Bosch

Kreditbedingungen der Banken untragbar

Foto: ams

Die aktuellen Bedingungen der Banken zur Finanzierung der Automobilzuliefer-industrie kritisiert Bosch-Automotive-Chef Bernd Bohr als untragbar. "Die Fremdfinanzierung macht Zulieferern extreme Probleme. Das merkt selbst ein gesundes Unternehmen wie Bosch mit einem Rating AA- und mit hervorragenden Sicherheiten", sagte Bohr dem Magazin auto motor und sport.

"Die angebotenen Konditionen der Banken für kurzzeitige Zwischenfinanzierungen sind derzeit einfach nicht tragbar. Das wird auch gesunde, kleinere Unternehmen in Expansionsphasen nachteilig treffen."



Bohr rechnet deshalb mit Insolvenzen: "Firmen, die vor der Krise schwach waren, werden kaum überleben können. Wie viele Arbeitsplätze damit entfallen? Nach der Schwächephase, nach dem Sturm, werden auf der Welt nach unserer Einschätzung näherungsweise gleich viele Autos gebaut werden wie zuvor, also mehr als 70 Millionen Fahrzeuge im Jahr. Damit werden etwa genau so viele Zuliefererteile gebraucht und die können nur von ungefähr ebenso vielen Menschen gefertigt werden."

Prognosen, wonach bis 2009 rund 50.000 Arbeitsplätze und 300 Zulieferer wegfallen werden, hält Bohr dagegen "für schwer nachvollziehbar. In Summe wird es unserer Meinung nach nicht weniger Arbeitsplätze geben, sondern sie werden anders verteilt sein – auf weniger Zulieferer und wahrscheinlich auch anders auf die Regionen dieser Welt."

Hilfe von der Politik gefordert

Von der Politik erwartet Bosch eine Stützung der Autokonjunktur, nicht aber die Stützung einzelner Unternehmen. "Im Laufe des ersten Halbjahrs 2009 sollte man auf politischer Seite unterstützend wirken: Die CO2-Gesetzgebung muss klare Perspektive bringen", so Bohr, der die Initiativen der EU begrüßt. "Eine Autoersatzprämie wäre auch für Deutschland wünschenswert, vor allem wenn damit ältere Fahrzeuge aus dem Markt genommen werden. Derzeit hat unser Fahrzeugbestand ein Durchschnittsalter von 8,5 Jahren, die Technik ist damit auf dem Stand von vor 14 bis 15 Jahren. An dieser Stelle könnte die Politik viel für die Minderung von CO2-Emissionen und Kraftstoffverbrauch sowie für einen Konjunkturschub tun. Wir glauben indes nicht, dass es Sinn macht, einzelne Unternehmen zu stützen. Die Politik kann und darf solche Einzelentscheidungen nicht treffen."

Für Zukäufe offen

Bosch will die aktuelle Krise für Zukäufe nutzen, da sich die Unternehmensbewertungen derzeit normalisiert hätten. "Grundsätzlich sind wir immer interessiert an attraktiven Übernahmekandidaten. Denn die Unternehmenswerte, die vor zwei Jahren noch durch Finanzinvestoren so weit in die Höhe getrieben wurden, dass sich ein Kauf für einen industriellen Investor nicht mehr gerechnet hat, sind heute teilweise wesentlich günstiger", so Bohr. "Das Verschwinden der Finanzjongleure hat der Automobilbranche gut getan und zur Normalisierung der Preise beigetragen. Zurzeit sind die meisten Unternehmen zudem unterbewertetet. Aber – auch wir müssen die Liquidität im Haus halten, zumal wir unsere Joint Ventures SB LiMotive mit Samsung und Bosch Mahle Turbosystems gerade erst gestartet haben. Deswegen werden wir noch selektiver und fokussierter vorgehen und unser Pulver für besondere Ziele trocken halten."

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