Boeing Phantom Badger

Der 240-PS-Kampfdachs

Phantom Badger Foto: Boeing 11 Bilder

Boeing hat einen Offroad-Kraftzwerg entwickelt, der in kompakte Transportflugzeuge passt. Der Phantom Badger ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich.

Eigentlich hätte man nur ins Museum gehen müssen: die Anforderungen, die zur Entwicklung des Phantom Badger (deutsch: „Phantom-Dachs“) führten, erfüllte bereits der Urahn aller Geländewagen, der Willys Jeep.  Gefordert war ein Fahrzeug, das sich im Schwenkrotor-Senkrechtstarter V-22 Osprey befördern lässt – dessen Laderaum hat gerade einmal 1,5 Meter minimale Breite. Doch der Willys wäre bei aller Nostalgie natürlich unter heutigen Maßstäben kaum noch einsatzfähig. Gefordert war ein sparsames, robustes und schnelles Geländefahrzeug mit hohen Fahrwerksreserven.

Phantom Badger
Phantom Badger 1:53 Min.

Phantom Badger für die Special Forces

Bedarf angemeldet haben in erster Linie die Special Forces der US-Armee, die immer öfter mit dem V-22 Osprey zu Einsätzen befördert werden und im Einsatzgebiet motorisiert sein müssen. Hier kommen zum Teil ATV zur Verwendung, die allerdings systembedingt etliche Nachteile haben.
 
Der Phantom Badger soll stattdessen die Fähigkeiten eines normalen Militär-Geländewagens auf Bonsai-Format eindampfen. Doch der Phantom Badger ist „kein ATV auf Steroiden“, so der Manager des Programms, John Chicoli. Tatsächlich erinnert zwar speziell das Fahrwerk mit seiner schmalen Spurweite und Einzelradaufhängung an ATV beziehungsweise side-by-side-Fahrzeuge wie die Polaris Ranger. Bei der restlichen Technik ist jedoch handfestes Format gefragt. So steht der Phantom Badger auf Geländereifen im 35-Zoll-Format, die auch bei einem amerikanischen Fullsize-Pickup für einen beeindruckenden Auftritt sorgen würden. Die großen Reifen sorgen mit für die ansehnliche Wattiefe von 90 Zentimetern.

Bis zu 130 Sachen schnell

Angetrieben wird der Phantom Badger von einem nicht näher spezifizierten „Multifuel“-Turbodiesel, der sowohl mit Diesel als auch mit Flugzeug-Treibstoff zurecht kommt und lediglich elf Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Er leistet 240 PS und ermöglicht ein Maximaltempo von 130 km/h selbst bei voller Zuladung – und die liegt bei immerhin 1.360 Kilo. Leer wiegt der Phantom Badger rund zwei Tonnen. Seine hohe Ladekapazität erreicht der Phantom Badger durch sein variables Heckmodul. Hier können sowohl breitere Aufbauten als auch kompakte Container montiert werden.
 
Entwickelt wurde der Phantom Badger in Rekordzeit: lediglich sechs Monate vergingen vom ersten Computer-Entwurf bis zum fahrfertigen Produkt. Seinen Namen trägt der Phantom Badger übrigens von Boeings Entwicklungsabteilung für die etwas spezielleren Prototypen, Phantom Works. An der Entwicklung beteiligt waren außerdem für ein Militärfahrzeug eher ungewöhnliche Experten: um die Fahrwerks-Konstruktion und -abstimmung kümmerten sich Ingenieure eines NASCAR-Spezialisten.

Eine Besonderheit des 4,57 Meter langen Offroaders ist seine Allradlenkung. Wird sie aktiviert und schwenken die Hinterräder entsprechend mit, verkleinert sich der Wendekreis auf sieben Meter.

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