist der Porsche Mission E im Audi-Dress Erlkönig Audi R8 E-Tron Erlkönig Audi R8 (2012) Neue Optik, mehr Power, E-Tron am Start
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Speed Buster BMW M5 BMW 5er-Tuning Bis zu 800 PS im M5 sind möglich Aston Martin Vanquish Coupé, Impression, Schottland Neuer Morgan Sportwagen Basis von Aston Martin?
Allrad Ford Bronco Neuer Ford Bronco 2020 Bald Serie, aber nicht mehr Kult Subaru Crosstrek Hybrid (USA) Subaru Crosstrek Hybrid (2019) XV für die USA als Hybrid
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu