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"Blow-Ups" - Hitze bringt Fahrbahn zum Aufplatzen

Lebnsgefährliche Hindernisse auf Beton-Autobahnen

Verkehr Foto: ACE

Die anhaltende Hitze sorgt vielerorts für gute Laune. Aber auf vielen Beton-Autobahnen steigt damit das Risiko plötzlich auftretender und lebensgefährlicher Hitzeschäden, sogenannter „Blow-Ups“. Doch da steckt nicht Stümperei beim Straßenbau dahinter, sondern ein anderes Problem.

20.06.2017 Roman Domes

Da hast du endlich die 14-Kilometer-Baustelle und das runde weiße Schild mit den schrägen grauen Linien passiert, gibst Gas – und dann das: „Schon wieder Tempo 80!“ Keine Baustelle, keine Fahrbahnverengung. Nur das regelmäßige Stakkato der Reifen, die über die einzelnen Betonplatten rumpeln. Was soll das?

Selten hat ein scheinbar grundloses Tempolimit mehr Berechtigung: Einem Motorradfahrer auf der A93 hätten sie 2013 vielleicht das Leben gerettet. Er fuhr auf heißer Piste mit 160 km/h über eine plötzlich aufbrechende Sprungschanze aus Betonteilen – ein „Blow-Up“. Der Motorradfahrer stürzte schwer und starb. An heißen Tagen – wie es aktuell der Fall ist – besteht ein hohes Blow-Up-Risiko. Vor allem ältere Beton-Autobahnen sind gefährdet.

2017: Gefahren auf den Autobahnen in Baden-Württemberg

Aktuell (20. Juni 2017) gibt es hitzebedingte Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer auf Abschnitten der A 5 und A 6. „Wegen der zu erwartenden hochsommerlichen Temperaturen über 30 Grad wird ab Dienstag, 20. Juni 2017, hitzebedingt ein Tempolimit auf Teilabschnitten der Autobahnen A 5 und A 6 im Bereich um das Autobahnkreuz Walldorf angeordnet.

Die Geschwindigkeitsbeschränkung dient dem Schutz der Verkehrsteilnehmer vor plötzlich auftretenden “blow ups„ (Aufplatzungen) an älteren Betonfahrbahnen, die bei großer Hitze auftreten können und deren lokales Auftreten nicht vorhersagbar ist.

Die Geschwindigkeitsbeschränkung gilt von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Die Beschränkung auf 80 Stundenkilometer wird wieder deaktiviert, sobald die Tageshöchsttemperaturen unter 30 Grad sinken“, so das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Wie entsteht ein „Blow-Up“?

Wir haben Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern gefragt, wie es zu diesem Aufplatzen der massiven Betonplatten kommen kann. Gerade in Südbayern kommen Blow-Ups verhältnismäßig oft vor. 2013 gab es dort allein rund 30 Hitzeschäden. „Das Problem mit den alten Beton-Fahrbahnen ist schon länger bekannt,“ sagt er.

Vor allem bei Autobahnen aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren kommt es zu gefährlichen Blow-Ups. Diese Autobahnen bestehen aus einzelnen, aneinandergereihten Betonplatten. „Im Sommer dehnen sich die Platten bei Hitze und direkter Sonneneinstrahlung weiter aus, als sie können“, erklärt Seebacher. Die vor 30 Jahren einkalkulierten Fugen reichen nicht aus; die Platten prallen aufeinander und drücken sich gegenseitig nach oben. „Vorstellen kann man sich das wie zwei Taschenbücher, die gewaltsam aufeinander gepresst werden – irgendwann drücken die sich gegenseitig hoch“, sagt Josef Seebacher.

Betonplatten haben im Vergleich zu Asphalt ein besonderes Problem: Sie sind zu hart, um sich zu verformen. Sie brechen auseinander, stellen sich auf, und bilden die gefürchtete Sprungrampe. „Das ist jedoch das absolute Extrem“, so Seebacher.

Wo kommen die Hitzeschäden besonders häufig vor?

Prinzipiell kann jede mit Betonplatten gebaute Fahrbahn aufbrechen, muss aber nicht. „Wir haben das Problem bei alten Strecken, die nicht auf das heutige Verkehrsaufkommen ausgelegt sind,“ sagt Seebacher. Die betroffenen Autobahnen wurden meist noch vor der Vereinigung von BRD und DDR geplant und gebaut – verständlich, dass man in Zeiten des Kalten Krieges noch nicht mit einer Wiedervereinigung und der darauf folgenden, immensen Steigerung des Verkehrs gerechnet hatte.

Doch entgegen der Erwartungen werden viele Schnellstraßen heute weit über ihrer eigentlichen Kapazitätsgrenze genutzt – mit offensichtlichen Folgen. Die Abnutzung ist enorm, die Gefahr von Straßenschäden hoch, nicht nur Hitze-, sondern auch Kälteschäden machen vor allem der A3, der A92 sowie der A93 zu schaffen. „Das sind unsere Problemkinder“, sagt Seebacher.

Umso tragischer, dass der Motorradfahrer 2013 auf der A93 ums Leben kam, der „besten der drei genannten Risiko-Autobahnen“. Der ADAC warnt zusätzlich vor der A9 Nürnberg – Halle/Leipzig, der A10 Westlicher Berliner Ring, sowie vor der A94 München – Passau.

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