Daimler-Chrysler

Keine Übernahme

Foto: Daimler-Chrysler

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende von Daimler-Chrysler, Hilmar Kopper, sieht den Autokonzern nicht von einer Übernahme bedroht. Kopper leitet am kommenden Mittwoch (4.4.) seine letzte Daimler-Chrysler-Hauptversammlung

"Vor einer Übernahme habe ich keine Sorge. Wenn das Unternehmen anständig geführt wird und an der Börse gut bewertet ist, dann ist Daimler immer noch ein schwerer Brocken", sagte Kopper der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Von der Bildung eines Kreises befreundeter Aktionäre zum Schutz vor Übernahmen halte er wenig: "Der Kreis ist nur stabil, wenn die Gesellschaft erfolgreich ist. Der Druck muss bleiben, sonst dient der Schutz durch einige nur dem Management, und das oft auf Kosten der anderen Aktionäre."

Kein Fiasko, sondern Gewinn

Kopper kritisierte die Geschäftspolitik des früheren Daimler-Chefs Edzard Reuter in der ersten Hälfte der neunziger Jahre. "Damals wurden Milliarden verloren, der Aktienkurs halbierte sich", sagte er. Die von Reuter-Nachfolger Jürgen Schrempp betriebene Fusion mit Chrysler bewertet Kopper dagegen nicht als Fiasko. Niemals sei Geld von Stuttgart nach Detroit geflossen, und in sechs von neun Jahren habe Chrysler Gewinne erzielt. Unter dem Strich stehe ein Milliardengewinn.

Der als kritischer Daimler-Chrysler-Aktionär bekannte Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger will auf der Hauptversammlung vorschlagen, den Firmennamen wieder in Daimler-Benz AG umzuwandeln, berichtete die "Detroit News" am Sonntag in ihrer Onlineausgabe. "Damit wollen wir mehr Druck auf das Management ausüben, das Chrysler-Problem zu lösen", sagte Wenger der Zeitung. Der Namenswechsel könne nach einem Chrysler-Verkauf erfolgen, aber nicht später als kommenden März.

Chrysler bringt Kapital

Unterdessen kann Daimler-Chrysler nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" offenbar mit mehr Geld für seine angeschlagene US-Sparte Chrysler rechnen als bislang erwartet. Der Verkauf der amerikanischen Chrysler Group könnte "zwischen sechs bis neun Milliarden Dollar" in die Konzernkasse spülen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte zuletzt einen Verkaufserlös von etwa sechs Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) für möglich gehalten.

Wie die Zeitung weiter berichtet, hat die US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus Management LLC am Freitag ein Angebot für Chrysler abgegeben. Cerberus ist den Angaben zufolge vor allem an der Finanzsparte des Konzerns interessiert. Es werde damit gerechnet, dass auch ein Konsortium um den Finanzinvestor Blackstone sowie der kanadische Autozulieferer Magna gemeinsam mit dem Finanzinvestor Ripplewood ein Angebot für Chrysler abgeben werden. Daimler-Chrysler wollte die Angaben nicht kommentieren.

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