Conti-Übernahme

Schaeffler triumphiert - Wennemer geht

Foto: Schaeffler

Einer der spektakulärsten Übernahmekämpfe der vergangenen Jahre ist zu Ende. Nach harten Verhandlungen ist die fränkische Schaeffler-Gruppe beim wesentlich größeren DAX-Konzern Continental am Ziel - das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hat künftig bei der Conti das Sagen.

Die beiden Autozulieferer erzielten eine friedliche Einigung in der seit Wochen andauernden Übernahmeschlacht, wie Continental am frühen Donnerstagmorgen (21.8.) mitteilte. Dabei machte Schaeffler deutliche Zugeständnisse an Conti. Eine in Hannover befürchtete Zerschlagung des Konzerns soll es nicht geben.

Wennemer tritt ab

Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer aber nimmt nach der größten Herausforderung seiner Karriere den Hut. Im neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte sieht der 60-Jährige für sich selbst offensichtlich keinen Platz mehr und tritt zum 31. August zurück. "Erhobenen Hauptes" so viel wie möglich für Conti herausholen bei den Verhandlungen mit Schaeffler - das war das Ziel Wennemers, wie es in Hannover in den vergangenen Tagen hieß. Sein Nachfolger soll kurzfristig bestellt werden. Als Favoriten gelten die Conti-Vorstände Alan Hippe (41) und Karl-Thomas Neumann (47).

Mit seiner harschen Kritik am Vorgehen der Schaeffler-Gruppe hatte sich Wennemer keine Freunde gemacht bei der Schaeffler-Führung um Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Geschäftsführer Jürgen Geißinger. In einer "Brandrede" hatte Wennemer Mitte Juli eine harte Gegenwehr gegen die drohende Übernahme angekündigt und gewettert, das Vorgehen der Franken sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Schaeffler habe sich über Finanzgeschäfte, Swap-Geschäfte, rechtswidrig an Conti "herangeschlichen". Der angebotene
Preis sei viel zu niedrig. Und: "Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental."

Übernahme war nicht zu verhindern

Doch die Schaeffler-Gruppe hatte sich in einem Coup eine gute Ausgangsposition bei der Conti verschafft, so dass die Übernahme am Ende nicht mehr zu verhindern war. Schaeffler hält aktuell bereits acht Prozent an Conti und hat nach eigenen Angaben über die Finanzgeschäfte Zugriff auf weitere 28 Prozent.

Mögliche Abwehr-Waffen von Conti gegen eine Übernahme blieben zudem im Arsenal. Dies anscheinend auch, weil die Suche nach einem "weißen Ritter", einem freundlich gesonnenen Großinvestor, nicht von Erfolg gekrönt war. Zudem machte die Autoindustrie Druck für eine friedliche Einigung - VW-Chef Martin Winterkorn etwa sprach sich früh grundsätzlich für ein Zusammengehen der Zulieferer aus.

Außerdem gab es in der Conti-Führung erheblichen Streit über die Verhandlungstaktik. Dabei kam es angeblich zum Zerwürfnis zwischen Wennemer und dem einflussreichen Aufsichtsrats-Boss Hubertus von Grünberg. Von Grünberg favorisierte anscheinend von Anfang an eine friedliche Einigung mit Schaeffler.

Schaeffler macht Zugeständnisse

Wennemer zieht nun die Konsequenzen und tritt nach fast sieben Jahren an der Conti-Spitze zurück - nachdem er in den Verhandlungen mit Schaeffler einiges für Continental erreichen konnte. Schaeffler erhöht das Angebot von 70,12 Euro auf 75 Euro pro Aktie - ein deutlicher Aufschlag. Zudem verpflichtete sich Schaeffler zu einem Risikoausgleich bis zu einer Höhe von insgesamt 522 Millionen Euro für Verluste etwa steuerlicher Art, die im Zuge der Übernahme entstehen könnten.

Schaeffler sagte ferner zu, das Engagement bei Conti innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken. Eine komplette Übernahme aber hatte Schaeffler auch gar nicht angestrebt - das Ziel der Gruppe war ein Anteil von mehr als 30 Prozent, damit hat Schaeffler die Kontrolle bei der Conti.

Außerdem sieht die unbefristete Vereinbarung, die frühestens im Frühjahr 2014 gekündigt werden kann, umfangreiche Regelungen zum Schutz der Interessen der Conti sowie ihrer Aktionäre und Mitarbeiter vor. So werde Schaeffler keine Verkäufe von Conti-Sparten verlangen, hieß es. Zudem werde es gegen den Conti-Willen keine Veränderungen etwa in Bezug auf die Unternehmensform, den Sitz, die Konzernzentrale und die Geschäftsbereiche sowie die Börsennotierung geben.

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