Continental

Gewerkschaft stützt umstrittenen Aufsichtsratschef

Foto: dpa

Im Machtkampf bei Continental hat die Gewerkschaft IG BCE den von Großaktionär Schaeffler geforderten Rücktritt von Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg abgelehnt. "Die an den Aufsichtsratsvorsitzenden gerichtete Rücktrittsforderung ist sachlich nicht zu begründen und widerspricht den in Mitteleuropa üblichen Umgangsformen."

Das sagte der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE am Mittwoch (21.1.) in Hannover. Von Grünberg habe sich bleibende Verdienste um den Autozulieferer erworben. Bischoff forderte, der seit Monaten andauernde Konflikt um die Zukunft der Conti müsse umgehend beendet werden. Die Belegschaften seien zutiefst verunsichert. Der Streit zwischen Schaeffler und Conti war am Dienstag eskaliert.

Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach hatte von Grünberg zum Rücktritt aufgefordert. Von Grünberg sabotiere systematisch gemeinsame Lösungen und verfolge eigene Interessen, das Vertrauen sei zerstört. Solange der Conti-Aufsichtsrat von Grünberg gewähren lasse und dieser nicht zurücktrete, behalte sich Schaeffler das Recht vor, alle zehn Sitze der Anteilseigner im Aufsichtsrat neu zu besetzen.

Vertrauensverluste durch Streit

Der im Sommer 2008 geschlossenen Investorenvereinbarung zwischen Conti und Schaeffler zufolge kann Schaeffler selbst nur vier Vertreter direkt in das Aufsichtsratsgremium entsenden. Schaeffler hatte nach monatelanger Schlacht am 8. Januar die milliardenschwere Übernahme von Conti abgeschlossen und den Anteilseignern 75 Euro je Aktie bezahlt. Da die Franken laut Investorenvereinbarung vier Jahre lang höchstens 49,99 Prozent der Anteile halten dürfen, wurden die überzähligen Aktien an Banken weitergereicht.

Mit jeweils rund 20 Prozent liegen die größten Pakete Berichten zufolge bei Metzler und Sal. Oppenheim. Sowohl Conti als auch Schaeffler sind hoch verschuldet, zudem trifft sie die Finanz- und Autokrise mit voller Wucht. Außerdem war die Conti-Aktie auf Talfahrt gegangen. Conti-Aufsichtsratsvize Bischoff kritisierte, die öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Conti und Schaeffler hätten bereits zu erheblichen Vertrauensverlusten geführt.

Gerhard Schröder schaltete sich ein

Weitere Folgeschäden müssten unbedingt vermieden werden. Dies sei ein Gebot der sozialen und ökonomischen Vernunft. Conti und mehr als 100.000 Beschäftigte bräuchten eine tragfähige Perspektive. Die Besetzung der Anteilseignerbank im Aufsichtsrat sei im Aktienrecht geregelt. Am Ende entscheide darüber die Hauptversammlung. Es könne niemand so tun, als ob es die Investorenvereinbarung nicht gäbe.

Bischoff warnte die Schaffler-Führung vor einem härteren Kurs der Gewerkschaften. Bisher hätten die Gewerkschaften ein vernünftiges und loyales Verhältnis zu Schaeffler. Falls sich die öffentlichen Auseinandersetzungen in der bisherigen Form fortsetzten, seien die Arbeitnehmer gezwungen, sich neu aufzustellen. Auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder schaltete sich in den Konflikt ein.

Conti-Übernahme durch Schaeffler dementiert

Ein Sprecher Schröders teilte in Berlin mit, Schröder führe derzeit "intensive Gespräche mit beiden Seiten sowie den Gewerkschaften". Er werde sich jedoch nicht öffentlich äußern. Schröder ist Garant für die Einhaltung der Investorenvereinbarung und ermächtigt, die Erfüllung der Schaeffler-Verpflichtungen jederzeit gerichtlich und außergerichtlich geltend zu machen.

Unterdessen dementierte ein Schaeffler-Sprecher einen Bericht des Handelsblatts. Die Zeitung hatte geschrieben, mit Schaeffler verbundene Banken prüften eine komplette Conti-Übernahme durch Schaeffler. Dazu sagte der Schaeffler-Sprecher: "Es gibt keine solchen Prüfungen in unserem Auftrag."

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