Daimler-Chef

Krisenhöhepunkt noch nicht erreicht

Foto: Daimler

Die Automobilindustrie wird nach Ansicht von Daimler-Chef Dieter Zetsche noch tiefer in die Krise rutschen. "Eine rasche Trendwende auf den Automobilmärkten ist nicht in Sicht. Aller Voraussicht nach dürfte es sogar erst noch einmal schlechter werden, bevor es dann sicher besser werden wird", sagte Zetsche am Donnerstag (20.11.) in Nürtingen bei Stuttgart.

"Es fällt derzeit schwer, Prognosen für den Rest der Woche, des Monats oder des Jahres abzugeben", sagte Zetsche. "Unsere Branche steht am Scheideweg."

Er hoffe aber nicht, dass sich Vorhersagen von Experten bewahrheiteten, wonach 100.000 der 760.000 Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie wegfallen könnten, sagte Zetsche. Gerade in Zeiten der Krise sei die Innovationskraft für die Unternehmen überlebenswichtig. "Die Krise ist ein Katalysator. Jetzt wird sich zeigen, wer zukunftsfähig in unserer Branche ist." Zwar sei gerade jetzt die Versuchung groß, in diesem Bereich zu sparen. "Wir wären aber schlecht beraten, mit kurzfristigen Sparmaßnahmen bei Forschung und Entwicklung unseren langfristigen Erfolg aufs Spiel zu setzen", warnte Zetsche.

Denn wie die einzelnen Hersteller aus der Krise hervorgehen gehen, hänge vor allem davon ab, wie gut sie bei der Entwicklung umweltfreundlicher Technologien aufgestellt seien. Vor allem neue Antriebstechniken seien gefragt. "Für die Zukunft nimmt ein Trend immer deutlicher Form an: Die vollständige Elektrifizierung des Antriebs."

In den vergangenen Monaten sei die gesamte Autoindustrie mit Herstellern, Zulieferern und Händlern in den Strudel der Finanzkrise geraten, sagte Zetsche. "Angesichts dieser Entwicklung werden die Maßnahmen der Politik, die auf eine Stabilisierung der Finanzmärkte abzielen, auch für die Automobilindustrie immer wichtiger." Neben der Kaufzurückhaltung der Kunden belasteten auch sinkende Restwerte für Leasingfahrzeuge und verteuerte Kredite die Unternehmen.

Die Krise auf den Auto- und Finanzmärkten trifft auch Daimler mit voller Wucht. Zetsche hatte die Ziele für 2008 bereits zwei Mal gesenkt. Im Oktober brach der Pkw-Absatz noch einmal drastisch ein. Bislang soll die PKW-Produktion bis zum Jahresende um 45.000 Fahrzeuge gesenkt werden. Wie auch andere Autohersteller schicken die Stuttgarter rund 150.000 Beschäftigte der 14 deutschen Werke des Konzerns in verlängerte Weihnachtsferien von bis zu vier Wochen. Derzeit laufen Gespräche zwischen Management und Betriebsrat über Arbeitszeitverkürzung im nächsten Jahr.

Der Konzernlenker sagte, er sehe bei Daimler derzeit trotz des drastisch gesunkenen Börsenwertes nicht die Gefahr einer Übernahme. "Wir sehen das Risiko nicht höher als vor zwölf Monaten." Damals war Daimler an der Börse noch deutlich mehr wert, derzeit liegt der Börsenwert der Stuttgarter bei rund 20 Milliarden Euro. "Wir fühlen uns sehr kommod in der Situation, in der wir sind."

Spekulationen, wonach sich das Land Baden-Württemberg indirekt an dem Autobauer beteiligen könnte, wies Zetsche zurück. "Wir haben kein Interesse daran, zum Volkswagen der Zukunft zu werden", sagte er mit Blick auf den Wolfsburger Konzern, an dem das Land Niedersachsen mit rund 20 Prozent beteiligt ist.

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