Conti-Übernahme

Conti senkt erneut Prognose und will Dividende streichen

Foto: Continental

Kurz vor der Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe trifft die Krise in der Automobilindustrie immer stärker auch den Autozulieferer Continental. Der Konzern senkte am Mittwoch (10.12.) erneut seine Gewinnprognose für das laufende Jahr und will für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 die Dividende streichen.

Zudem kappt Conti massiv die Kosten. Ein Anfang November zusätzlich zu laufenden Restrukturierungen angekündigtes Kostensenkungsprogramm sei inzwischen das größte in der Firmengeschichte, teilte Continental nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Hannover mit. Conti steht kurz vor der Übernahme durch das Familienunternehmen Schaeffler.

Für das Geschäftsjahr 2007 hatte Conti noch zwei Euro je Aktie ausgeschüttet. In der Angebotsunterlage von Schaeffler für die Conti-Übernahme hieß es, Schaeffler "geht davon aus, dass Continental die bisherige Ausschüttungspolitik fortsetzen wird". Bisher sitzen keine Vertreter von Schaeffler im Conti-Aufsichtsrat. Ein Schaeffler-Sprecher in Herzogenaurach sagte zur angekündigten Streichung der Dividende: "Das Ganze ist Sache von Conti. Unsere Finanzierung steht."

Schaeffler hatte sich im Sommer eine Übernahmeschlacht mit dem Conti-Management geliefert, an deren Ende die Franken die Hannoveraner zu einer umfassenden Zusammenarbeit drängen konnten. Schaeffler hatte aber zugesagt, das Engagement bei Conti innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken. Schaeffler wurden aber bis zum Ende der erweiterten Annahmefrist am 16. September gut 82 Prozent der Conti-Aktien angedient. Die Gruppe sucht nun einen Co-Investor für Conti. Schaeffler hält derzeit bereits rund 20 Prozent an Conti. Das Familienunternehmen hatte die Übernahme Mitte November formell bei der EU angemeldet. Die Kommission hat jetzt bis zum 19. Dezember Zeit, sich dazu zu äußern.

Seit Monaten kursieren im Markt Spekulationen, Schaeffler bekomme wegen der Finanzkrise nicht genügend Geld für den Conti-Kauf zusammen und das ganze Geschäft könne deshalb platzen.

Conti schraubt Gewinnziele nach unten


Conti schraubte mit Blick auf die drastische Verschärfung der Auto-Absatzkrise in Westeuropa und Nordamerika seine Gewinnziele erneut nach unten. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erwartet der Konzern für 2008 nun eine Marge von 7,5 bis 8,0 Prozent, bereinigt um Abschreibungen aus dem Erwerb der Siemens-Tochter VDO sowie um Restrukturierungs- und Integrationsaufwendungen. Erst Mitte September hatte Conti die Prognose gesenkt. Statt einer EBIT-Marge von ursprünglich 9,3 Prozent hatte der Konzern damals für das Gesamtjahr 2008 eine Marge von rund 8,5 Prozent angestrebt.

Ein Kostensenkungsprogramm im "«hohen dreistelligen Millionenbereich" sei in Kraft, hieß es. Ende Oktober hatte Conti mitgeteilt, die Zahl der Leiharbeiter drastisch zu reduzieren, die Werksferien zum Jahreswechsel stark auszuweiten und je nach Standort und Auftragslage die Arbeitszeiten zu verringern. Nicht dringend erforderliche Investitionen würden auf Eis gelegt.

Die Produktionskürzungen der Kunden im vierten Quartal seien stärker als erwartet gewesen. "In Summe werden im laufenden Quartal alleine in Europa und den USA 1,5 Millionen weniger Fahrzeuge gebaut als geplant. Das entspricht in etwa dem gesamten Produktionsrückgang der ersten drei Quartale in diesen Regionen und betrifft nahezu alle Fahrzeughersteller", sagte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann.

Schuldenabbau fest im Blick

Conti habe aber den Schuldenabbau weiter "fest im Blick", sagte Finanzvorstand Alan Hippe. "Der Verzicht auf Dividendenzahlungen würde für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 einen starken Beitrag zum Schuldenabbau und damit eng verbunden zur Absicherung unserer finanziellen Stabilität leisten." Basierend auf der für das Geschäftsjahr 2007 gezahlten Dividende von zwei Euro pro Aktie ergäbe sich eine Entlastung von rund 338 Millionen Euro pro Jahr. Conti hatte sich für den milliardenschweren Kauf der früheren Siemens-Tochter VDO hoch verschuldet.

Neumann sagte, wichtiges Ziel bleibe es, die Eigenkapitalquote "nach Kräften" wieder zu stärken. In diesem Zusammenhang würden weiterhin alle denkbaren Optionen geprüft. Conti hatte auch den Verkauf seiner Reifensparte nicht ausgeschlossen.

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