Auto-Talk der Zukunft

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General Motors zeigt, wie sich künftig durch selbstständige Kommunikation unter Fahrzeugen ein Großteil der üblichen Unfälle vermeiden ließe.

Es klingt wie eine kühne Zukunftsvision: Autos bilden selbstständig spontane Kommunikations-Netzwerke, um die Fahrer in Echtzeit vor Gefahren zu warnen. Ein soeben passierter Unfall, Straßenglätte oder ein Stau-Ende könnten so auf den Meter genau lokalisiert und an Fahrzeuge im Umkreis gemeldet werden. Die Umsetzung in die Serie ist wahrscheinlich nur noch wenige Jahre entfernt. Schon jetzt arbeiten alle großen Autohersteller in unterschiedlichen Projektgruppen an der so genannten Car-to-car-communication.

Die ungewöhnliche Harmonie hat einen einfachen Grund: Nur wenn alle Hersteller sich auf einen Standard einigen, können sich auch alle Fahrzeuge per Digitalfunk in der gleichen Datensprache miteinander unterhalten. Dieser Standard steht im Prinzip schon fest. Um die Kosten niedrig zu halten – schließlich sollen auch Kleinwagenfahrer daran teilhaben – wird auf bekannte und fertig entwickelte Massen-Technologien wie WLAN (Wireless Local Area Network) und GPS-Empfänger gesetzt. Beide Komponenten liegen zusammen bei Kosten von wenigen hundert Euro.

„Automotive-Funk-Profil“ kommt

Für WLAN wird zudem an einem erweiterten so genannten Automotive-Funk-Profil gearbeitet. Dieses wird unempfindlicher gegen Störungen sein und mit 300 bis 500 Meter Reichweite deutlich weiter senden als bei reinen Computer-Anwendungen. Die Reichweiten in der Verkehrspraxis sollen aber deutlich darüber hinausgehen. Wie bei Dominosteinen werden Informationen dann von einem Auto zum nächsten übergeben.

Die Forscher sprechen hier von Ad-hoc-Netzwerken, die theoretisch Hunderte von Kilometern überbrücken können. Schon bei einer Ausstattung von zehn Prozent aller Fahrzeuge sollen diese spontanen Informationsketten gut funktionieren. Bei über 50 Prozent sollen sogar aktive Sicherheitseingriffe wie automatische Notbremsungen möglich sein.

Im Gegensatz zu einem früheren, gescheiterten Kommunikationsprojekt auf SMS-Basis (Floating Car Data) wäre die Datenweitergabe dieses Mal nicht nur schneller, sondern auch wirklich anonymisiert. Ein kleines Problem besteht jedoch noch. Während die amerikanische Regierung zügig die entsprechenden Funkfrequenzbänder bei 5,9 Gigahertz bereitgestellt hat, steht in Europa der Freigabeprozess noch ins Haus.

Die Politik signalisiert aber schon hohe Bereitschaft, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Es wird darüber nachgedacht, zügig die Straßeninfrastruktur (Schilderbrücken und Warnbaken) und Einsatz-Fahrzeuge mit dieser Kommunikationstechnologie auszustatten. So könnten auch die Nutzer der ersten Stunde gleich von einigen Sicherheitsvorteilen profitieren. Einen Krankenwagen zu überhören, würde dann der Vergangenheit angehören.

Die zügige Einführung wäre schon deshalb wünschenswert, weil laut Professor Horst Wieker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes bei über 86 Prozent der derzeitigen Unfallursachen ein direktes Verbesserungspotenzial durch die Fahrzeug-Kommunikation besteht. Wie das aussehen könnte, hat General Motors jetzt mit seiner V2V-Versuchsflotte (vehicle to vehicle) im Versuchszentrum in Dudenhofen gezeigt. Ist zum Beispiel ein Auto hinter einer Kurve liegengeblieben oder hat gerade eine Notbremsung gemacht, so sendet es diese Information mit seinen genauen Positionsdaten sofort an den nachfolgenden Verkehr weiter. Die anderen Autos erhalten dann eine Warnmeldung. Wie diese optimal dargestellt werden kann, erforschen die Hersteller gerade.

Speziell GM ist hier schon relativ weit

Bei der einfachsten Variante zeigen die Versuchsautos über den Navigationsbildschirm die Informationen an. GM experimentiert aber auch mit ergonomisch besonders vielversprechenden Anzeigemethoden wie einem Display im oberen Teil des Lenkradkranzes. Die grafische Anzeige wird je nach Gefahrensituation noch durch akustische oder haptische Meldungen wie Sitzrütteln unterstützt. Damit der Fahrer nicht von einer Informationswelle überflutet wird und abstumpft, sollen nach dem Willen der Forscher nur ganz bestimmte Warnungen weitergegeben werden.

Darüber hinaus können per Kommunikation auch Situationen erfasst werden, für die derzeit noch teure Radarsensoren benötigt werden. Über einen Geschwindigkeits- und Positionsaustausch lassen sich nicht nur Auffahrunfälle vermeiden, auch eine Erkennung von Fahrzeugen im toten Winkel ist möglich. Bei Autos mit Radarsensoren ließe sich über diese zweite Infoquelle zudem die Reichweite und Zuverlässigkeit deutlich erhöhen. Besonders eindrucksvoll sind die Möglichkeiten bei der aktiven Unfallvermeidung. So präsentierte GM einen gut funktionierenden Kreuzungsassistenten mit automatischer Bremsung bei Gefahr, die von der Seite droht. Der Fahrer der Zukunft kann um die Ecke schauen, so Horst Wieker.

Ganz nebenbei wären mit der Fahrzeug-Kommunikation auch unzuverlässige Staumeldungen passé. Verkehrsstockungen ließen sich sogar frühzeitig verhindern. Intelligent genutzt kann diese Technologie eine Revolution im Straßenverkehr bedeuten. Sie wäre jedoch eine Horrorvision, wenn die Politiker auf die Idee kämen, Autos damit ferngesteuert auf Tempolimits festzunageln.

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