China öffnet seinen Automobilmarkt

Überraschendes Signal während US-Handelskrieg

Gebrauchtwagenmarkt Foto: Beate Jeske 10 Bilder

Während zwischen den USA und China Spannungen in Sachen Handel herrschen, kündigt China eine Öffnung seines Automarktes an, wie die Nachrichtenagentur Reuters vermeldet.

Bis zum Jahr 2022 will China die Obergrenze für ausländische Beteiligungen an Automobilunternehmen aufheben, so Reuters. Dies wird auch als Signal zum Abbau der aktuellen Handelsspannungen zwischen China und den USA verstanden. Laut verantwortlichen chinesischen Wirtschaftspolitikern fällt die Beteiligungsbeschränkung bei Herstellern von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen bereits im Jahr 2018, bei Herstellern von Nutzfahrzeugen 2020 und bei den restlichen Automobilherstellern 2022.

Die chinesische Regierung hatte 1994 Beteiligungsbeschränken für ausländische Unternehmen an heimischen Autoherstellern beschlossen: Nicht mehr als 50 Prozent des lokalen Unternehmens durften Firmen aus dem Ausland kaufen. Gleichzeitig wurden ausländische Autohersteller verpflichtet, mit chinesischen Firmen zusammenzuarbeiten, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Die Aufhebung der Beteiligungsgrenzen stellt eine Wende im Handelskrieg zwischen den USA und China da. Noch am Montag (16.4.2018) hatte die US-Regierung amerikanischen Firmen verboten, Beteiligungen an den chinesischen Telefonhersteller ZTE zu verkaufen. Als Reaktion belegte China am Dienstag unter anderem landwirtschaftliche Produkte aus den USA mit Strafzöllen.

Deutsche Autohersteller sind interessiert

Die weltweit als mächtig geltenden deutschen Autohersteller begrüßen den Schritt. Gerade BMW hat als größter US-Autoexporteur ein starkes Interesse an guten Beziehungen zwischen China und den USA. So heißt es aus dem bayerischen Unternehmen: „Wir glauben, dass ein freies und flexibles Geschäftsumfeld sowohl chinesischen als auch ausländischen Unternehmen in China und der chinesischen Wirtschaft zugutekommt. BMW wird weiterhin mit lokalen Partnern an gemeinsamen Vorteilen und Win-Win-Situationen arbeiten.“ BMW fügte hinzu, dass man das Joint Venture mit BBA (BMW Brilliance Automotive Ltd./Shenyang) ausbauen werde, und eine Partnerschaft von Mini mit dem chinesischen Hersteller Great Wall Motors (GWM) in Betracht ziehe. So spielen die Bayern mit dem Gedanken, den elektrischen Mini auch in Partnerschaft mit GWM in China zu bauen.

Foto: BMW
BMW baut in seinem US-Werk in Greer, Spartanburg County die Modelle X3, X4, X5 und X6 (im Bild eine X5M). Da BMW viele Fahrzeuge aus den USA exportiert, sind die Bayern nicht an einem Handelskrieg mit China interessiert.

Von Chinas Lockerungen dürften als erstes die Hersteller von Elektroautos profitieren. Tesla lehnte bisher allerdings eine Stellungnahme ab. Erst kürzlich hatte Tesla-Chef Elon Musk die chinesischen Markt-Regularien kritisiert. Die amerikanischen E-Autobauer planen den Bau eines Werkes in Shanghai.

VW ließ sich zu dem vorsichtigen Statement hinreißen, dass man genau analysieren würde, welche neuen Möglichkeiten sich für den Konzern und seine Marken eröffnen. Auch Daimler bleibt vorsichtig: Man sei mit der aktuellen Zusammenarbeit zufrieden und verfolge die Entwicklung mit Interesse.

Ein nicht näher genannter GM-Mitarbeiter sagte letzte Woche, dass man seine Beteiligung an SAIC Motor (Shanghai Automotive Industry Corporation) nicht reduzieren werde. In einem Statement von Dienstag bekräftigen die Amerikaner, dass sie mit dem vorhandenen Joint Venture wachsen wollen.

Ford lässt verlauten, dass man von der Mitteilung zur Marktöffnung ermutigt sei und die Entwicklung beobachte. Sein Interesse an dieser Entwicklung bekundete auch Nissan. Honda betont, dass man aktuell nicht vorhabe, seine Beteiligungen zu ändern.

Ford Kuga 2.0 TDCi 4x4, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Ford baut mit seinem chinesischen Joint-Venture-Partner Changan Ford unter anderem den Kuga. Die Amerikaner finden die Ankündigung von der Marktöffnung "ermutigend".

China für offene Märkte

Analysten gehen davon aus, dass Chinas Marköffnung den Druck auf heimische Hersteller erhöht. Damit wäre auch der chinesische Hersteller BYD betroffen, an dem der US-Investor Warren Buffett über seine Firma Berkshire Hathaway acht Prozent hält.

Der Asien-Pazifik-Chef der Beratungsfirma IHS Markit sieht ein Problem für die traditionellen ausländischen Hersteller: Möglicherweise sind sie bereits in ihren bestehenden Joint Ventures zu verwurzelt, als dass sie die neuen Chancen von Anfang an voll nutzen können.

Die Ankündigung der Aufhebung der Beteiligungsbeschränkungen kommt, nachdem der chinesische Präsident Xi Jinping letzte Woche diese Aufhebung „so schnell wie möglich“ gefordert hatte. China betont, dass dieser Schritt nichts mit dem aktuellen Handelsstreit mit Amerika zu tun hat – die Chinesen legen vielmehr Wert darauf, als eine Wirtschaft dazustehen, die offen für Handelsgeschäfte ist.

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