Autokonjunktur

2005 brummt es wieder

Foto: dpa

Die gebeutelte Automobilbranche will trotz der schwachen Konjunktur und der Kaufzurückhaltung der Verbraucher 2005 einen Gang zulegen. Nach fünf Jahren mit Absatzeinbrüchen blicken die großen deutschen Hersteller vor dem Automobilsalon in Paris optimistisch nach vorne.

"In der zweiten Hälfte 2005 geht es auf dem deutschen Markt wieder bergauf", sagt Ferdinand Dudenhöffer, einer der renommiertesten Branchenexperten in Deutschland. Sein Prognoseinstitut B&D Forecast erwartet im nächsten Jahr einen Anstieg der Neuzulassungen um 4,1 Prozent auf 3,3 Millionen Autos.

"Die Autokäufer sind derzeit im Streik. Die Reformpolitik, Angst um den Job und die hohen Öl- und Benzinpreise halten sie vom Kauf ab", erklärt der Professor von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche nur noch eine Stagnation auf Vorjahresniveau mit rund 3,2 Millionen Neuzulassungen. Der Knoten werde aber im Frühjahr nächsten Jahres platzen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) gründet seine Zuversicht auf das Alter der Fahrzeuge und die Modellpolitik. "Das Durchschnittsalter des Fahrzeugbestands hat mit 7,6 Jahren Methusalem-Qualitäten", sagt VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Der entstandene Ersatzbedarf müsse bald gedeckt werden. Mit einer Fülle an neuen Modellen gebe die Branche Kaufanreize. Zudem schöpft die Autoindustrie Hoffnung aus dem Aufschwung bei den Nutzfahrzeugen. "Das war bislang immer ein Frühindikator für eine generelle Belebung der Konjunktur", sagt Gottschalk.

Auto Salon Paris soll Impulse bringen

Als weltgrößte Publikumsmesse der Branche soll Paris die notwendigen Impulse für eine Belebung der Nachfrage liefern. Mehr als 1,5 Millionen Besucher werden vom kommenden Samstag an zur "Mondial de l'Automobile" erwartet, die in diesem Jahr mehr denn je als Branchenbarometer gilt. "Nach den enttäuschenden Verkäufen im August soll die Messe die düstere Stimmung in der Branche aufhellen", schreiben Autoanalysten von der Citigroup Smith Barney. In Europa wurden im August 1,3 Prozent weniger Autos neu zugelassen als ein Jahr zuvor. Von Januar bis August verbuchte die Branche aber ein Plus von 1,8 Prozent - im Gegensatz zu Deutschland mit einem Minus von zwei Prozent.

"Die Konsumenten schauen immer mehr auf das Geld, deshalb ist der Preis entscheidend", sagt Autoexperte Frank Biller von der Baden-Württembergischen Bank. "Jetzt besteht die Gefahr, dass wir einen Rabattkrieg wie in den USA bekommen, der die Erträge dahinschmelzen lässt." Durchschnittlich 13 Prozent Rabatt auf den Listenpreis gewährten die deutschen Hersteller derzeit, ein Golf V sei zum Beispiel 18 Prozent günstiger zu haben.

Um im knallharten Verdrängungswettbewerb bestehen zu können, senken die Autohersteller mit aller Macht ihre Kosten. Bei Opel wird über die 40-Stunden-Woche und Gehaltsverzicht verhandelt, bei VW verlangt der Konzern in den laufenden Tarifgesprächen eine Nullrunde. Insbesondere die Volumenhersteller sind durch die Konkurrenz der Premiummarken und der japanischen Anbieter unter Druck geraten.

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