BMW

Die Bosse im Geiste der Quandts

Foto: BMW 5 Bilder

Nicht viel reden, Verzicht auf persönliche Eitelkeiten, keine Selbstdarstellung, wichtig ist nur die Firma. Die beschlossene Ablösung des höchst erfolgreichen Helmut Panke als BMW-Chef steht ganz im Zeichen der beim bayrischen Autobauer gepflegten Unternehmenskultur.

Vor einigen Wochen schien der Fall klar, die Vertragsverlängerung Helmut Pankes auch über die bei BMW selbst auferlegte Altersgrenze von 60 Jahren hinaus schien geklärt. Der 59-Jährige hatte überraschend, weil öffentlich deutliche Signale gesetzt, weiter an der Spitze des Autokonzerns stehen zu wollen. Und wer schickt schon einen Manager in Rente, der wieder frisch zum erfolgreichsten deutschen Manager gekürt wurde und der jetzt angekündigt hat, beim Vorsteuergewinn 2006 die Vier-Milliarden-Euro-Hürde zu nehmen?

Genau, BMW! Mit dem Einstieg von Herbert Quandt 1959 zog dort eine Unternehmenskultur ein, die auch von den Herren der Chefetage preußische Tugenden bei völligem Verzicht auf die Pflege persönlicher Eitelkeiten verlangt. Zur Hochkultur entwickelt wurde diese während der 23-jährigen Regentschaft des legendären Eberhard von Kuenheim. Mit dessen Art der Unternehmensführung wuchs BMW zwischen 1970 bis 1993 vom wirtschaftlich wackeligen Mittelständler zum Premiumanbieter mit weltweitem Führungsanspruch. Was von v. Kuenheim geblieben ist: Noch immer ist es für Führungskräfte des Autobauers verpönt, in Klatschspalten aufzutauchen, Anfragen zu Personality-Geschichten werden konsequent abgeschmettert. Mehr als nur signalisiert wird damit, dass lediglich das öffentlich wird, was dem Interesse des Unternehmens dient. Erhebt sich eine Führungsfigur über dieses eherne Gesetz, wird schon mal der Kopf abgeschlagen. Spektakulärstes Beispiel: Als sich Wolfgang Reitzle 1999 schon als Nachfolger Bernd Pischetsrieders feiern ließ, der im Gefolge des Rover-Debakels seinen Chefsessel räumen musste, setzte BMW seinen schillernden Kronprinzen gleich mit an die Luft.

BMW-Bosse: uneitle Diener des Unternehmens

Die BMW-Bosse seither verkörperten wieder idealtypisch das Muster vom uneitlen, obersten Diener des Unternehmens: Joachim Milberg, einst Professor an der TU München, ab 1993 Technikvorstand und 1999 im Zuge der Rover-Turbulenzen an die BMW-Spitze gespült, lenkte das Unternehmen, wie man es von einem Professor und Techniker erwartet: Ohne Schnörkel, mit hoher Fokussierung auf Premiummodelle führte der heutige Aufsichtsratsvorsitzende das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur. Auf Milberg folgte 2002 der Finanzer und studierter Physiker Helmut Panke, ein Mann, der in der Öffentlichkeit spröde wirkt. Sein Glamourfaktor im Vergleich zu Daimler-Chrysler Boss Zetsche und VW-Boss Bernhard: gleich Null.

Dafür trieb Panke das Finanzergebnis auf immer neue Höhen. BMW ist inzwischen die Nummer 1 weltweit unter den Premiumherstellern gemessen am wirtschaftlichen Erfolg. Gänzlich unumstritten ist Panke dennoch nicht. Die Modellpolitik unter seiner Führung gilt als unentschlossen, lediglich das raumfunktionale Konzept und das X-Coupé fallen in seine Zeit. Für wachsende Nervosität sorgt die Offenheit, mit der sich Audi als schnellst wachsende Premiummarke in Szene setzt und mit wachsender Gereiztheit reagiert Panke auf die Offensiven von Audi-Chef Martin Winterkorn. Mal wettert Panke gegen die internationalen Anleger, dass der erfolgreiche BMW-Konzern bei der Börsenentwicklung vernachlässigt würde, dann wieder feuert er gegen Mercedes und spricht, wie zur Jahreswende in Ludwigsburg geschehen, vom "Möchtegern-Mitbewerber“, schließlich versucht er mit erbsenzählerischen Aufrechnungen zu überzeugen, dass nicht Audi, sondern BMW am schnellsten wächst. Souverän wirkte das in den vergangenen Monaten nur selten, dafür oft beleidigt bis kleinkrämerisch. Für Kopfschütteln sorgt eine Maßnahme, die laut einem BMW-Mitarbeiter auf Panke zurück geht: So würden alle telefonischen Kontakte von BMW-Beschäftigten Richtung Ingolstadt akribisch notiert.

Keiner von außen

Auch intern gibt es Murren gegen den Führungsstil, der mit Panke bei BMW eingezogen ist. So klagen Mitarbeiter aus dem mittleren Management über große Intransparenz bei der Kommunikation. Wichtige Informationen gebe es nur noch für einen von Panke handverlesenen Kreis. Das große Rätselraten, ob Panke weiter macht und wer nun sein Nachfolger wird, herrscht nicht nur außerhalb des Unternehmens, sondern auch innerhalb.

Machen soll es nun Norbert Reithofer, ein Mann mit strammer BMW-Karriere und einem starken Mentor namens Joachim Milberg. Auch da bleibt sich BMW treu: Von außen kommt keiner in den heiligen Gral des bayrischen Autobauers. Mit einer Tradition hat der 50 Jahre alte Produktionsvorstand aber bereits gebrochen: Bislang wurde noch keiner BMW-Chef , der sich allzu früh selbst ins Gespräch gebracht hat. Reithofer lässt aber bereits seit Monaten keinen Zweifel daran, dass er sich für geeignet hält. Erstmals scheint das kein Kriterium zu sein, von der Nachfolgeliste gestrichen zu werden.

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