Chrysler

Der nächste im Bund der Sanierungsfälle?

Foto: Beate Jeske

Nach drei Jahren als Sonnyboy im Reigen der kriselnden US-Autobranche fragen sich Experten angesichts der miserablen Chrysler-Zahlen, wie tief die Probleme beim amerikanischen Ableger des Daimler-Chrysler Konzerns gehen.

Frank und frei hatte Konzernchef Dieter Zetsche bei einer Telefonkonferenz mit Analysten am Dienstag (19.9.) von Mangementfehlern gesprochen, kurz darauf warf sich Chrysler-Boss Tom LaSorda vor den Marktexperten in den Staub und bekannte sich "voll verantwortlich" für die aktuelle Schieflage. Vor einigen Tagen hatte der Konzern die Märkte mit einer Gewinnwarnung aufgeschreckt, zurückgehend auf eine miserable Absatzentwicklung bei Chrysler in den USA. Konkret: Wo Zetsche noch bei der Hauptversammlung einen Gewinn in Aussicht stellte, warnte das Unternehmen vor einem Verlust alleine im dritten Quartal in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Dass Chrysler mit Blick auf das Gesamtjahr 2006 noch einen Gewinn hinbekommt, glaubt inzwischen nicht einmal die Konzernspitze.

Keine Details zum Krisenmanagement

Die Offenheit mit der sich Zetsche und LaSorda äußerten wird von der Mehrzahl der Wirtschaftsmedien positiv bewertet, die Sorge, dass sich zu den kapitalen Sanierungsfällen General Motors und Ford mit Chrysler nun auch noch der dritte große US-Autobauer gesellt, hat sich aber nicht verringert. Im Gegenteil. Nach drei Jahren schwarzen Zahlen fragen sich die Finanzexperten, wie nachhaltig der Turnaround zwischen den Jahren 2001 und 2003 war, der Dieter Zetsche und den inzwischen zu VW abgewanderten Wolfgang Bernhard zu Superstars der Autoszene hinauf katapultierte. Im Duett hatten die beiden damals 26.000 Jobs gestrichen, Werke geschlossen und die Produktion um 15 Prozent gekürzt und auf der anderen Seite die Produktpalette erheblich aufgefrischt, voran der Hotseller Chrysler 300 C.

Was im Jubelgesang über die Manager-Helden etwas übersehen wurde: Auf der technischen Seite fuhr Zetsche immer einen knochenkonservativen Kurs. Dem Hybrid spricht Zetsche immer noch weit gehend die Existenzberechtigung ab, statt auf Innovation setzte man bei Chrysler lieber auf den Ruhm der wuchtigen Hemi-Motoren. Das brachte zwar einiges Image und guten Profit, rächt sich jetzt aber angesichts einem Trend in den USA zu Autos, die sich ökonomischer bewegen lassen.

Chrysler weist mit Blick auf die Benzinpreisproblematik einen relativ ungünstigen Modell-Mix auf. So macht der Autobauer 71 Prozent seines Umsatzes mit Fahrzeugen, die potenziell als Benzin-Schluckspechte gelten: 27 Prozent Pick-ups, 27 Prozent SUV und 17 Prozent Minivans. Das Resultat der ungünstigen Mischung zeigt sich bei den Absatzzahlen dieses Jahres: Einschließlich August sind die Absatzzahlen um 9.7 Prozent zurück gegangen, überdurchschnittlich hoch war dieser mit 12.9 Prozent bei den sogenannten "light trucks".

Was für Chrysler spricht: Dieses Jahr kommen zehn neue Modelle der Chrysler-Marken Dodge, Jeep und Chrysler, acht von ihnen wie der sich in den USA gut verkaufende Dodge Caliber, gehören ins Segment der kleinen und mittleren Fahrzeuge. Mit diesen acht Modellen wird Chrysler den Anteil von kleinen und mittelgroßen Autos von 21 auf 28 Prozent steigern.

Bis es soweit ist, wird erstmal die Produktion gekürzt. Insgesamt in diesem Jahr um 135.000 Fahrzeuge, zudem will Chrysler von den horrenden Pensionskosten herunter kommen. Was sonst noch passiert, erwartet die Branche mit Spannung. Zetsche jedenfalls hat versichert, dass die strukturellen Fragen des Geschäfts jetzt gestellt werden - und demnächst beantwortet.

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