Conti/Schaeffler

Gewerkschaften wollen mitreden

Foto: Schaeffler

Die Arbeitnehmervertreter von Schaeffler und Continental bewerten die Übernahme des niedersächsischen Autozulieferers als wirtschaftspolitisch sinnvoll, fordern aber zugleich mehr Mitbestimmung beim fränkischen Familienunternehmen.

"Begeistert oder gar jubelschreiend sind wir immer noch nicht", sagte Conti-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Michael Iglhaut auf einer Schaeffler-Vertrauensleutekonferenz am Samstag (20.9.) in Schweinfurt. Schaeffler müsse eine arbeitnehmerfreundlichere und transparentere Unternehmenskultur aufbauen. In welcher Form die Arbeitnehmervertreter künftig zusammenarbeiten werden, blieb beim ersten Zusammentreffen nach der Übernahme Ende August offen.

"Schaeffler ist nicht unser Wunschpartner", machte Iglhaut deutlich. Die größte Angst bei Continental sei: "Wie sehr wird sich Schaeffler einmischen?" Die Mitarbeiter der Schaeffler-Gruppe bewerteten die Übernahme in einer Entschließung dagegen als Zukunftssicherung. Sie forderten eine angemessene Beteiligung am Erfolg des Familienunternehmens.

"Wir schätzen es so ein, dass es derzeit keine Gefahr für die Arbeitsplätze bedeutet - hüben wie drüben -, weil es schlicht keine Überschneidungsbereiche gibt", erläuterte Schaeffler-Betriebsratsvorsitzender Norbert Lenhard. Stattdessen ergänzten sich die beiden Unternehmen gut, sagte auch Iglhaut. "Wir sind diejenigen, die im elektronischen Bereich die Spezialisten sind, und Schaeffler hat in der Mechanik seine Stärken."

In welcher Form die Arbeitnehmervertreter in Zukunft zusammenarbeiten werden, stand nach dem ersten Treffen am Samstag noch nicht fest. Zwischen den Betriebsräten selbst gebe es offiziell keinen Kontakt, stattdessen verständige man sich auf Gewerkschaftsebene. "Eine gemeinsame Gremiumbildung ist erst notwendig, wenn das Ganze wirklich unter einem Dach zusammengeführt wird, wenn das ein Konzern wird", betonte Iglhaut. Noch seien beide Unternehmen rechtlich völlig getrennt.

Die Gewerkschafter mahnten bei Schaeffler eine stärkere Mitbestimmung an, räumten aber zugleich Verbesserungen ein. "Die Führung nach Gutsherrenart hat sich tatsächlich ein Stück weit verändert", sagte Wolfgang Müller, der für die IG Metall Schaeffler betreut. Mehr Transparenz sei dennoch nötig: "Medial können sie sich nicht mehr wie eine Pommesbude verhalten."

Schaeffler hatte sich nach einem wochenlangen Übernahmepoker mit dem wesentlich größeren DAX-Unternehmen aus Hannover auf ein umfassendes Engagement bei Conti geeinigt. Zum Schutz der Arbeitnehmer machte Schaeffler umfangreiche Zusagen, Geschäftsbereiche, Arbeitsplätze und Tarifverträge sollen erhalten bleiben.

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