Gigafactory von CATL in Erfurt (Thüringen)

Batteriefabrik soll BMW und Mercedes versorgen

07/2018, CATL Foto: BMW 7 Bilder

Deutsche Autohersteller haben auf eigene Batteriefabriken verzichtet. Jetzt kommt das chinesische Unternehmen CATL. In Erfurt soll die erste deutsche Gigafactory entstehen.

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Am Erfurter Kreuz, nicht weit von der Mitte Deutschlands entfernt, dürfte ich bald das Zentrum der Elektromobilität befinden. Lkw werden ausschwärmen, um Werke der Autobauer mit dem Herzstück ihrer kommenden E-Modelle zu beliefern: den Batterien.

Das chinesische Unternehmen CATL will dort die erste deutsche Gigafactory eröffnen. In China betreibt CATL bereits ein Werk, das Berichten zufolge Batteriezellen mit einer Kapazität von 50 Gigawatt pro Stunde ausspuckt und damit die Produktionsstätte von Tesla in den USA übertrifft. Die Zellfabrik in Thüringen ist auf eine Jahreskapazität von 14 Gigawattstunden ausgelegt. Bis 2022 will CATL gut 240 Millionen Euro investieren. Dabei entstehen zunächst etwa 600 Arbeitsplätze in der Region, im Endausbau könnten es bis zu tausend Jobs werden.

Wer ist CATL?

CATL ist die Abkürzung für Contemporary Amperex Technology Co. Limited. Der Hauptsitz befindet sich in der 3-Millionen-Stadt Ningde im Nordosten Chinas. Obwohl CATL erst im Jahr 2011 gegründet wurde, sind dort heute bereits über 10.000 Menschen beschäftigt. Mitte Juni 2018 betrat man das Börsenparkett, der Marktwert des Unternehmens wird aktuell auf 12,3 Milliarden US-Dollar (ungefähr 10,5 Milliarden Euro) taxiert.

Die Automobilindustrie spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie von CATL. Am vielversprechenden Start-up Byton ist man bereits beteiligt. Mitte Juni 2018 wurde zudem der Einstieg beim finnischen Auftragsfertiger Valmet Automotive bekannt. 22% der Anteile gehören CATL, womit man sich Zugang zu ausgewiesener Produktionskompetenz verschafft.

Die chinesische Politik tat CATL den Gefallen, die südkoreanischen Batterielieferanten Samsung und LG Chem stark einzuschränken. Chinesische Elektroautos sollen keine ausländischen Batterien an Bord haben. Also liefert CATL an sämtliche E-Auto-Hersteller im größten Markt der Welt.

Batterien für den BMW iNext

11/2017, Fisker Emotion Front Feststoffbatterien Neue Super-Akkus für E-Autos?

Längst sind auch europäische Hersteller mit den Chinesen handelseinig. Die Batterien für die elektrische Oberklasselimousine BMW iNext, die 2021 vorgestellt werden soll, kommen von CATL. Die Münchener werden in den kommenden Jahren für vier Milliarden Euro Batteriezellen bei CATL kaufen. Außerdem soll ein Milliardenauftrag des Volkswagenkonzerns unter Dach und Fach sein. 2019 stellt VW das erste Modell der I.D.-Elektrofamilie vor, die nicht nur unter der eigenen Marke breit aufgefächert wird. Auch die Schwestermarken Audi, Seat und Skoda werden auf dem MEB (Modularer Elektro-Baukasten) aufbauende Modelle bringen.

Auch Daimler soll die Batterien für seine EQ-Modelle von CATL beziehen. Die Nähe zum Lieferanten ist nur logisch, da sich die Stuttgarter mit BMW auf eine Einkaufsgemeinschaft für Bauteile, die der Kunde nicht direkt „erfährt“, eingelassen haben.

Elektroautobatterien aus Deutschland

Eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien in Deutschland macht, trotz des ausländischen Eigentümers, nicht nur aus Imagegründen Sinn. Ein zeitaufwendiger und kostenintensiver Transport von Batterien auf dem Seeweg entfällt. Sollte sich die Nachfrage nach Elektroautos wie erwartet steil nach oben entwickeln, können so Engpässe bei den Akkus und damit einhergehend lange Lieferzeiten vermieden werden.

CATL und das Land Thüringen sind sich laut Medienberichten über einen Standort in der Nähe von Erfurt einig. Damit sind die Lieferwege zu CATLs künftigen Kunden kurz. BMW produziert im nahen Leipzig. Auch Zwickau ist leicht erreichbar. Hier wird VW die Produktion seiner Elektroautos bündeln. Über Schiene und Straße können auch Mercedes-Benz und Porsche in Stuttgart gut erreicht werden.

Neuester Kommentar

@jpnyc Lithium Batterien in Deutschland zu bauen macht durchaus Sinn. Feststoff-Batterien werden frühestens in 10 Jahren in größeren Mengen verfügbar sein. Dabei werden sie vermutlich noch deutlich teurer als Lithium Ionen Akkus sein.

Cobalt ist auch kein Problem wie sie das hier darstellen. Im Gegensatz zum extrem seltenen Platin, Rhodium, Cer und Lanthan in Katalysatoren kann es aus dem Akkumulator nicht heraus. Ihr Katalysator aber verteilt es unwiederbringlich in der Landschaft und vergiftet die Menschen. Die Bedingungen der Förderungen sind hier keineswegs besser als bei Cobalt. Dazu kommt dass Cobalt bereits durch z.B. Eisen substituiert werden kann und in Akkumulatoren der aktuellen Generation von Tesla 4 Mal weniger Cobalt als bei den Deutschen steckt, dazu noch aus nachhaltigen zertifizierten Quellen.

Man kann also wenn man will, und je eher desto besser. Denn selbst bei 100% Kohlestrom sind Emissionen um den Faktor 10 reduziert und der Wirkungsgrad um den Faktor 2,4 höher. Der Verbrenner hat fertig!

Tanathos 7. Juli 2018, 13:45 Uhr
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