Auto-Bosse 2006

Führungs-Zeugnis

Foto: dpa

Wir haben die deutschen Automanager unter die Lupe genommen und deren Arbeit im Jahr 2006 bewertet. Diskutieren Sie in unserer community mit!

Drei Kapitäne haben 2006 ihre Schiffe verlassen. Audi-Chef Martin Winterkorn wird auf einen größeren Dampfer befördert, dessen Ruder sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder nie so richtig in die Finger bekommen hatte. Der dritte, BMW-Chef Helmut Panke, betonte vergeblich, er sei gerne Kapitän. Der Aufsichtsrat hielt sich an das konzerninterne Gesetz, dass mit 60 Schluss ist.
Warum Panke dennoch in den letzten Monaten seiner Amtszeit ständig Werbung in eigener Sache machte? Offenbar hatte er sich nach der Verlängerung von Entwicklungschef Burkhard Göschel über dessen 60. Geburtstag hinaus Hoffnungen gemacht, es könne auch für ihn eine Ausnahme geben. Das Ergebnis der Fehleinschätzung war ein Abgang mit fadem Beigeschmack. Die Familie Quandt, Mehrheitsaktionär bei BMW, blieb den Prinzipien treu. Daran änderten auch Pankes hohe Renditen und Absatzrekorde nichts. Nachfolger Norbert Reithofer steht gerade wegen Pankes Erfolgsserie vor großen Herausforderungen. So blieb das Streben nach immer mehr Absatz nicht ohne Folgen. Aus den USA werden hohe Rabatte auf BMW-Modelle gemeldet. Der Konzernumsatz stieg im Jahr 2005 um 5,2 Prozent, die Umsatzrendite ging jedoch um 1,1 Prozent zurück.


Dass VW-Chef Bernd Pischetsrieder seinen Posten räumen musste, lag nicht primär an seinen Zahlen. Die sind zwar immer noch mäßig, aber immerhin hat er mit einer zweistelligen Steigerungsrate bei der Produktivität und einem moderaten Lohnabschluss die Basis für eine verbesserte Ertragssituation
geschaffen. Dennoch schien nach dem Hickhack um seine Vertragsverlängerung im Frühjahr seine Halbwertszeit begrenzt. Wurde er Opfer fehlender Loyalität zum allmächtigen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch oder der ihm nachgesagten Entscheidungsschwäche? Aus Wolfsburg kamen viele Studien wie das Dreirad GX3. Bei Volumenmodellen wie dem Sharan-Nachfolger, der erst 2009 kommen soll, legte Pischetsrieder dagegen wenig Entschlossenheit an den Tag.

Nachfolger Winterkorn werden die Gründe für den Abgang seines Vorgängers egal sein. Der bisherige Audi-Chef hat den Vorteil, den besseren Draht zu Piëch zu haben. Dass ihm die Aufseher von Porsche deshalb weniger kritisch auf die Finger schauen werden, ist indes nicht zu erwarten. Und Porsche-Chef Wiedeking kann selbstbewusst auftreten. VW verkauft über 50 Mal so viele Autos wie Porsche, erwirtschaftet damit aber weniger. Bei freundlichen Ratschlägen der Aufsichtsräte aus Stuttgart wird es wohl nicht bleiben.

Chrysler-Chef Tom LaSorda bekam auch Ratschläge aus Stuttgart. Er verkaufte trotz hoher Rabatte in den USA einfach zu wenig Autos. Die Halde verhagelte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche die Bilanz. Dabei steht Mercedes nach der Schlankheitskur gut da. Zetsche schickte deshalb aus Stuttgart Mercedes-Vize Rainer Schmückle zur Fehleranalyse nach Auburn Hills. Werden die Probleme bei Chrysler nicht schnell gelöst, wird es 2007 schwerfallen, das Daimler-Schiff auf Kurs in Richtung der angepeilten sieben Prozent Umsatzrendite zu halten.


Die auto motor und sport-Wertung:

  • Wendelin Wiedeking, Porsche, fünf Sterne
  • Martin Winterkorn, Audi, vier Sterne
  • Norbert Reithofer, Helmut Panke, BMW vier Sterne
  • Dieter Zetsche, Daimler-Chrysler, drei Sterne
  • Bernd Pischetsrieder, VW, drei Sterne
  • Bernhard Mattes, Ford, drei Sterne
  • Hans Demant, Opel, drei Sterne

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