Brasilien

VW plant Kollektivurlaub

Foto: Archiv

Angesichts des eskalierenden Konflikts um massenhafte Stellenstreichungen in Brasilien will VW 11.000 Beschäftigte beurlauben, falls der Mitarbeiterstreik in der Fabrik in San Bernando nicht in den nächsten Tagen beendet wird. Die brasilianische Regierung wirft dem Autokonzern mit den ersten 1.800 Entlassungen im San Bernando voreiliges Handeln vor.

Der bei der Justiz beantragte Kollektivurlaub sei lediglich eine Präventivmaßnahme, falls die Gespräche mit den Gewerkschaften nicht in den nächsten Tagen zum Erfolg führen sollten, teilten VW-Sprecher Medien zufolge am Donnerstag (31.8.) in Sao Paulo mit.

Seit Dienstag legt ein Streik die älteste und größte Fabrik von VW in Brasilien in Sao Bernardo im Land Sao Paulo seit Dienstag lahm. Die meisten der rund 12.400 Beschäftigten des Werks protestieren so gegen die Entsendung von 1.800 "blauen Briefen". Im Rahmen einer im Mai angekündigten Umstrukturierung will VW bis 2008 rund 6.000 der insgesamt 22.000 Stellen in den fünf brasilianischen Werken streichen.

Brasiliens Staatschef Luiz Lula da Silva machte unterdessen VW für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme im Unternehmen verantwortlich. "VW hat ein Projekt zu viel gewagt, das nicht zum Erfolg geführt hat", sagte er in einem Fernsehinterview. Außerdem habe das Unternehmen voreilig gehandelt, als sie 1.800 Entlassungen bekannt gegeben habe, "ohne vorher ordentlich mit Regierung und den Gewerkschaften gesprochen zu haben". Er habe als Gewerkschaftsführer schon vor Jahren vor den Toren der VW-Fabrik in Sao Bernardo geweint, als dort 8.000 Mitarbeiter entlassen worden seien, sagte Lula.

Der Kollektivurlaub vom 18. bis 27. September in den Fabriken in Taubate, Sao Carlos (beide im Land Sao Paulo) und Sao Jose (Paraná), in denen in Sao Bernardo produzierte Teile verwendet werden, soll dann in Kraft treten, wenn der Streik nicht bald beendet wird. Vom Unternehmen angeordneter Kollektivurlaub ist in Brasilien möglich, wenn er mindestens 15 Tage vorher bei den Behörden gemeldet wird.

Erst am Montag hatte die Regierung den Druck auf VW durch die vorläufige Einstellung der Vergabe staatlicher Kredite erhöht. Die Freigabe eines zugesagten Kredits in Höhe von 497 Millionen Real (185 Mio Euro) wurde vom Ausgang des Konflikts abhängig gemacht.

VW will in Brasilien bis 2008 rund 6.000 Stellen streichen, Arbeitsvergünstigungen kürzen und möglicherweise auch eine der fünf Fabriken schließen. "Unser Mutterhaus in Deutschland meint, dass wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben", sagte im Mai der Präsident der VW-Tochter, Hans-Christian Maergner.

Probleme gibt es laut VW do Brasil vor allem wegen der Aufwertung der Währung Real, die den Export belastet, und der gestiegenen Rohstoffkosten. Laut Maergner wird VW do Brasil frühestens 2007 wieder Gewinne erzielen. Er erwartet zudem eine Abnahme der Exportzahlen um 40 Prozent bis 2008 im Vergleich zu 2005. Im vorigen Jahr waren knapp 260.000 Fahrzeuge ins Ausland verkauft worden - vor allem nach Lateinamerika, USA/Kanada und Europa.

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