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Real-Verbrauch von Audi, BMW, Mercedes im Test

Analyse zur Audi-Schummelsoftware

Audi A7 auf dem Rollen-Prüfstand Foto: Audi 45 Bilder

Audi soll Normwerte per Software manipuliert haben. Schummelt die VW-Tochter tatsächlich mehr als andere? auto motor und sport analysiert die Verbrauchswerte von Audi und vergleicht sie mit den Testwerten von BMW und Mercedes.

24.11.2016 Dirk Gulde 19 Kommentare

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Gut ein Jahr nach dem Abgas-Skandal gibt es neue Vorwürfe gegen Audi. Die VW-Tochter soll Software zur Erkennung von Rollenprüfständen nicht nur zur Manipulation der Dieselabgase verwendet haben, sondern auch, um bei Verbrauchsmessungen zu tricksen. Bereits im Sommer deckte Kaliforniens Umweltbehörde CARB die Methode auf, jetzt reichte eine amerikanische Kanzlei Sammelklage im Namen betroffener Fahrzeugbesitzer ein.

Die Schummel-Software soll bei Audi mit Dreiliter-Benziner und Automatikgetriebe AL 551 eingesetzt worden sein. Dessen Schaltstrategie verändert sich, wenn das Auto auf einem Rollenprüfstand fährt.

Lenkung dient als Sensor

Die Methode funktioniert simpel: Wird das Lenkrad um mehr als 15 Grad gedreht, geht die Software vom Betrieb auf der Straße aus und entscheidet sich für ein weniger spritsparendes Kennfeld. Ohne Lenkeingriffe schaltet die Automatik so, dass möglichst wenig verbraucht wird.

Beim AL 551 handelt es sich um eine Achtgang-Wandlerautomatik für Modelle mit Längsmotor, in den USA sollen die Baureihen A6, A8, Q5 und eventuell Q7 betroffen sein. Der Dieselskandal droht nun auch zu einem Verbrauchsskandal zu werden. Pikant: In Deutschland richtet sich die Kfz-Steuer nach dem CO2-Ausstoß und damit direkt nach dem Verbrauch. Im Rahmen der Nachforschungen zum Dieselskandal ließ das KBA auch Verbrauchsmessungen durchführen. Laut „Spiegel“ sollen knapp 30 der 53 untersuchten Modelle auf dem Rollenprüfstand mehr als zehn Prozent über der Herstellerangabe gelegen haben. Zwei Audi waren dabei die größten Ausreißer.

Legale Optimierung lange bekannt

Dass offizielle Verbrauchsangaben viel zu niedrig bemessen sind, ist seit Langem bekannt. auto motor und sport prangert zudem seit Jahren an, dass die Diskrepanz zwischen Norm- und Realverbrauch immer größer wird. Bisher gingen wir davon aus, dass Hersteller lediglich rechtliche Grauzonen ausnutzen, indem sie ihre Autos mit rolloptimierten Reifen und Leichtlaufölen ausstatten oder Karosseriefugen abkleben, um den cw-Wert zu verbessern. Eine echte Prüfstandserkennung war bisher nur im Zusammenhang mit Abgasmanipulationen aufgetaucht – mit den bekannten Konsequenzen: Milliardenentschädigungen in den USA und gigantische Software-Updates für Millionen Autos in Europa.

Was an den Vorwürfen aus den USA dran ist und was dies rechtlich bedeutet, lässt sich derzeit nicht abschätzen. auto motor und sport ist jedoch der Frage nachgegangen, ob Audi stärker trickst als andere Hersteller, sprich, die Normverbräuche weiter von der Realität abweichen als bei diesen. Hierzu haben wir sämtliche Testverbräuche von Audi und den Wettbewerbern BMW und Mercedes der vergangenen beiden Jahre ausgewertet und mit den jeweiligen Normangaben verglichen. Insgesamt flossen die Verbräuche von 194 Testwagen auf der auto motor und sport-Eco-Runde ein. Den Eco-Verbrauch messen wir auf einer seit Jahren unveränderten Teststrecke mit Stadt-, Landstraßen- und Autobahnanteilen. Geschulte Fahrer bemühen sich dabei um einen entspannten, jedoch keinesfalls weltfremd-langsamen Fahrstil, wie ihn die derzeit geltende NEFZ-Norm definiert. Zudem werden Heizung oder Klimaanlage aktiviert.

Norm-Abweichung von etwa 10 Prozent

Der Eco-Durchschnittsverbrauch aller Testwagen von Audi, BMW und Mercedes betrug 6,5 Liter und lag damit 11,5 Prozent über dem Durchschnitt der NEFZ-Angaben. Bei Audi beträgt die Abweichung 10,7 Prozent, bei BMW 13,2 und bei Mercedes 10,0 Prozent. Unabhängig von Fahrzeugklasse und Kraftstoffsorte ergaben sich damit bei keinem Vergleich Ergebnisse, die ein überdurchschnittliches Schummeln von Audi belegen.

Wer tatsächlich eine illegale Abschalteinrichtung benutzt, wissen wir nicht. Denn rein rechtlich handelt es sich bei der Motorsoftware um ein Betriebsgeheimnis. Nicht einmal die vom Staat benannten technischen Dienste wie TÜV und Dekra dürfen in der Motorsteuerung nach solchen Abschalteinrichtungen fahnden. Dafür hat die Politik auf Druck der Hersteller gesorgt. Klar ist aber: Im Ausnutzen von Grauzonen sind offenbar alle Hersteller Profis.

Wie groß der Unterschied zwischen Norm- und Testverbrauch bei den 15 beliebtesten Modellen Deutschlands ist, sehen Sie in der Bildergalerie. Dort zeigen wir jene Testwagen aus den Jahren 2016 und 2015, deren Testverbrauch am stärksten vom Normverbrauch abweicht.

Neuester Kommentar

Sehr geehrter hansam,

Sie schreiben: "Die DP-Hersteller sind in den USA primär nicht wegen dem Mehrverbrauch, sondern wegen Abgassystemen, die nur partiell, oder auch sonst mangelhaft, funktionieren und darum eine massiv erhöhte Menge von CO2 emitieren. Das hatte primär noch gar nichts mit dem Verbrauch zu tun. Wenn also eine Harnstoffeinspritzung nicht funktioniert, weil sie von der SW nicht angesteuert wird, hat das auf den Verbrauch 0 Auswirkung. Aber für die Natur, aber auch für die eigentlich zubezahlenden Steuern auf Basis der CO2-Abgabe schon."

Der Unterschied von Kohlenstoffdioxid und Stickstoffoxiden ist Ihnen schon klar?
Der Zusammenhang zwischen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Kraftstoffen ("Verbrauch") und der Freisetzung von Kohlenstoffdioxid ist Ihnen schon klar?

Selten so einen Unfug gelesen...

Berndili 28. März 2017, 17:49 Uhr
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