Conti-Schließungspläne

Keine Kompromiss

Foto: dpa

Im Konflikt beim Autozulieferer Continental über die Schließung der Pkw-Reifenproduktion in Hannover haben sich Vorstand und Arbeitnehmerseite nicht auf einen Kompromiss geeinigt.

Das Unternehmen hatte angeboten, die Produktion nicht wie bisher geplant Ende 2006, sondern Mitte 2007 stillzulegen. Gewerkschaft und Betriebsrat lehnten dies ab und warfen Conti am Montag (12.12.) vor, weiterhin einen "Konfrontationskurs" zu verfolgen.

Das Conti-Angebot sei nicht akzeptabel, sagte der Sprecher der Gewerkschaft IG BCE, Peter Wind, in Hannover. Die Arbeitnehmervertreter hatten ein Auslaufen der Pkw-Reifenproduktion am Traditionsstandort Stöcken Ende 2007 gefordert. Außerdem müsse es konkrete Perspektiven für die 320 Beschäftigten der Pkw- Reifenproduktion sowie den gesamten Standort Stöcken geben. Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer kritisierte, die Arbeitnehmervertreter hätten auf ihren "Maximalforderungen" bestanden. Das Angebot, mit einem "weitgehenden Entgegenkommen auf der Zeitschiene" eine Lösung zu finden, sei abgelehnt worden. Conti bedaure dies sehr.

Wennemer sei eine "Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland"

Aus Sicht von IG BCE-Verhandlungsführer und Conti-Aufsichtsrat Werner Bischoff hat das Unternehmen die Verhandlungen "abgebrochen". Dieses "starre Verhalten" der Arbeitgeberseite sei "enttäuschend und unverständlich". Wennemer habe keine Bereitschaft erkennen lassen, zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu kommen. Er habe bis zum Schluss auf der beabsichtigten Schließung der Pkw-Reifenfertigung beharrt. Von dem behaupteten "weitgehenden Entgegenkommen auf der Zeitschiene" könne keine Rede sein.

Weder Gewerkschaft noch Belegschaft würden sich "einseitigen Diktaten beugen" kritisierte Bischoff. Wennemer sei eine "Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland". Notwendig seien nun glaubwürdige Anstrengungen auch von Unternehmensseite, die deutschen Standorte zu stärken.

Conti ist nach den Worten Wennemers zu weiteren Gesprächen bereit. "Dies macht aber nur Sinn, wenn Gewerkschaft und Betriebsrat bereit sind, sich zu bewegen und von ihrer einseitigen Auslegung der vertraglichen Grundlagen Abstand zu nehmen. Das können wir derzeit nicht erkennen." Zur Einstellung der Pkw-Reifenproduktion in Stöcken gebe es keine "tragfähige Alternative". Wennemer: "Aber wir stehen ganz klar zum Standort Stöcken, der nicht zur Diskussion steht."

Conti hatte vor drei Wochen angekündigt, die Pkw-Reifenfertigung in Stöcken stillzulegen. Das Wachstum in der Reifensparte sei geringer ausgefallen als erwartet, hieß es zur Begründung. Die Produktion in Stöcken sei die kleinste und insgesamt auch die teuerste. Die beabsichtigte Schließung hatte für einen Proteststurm gesorgt - vor allem auch, weil die Beschäftigten erst im Frühjahr einer Betriebsvereinbarung zum Joberhalt zugestimmt hatten. Diese sah unter anderem längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich vor.

Unterdessen wurde bekannt, dass Continental die Personalkosten in seinem Reifenwerk in Charlotte (USA) um 35 Prozent senken will und auch eine Schließung des Werks nicht ausschließt. "Derzeit verhandeln wir mit Gewerkschaftsvertretern. Sollten wir uns nicht bis Ende 2005 einigen, werden wir die Produktion wahrscheinlich weiter zurücknehmen müssen", sagte Finanzvorstand Alain Hippe dem Magazin "Euro". Es sei nicht auszuschließen, dass Conti das Werk schließe. Das US-Reifengeschäft ist ein Sorgenkind des Konzerns. Die Reifenproduktion in seinem US-Werk Mayfield hat Conti bereits geschlossen.

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