Autobranche 2007

Gelassenheit

Foto: Karmann

Im Autohaus dreht sich derzeit alles um die Mehrwertsteuererhöhung. Mit "Sparmodellen", "Nullkommanix-Wochen" und "Nullgierig"-Werbeslogans erlassen Hersteller wie Opel, Citroën oder die tschechische VW-Tochter Skoda Käufern die Mehrwertsteuer.

"Die 19 Prozent kann keinen mehr schocken", wirbt Skoda in einem Fernsehspot, in dem ein Mädchen einem Mehrwertsteuer-Monster furchtlos auf die Füße tritt. In den letzten Wochen des alten Jahres ziehen die Verbraucher rund 50.000 Neuwagenkäufe wegen der Steuererhöhung vor. Als Folge werden die Händler Anfang 2007 oft recht einsam in ihren Verkaufsräumen stehen. Die Rabatte könnten im Frühjahr ihren Höhepunkt erreichen. Wer gut verhandelt, muss sich bei einem Preisnachlass von durchschnittlich 15 Prozent auch 2007 nicht sorgen.

Bremseffenkt zu Jahresbeginn

Angst und Schrecken verbreitet die am 1. Januar in Kraft tretende höhere Steuer nicht mehr. Zwar erwartet der Verband der Automobilindustrie (VDA) zu Jahresbeginn einen Bremseffekt, doch im weiteren Jahresverlauf werde beim Absatz wieder Gas gegeben. Der Inlandsmarkt werde 2007 mit 3,4 Millionen Neuzulassungen auf Vorjahresniveau liegen. Zudem hat der Export inzwischen viel größere Bedeutung als der Binnenmarkt. "Von dem direkt in der Autoindustrie erzielten Umsatz entfallen drei Fünftel auf den Auslandsumsatz", sagt VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Das entspreche 150 Milliarden Euro. Im Ausland sind deutsche Wagen so gefragt wie nie. Zum fünften Mal in Folge rechnen die Autohersteller 2007 mit einem Exportrekord.

2007 bringt viele Neuheiten

Die deutsche Schlüsselindustrie blickt optimistisch nach vorne. Mit einer Flut neuer Modelle wollen die Autohersteller 2007 neue Kunden finden. Laut Studien rollen 104 Varianten und Neuheiten auf den Markt, vor allem im Mittelklasse-Segment. Die deutschen Hersteller sind 2006 wieder auf die Erfolgsspur zurückgekehrt. Auch die zuletzt schwächelnden Marken haben Fortschritte gemacht, und die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen zeigen Erfolge. Opel wird 2006 erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben. Der VW-Konzern und der im vergangenen Jahr noch schwächelnde Premiumhersteller Mercedes haben zuletzt mit unerwartet guten Zahlen überrascht. BMW, Porsche und Audi steuern im laufenden Jahr Bestmarken bei den Verkaufszahlen an - und wollen weiter wachsen.

"Die deutschen Autobauer stehen wieder gut da", sagt Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. "Sie haben in allen wichtigen Märkten Anteile gute gemacht und haben eine überzeugende Modellpalette im Angebot." Damit setzten sich die heimischen Hersteller von der europäischen Konkurrenz ab, insbesondere den französischen Marken, die wegen hausgemachter Probleme und auslaufender Modelle mit Absatzproblemen kämpfen.

2006 rollen rund 5,4 Millionen Wagen am Standort Deutschland von den Bändern - das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr und ein erneuter Rekord. Als Wachstumsmärkte für die deutsche Autoindustrie gelten die boomenden Schwellenländer wie China, Indien und Russland. Immer mehr Hersteller eröffnen Fabriken im günstigen Osteuropa, die Überkapazitäten steigen. "Der Druck auf die Hersteller nimmt zu", sagt Experte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. "Aber sie wissen, in welche Richtung sie sich bewegen müssen: weitere Verbesserung der Produktivitität, einfachere Prozesse und Arbeitsplatzgarantie, um die Beschäftigten nicht zu verunsichern."

Druck auf Arbeitnehmern bleibt

Autofachleute erwarten, dass der Druck auf die Beschäftigung anhält, wie sich am VW-Werk Brüssel zeigt, in dem 4.000 Arbeitsplätze bedroht sind. Die großen Stellenabbauprogramme bei Mercedes, VW und Opel sind jedoch abgeschlossen oder bereits gestartet. In diesem Jahr sind in der Branche mit 751.000 Beschäftigten 15.000 Stellen weg gefallen, im nächsten Jahr soll die Mitarbeiterzahl stabil bleiben. "Auf längere Sicht betrachtet ist die Autoindustrie ein zuverlässiger Arbeitgeber: In den letzten zehn Jahren sind in Deutschland 100.000 Arbeitsplätze dazu gekommen", sagt Analyst Heymann.

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