Bob Lutz zu Opel

Offen für jede vernünftige Lösung

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Der scheidende GM-Entwicklungschef Bob Lutz spricht mit auto-motor-und-sport.de-Redakteur Harald Hamprecht über die Zukunft von Opel, GM und Saab, über eliminierte Modelle und über den erfolgreichen Anlauf des Chevrolet Camaro.

Wie sehen Sie die Zukunft von Opel?
Bob Lutz: Wir sind offen für jede vernünftige Lösung. Das Modell, das mir dabei am ehesten in den Kopf kommt, ist GM Daewoo Technologies. Wir sind hier zwar nicht Mehrheitseigner, trotzdem ist der Konzern voll integriert in das globale GM-Entwicklungs- und Produktaustausch-System. Auch so ein Konstrukt kann richtig Spaß machen und Gewinne bringen.
 
Um Minderheitsaktionär zu werden, müssen Sie einige der Anteile an Opel abgeben. Was aber ist der Wert von Opel?
Bob Lutz: Das kann ich nicht sagen. Wir müssen hier auch neue Wege zur Bewertung von Unternehmen finden. Der Börsenwert kann dafür nicht der alleine Indikator sein. Schauen Sie nur auf die Marktkapitalisierung von GM. Das ist wirklich lächerlich.

Gibt es überhaupt Interessenten für Anteile an Opel oder Saab?
Bob Lutz: Das kann ich nicht sagen. Aber auch für Saab gilt, sie brauchen einen großen Partner. Mit 100.000 Einheiten und einem durchschnittlichen Entwicklungsbudget von fünf Prozent vom Umsatz können sich die Schweden nicht leisten, zukünftige Produkte alleine zu entwickeln und alle Verbrauchs- und Sicherheitsnormen zu erfüllen.
 
Porsche ist ein Gegenbeispiel dafür, dass auch kleine Firmen mit 100.000 Einheiten prima überleben können.
Bob Lutz: Ja, aber auch das einzige, und dazu eines im High-End-Segment, in dem höhere Preise genommen werden können als von Saab. Außerdem arbeitet Porsche in der Entwicklung und Produktion schon lange mit VW zusammen – beim Cayenne. Nur so ist die Marke auf gute Volumina und Margen gekommen.

Könnte man Teile von Opel verkaufen, wie das Werk Eisenach?
Bob Lutz: Ja, einzelne Werk oder Werksteile sind natürlich Verkaufskandidaten. Die meisten Hersteller in der Branche haben zu viel Produktionskapazität – und wenn es Interessenten gibt, sollte man die Chance nutzen, seine eigenen Überkapazitäten so schnell wie möglich abzubauen. Denn Überkapazitäten sind die Wurzel aller Probleme.
 
Welche Opel-Werke stehen auf der Kippe?
Bob Lutz: Ich will hier nicht über das Schicksal einzelner Werke spekulieren. Ich bin schließlich nur für Produktentwicklung verantwortlich.

Wie viele Jobs in Europa müssen Sie streichen?
Bob Lutz: Sicher einige tausend Produktionsjobs und auch die Administration wird nicht verschont bleiben.

Müssen Modelle eliminiert werden?
Bob Lutz: Wir haben bei GM schon einige Modelle eliminiert, die in der Pipeline waren. Etwa die heckangetriebenen Zeta-Plattform-Modelle der zweiten Generation für Buick, Pontiac und Cadillac, daneben die 100-Prozent-neuen Pick-up-Architekturen für den Chevrolet Silverado und GMC Sierra, deren Nachfolger sich jetzt mehr an den bestehenden Modellen anlehnen werden. Gestrichen sind aber auch komplett neue Crossover-Modelle, wie etwa jenes, das von der Größe her zwischen dem Chevrolet Traverse und Equinox geplant war. Die Suche nach immer neuen Nischen ist eine zu teure Angewohnheit, die wir uns nicht mehr leisten können. Und das wird der ganzen Branche so gehen.
 
Steht auch eines Ihrer Lieblingsautos, der Camaro, auf der Streichliste?
Bob Lutz: Nein, das wäre zu spät, die Markteinführung steht bevor. Außerdem haben wir jetzt schon einen fantastischen Auftragseingang dafür. Mit einem V6-Motor fährt er sich wie ein deutsches Fahrzeug, mit einem V8 schon etwas amerikanischer. Und der Camaro ist der beste Beweis, dass die Menschheit nicht nur kleine, schwach motorisierte Autos fahren will. Das ist vielleicht die Wahrheit, die bestimmte große amerikanische Tageszeitungen an der Ostküste gerne verbreiten wollen. Und sie denken, je öfter sie es schreiben, desto eher wird es wahr.


 

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