Daimler-Chrysler

Beifall nur für das Rauchverbot

Foto: dpa

Es war schon fast tragisch. Da kann Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche endlich wieder blendende Zahlen bei Mercedes präsentieren und bekommt dennoch keinen Applaus für seine Erfolge.

Zu schwer lag den Aktionären auf der Hauptversammlung in Berlin (4.4.) die schwere Kost der vergangenen Jahre im Magen. Dass es gegenüber den Aktionären keine klaren Aussagen zum Thema Chrysler gab, stieß den Anteilseigner besonders sauer auf.

"Die Aktionäre haben recht behalten", konstatierte Lars Labryga, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), zum geplanten Verkauf von Chrysler. Die Aktionäre hätten immer auf diese Fehlentscheidung hingewiesen und gefordert, einen Verkauf zu prüfen. Ketzerisch fragte Labryga zum Ende seines Vortrags noch den scheidenden Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, ob es hinter den Kulissen bei Daimler hohe Konventionalstrafen gebe, wenn auf der Hauptversammlung einmal eine Frage der Aktionäre tatsächlich beantwortet wird. "Wenn Sie, Herr Zetsche, damals auf uns gehört hätten, wären Millionen Euro in Deutschland geblieben", sagte Jürgen Graesslin, Sprecher der Kritischen Aktionäre, der damals gegen die Fusion von Daimler und Chrysler gestimmt hatte. Der Frust ist verständlich: Schließlich zahlen sie die Zeche. Die Aktie dümpelt bei gut 60 Euro herum und liegt damit in etwa auf dem Niveau aus dem Jahr 2000.

Zetsche bemühte sich redlich um gute Stimmung. „Spitzenleistung beginnt mit der richtigen Einstellung", versuchte er den Saal in Aufbruchsstimmung zu versetzen. Zetsche stellte den Aktionären ´sogar höhere Umsatzrenditen für die Zukunft in Aussicht und versprach, etwa bei Servicequalität, Markenpflege und umweltfreundlichen Zukunftstechnologien weiter Gas zu geben.

Die Aktionäre jedoch wollten dem Vorstand und Aufsichtsrat die strategischen Fehler nicht so einfach durchgehen lassen. Ein aufgebrachter Aktionär sprach von der "Alles-wird-gut AG." Es hagelte Kritik mit Worten wie: "Patient in der Dauersanierungsklinik", "Mühlstein am Hals" und Henning Gebhardt, Vertreter der Fondsgesellschaft DWS sprach den Aktionären aus der Seele: "Wenn Chrysler am Ende zum Scheidungsrichter geführt würde, wären wir sehr dankbar", sagte DWS-Vertreter Henning Gebhardt.

Daimler-Chef Zetsche hätte an diesem Tag einen großen Sieg einfahren können. Hätte er eine Lösung des Chrysler-Problems präsentiert, wäre er gefeiert worden. Stattdessen gab es den lautesten Beifall für das Rauchverbot und die 350 zusätzlichen Krippenplätze im Konzern. Sein Vorgänger Jürgen Schrempp und der scheidende Aufsichtsratschef Hilmar Kopper wären allein die Buhmänner gewesen.

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