Daimler-Chrysler

David gegen Goliath

Foto: Daimler-Chrysler

Im Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler ist es über die Partnersuche für die US-Sparte Chrysler zur Machtprobe zwischen Management und Arbeitnehmern gekommen. Die Arbeitnehmervertreter laufen Sturm gegen das beschlossene Bündnis der US-Sparte mit dem chinesischen Hersteller Chery.

Über die Allianz sei es vergangene Woche zu einer Kampfabstimmung im Aufsichtsrat gekommen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm dem "Handelsblatt" (5.3.). Die Entscheidung sei nur zu Stande gekommen, "weil der Aufsichtsratsvorsitzende von seinem Zweitstimmrecht Gebrauch machte", räumte er ein. Ein solcher Fall ist in den letzten 17 Jahren bei Daimler laut Branchenkennern noch niemals vorgekommen. Zuvor hatten bereits die "Stuttgarter Nachrichten" (Samstag) berichtet, dass nach Informationen der Zeitung die Arbeitnehmerbank geschlossen gegen die Kooperation gestimmt hat.

Gemeinsame Produktion von Kleinwagen

Daimler-Chrysler plant eine Kooperation der angeschlagenen US-Tochter Chrysler mit dem chinesischen Hersteller Chery zur gemeinsamen Produktion von Kleinwagen. Früheren Aussagen von Chrysler-Chef Tom LaSorda zufolge könnte das neue Auto bereits 2009 auf den Markt kommen. "Von anderen konstruierte und gebaute Autos unter einer unserer Konzernmarken zu vertreiben, halte ich für den falschen Weg", hatte Klemm den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt.

Die barsche Absage an Chery durch den einflussreichen Arbeitnehmervertreter dürfte auch Auswirkungen auf eine mögliche Trennung von Chrysler haben, schreibt das "Handelsblatt". Experten halten einen möglichen Verkauf von Chrysler an einen chinesischen Autohersteller nunmehr für deutlich unwahrscheinlicher. "Wir sollten nicht noch den Türöffner für die Chinesen machen, deren Druck in der Branche in den nächsten Jahren sowieso immer stärker werden wird", sagte Klemm der Zeitung. Als ein Interessent für Chrysler gilt der chinesische Volkswagen-Partner FAW. FAW-Manager hätten bereits die Zentrale der Daimler-Chrysler-Tochter in den USA besucht, hieß es in Kreisen des größten chinesischen Autoherstellers.

Dem Konzern fehlt ein stabiler Großaktionär

Klemm hält den Autokonzern in seiner jetzigen Eigentümerstruktur für angreifbar. Ein Konzern wie Daimler-Chrysler müsse "immer im Auge behalten, dass er im Vergleich zu Wettbewerbern eine in Anführungszeichen schlechtere Aktionärsstruktur hat, da dem Konzern ein stabiler Großaktionär fehlt", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef. "Ich denke, wenn man die Situation mit BMW oder Porsche vergleicht, wo die Unternehmen von Familien kontrolliert werden, kann man zweifellos sagen, dass sich mit einem stabilen Großaktionär schon verlässlicher und sicherer arbeiten lässt."

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