Daimler-Kritiker bleibt standhaft

Foto: Daimler-Chrysler

Vor dem Berliner Landgericht hat am Donnerstag (31.8.) der Prozess um die Anschuldigungen von Daimler-Chrysler-Kritiker Jürgen Grässlin gegen Konzernchef Dieter Zetsche begonnen.

Grässlin hatte Zetsche im November 2005 im ARD-Kulturmagazin "Titel Thesen Temperamente" mit Graumarktgeschäften in Verbindung gebracht, indem er behauptete, der Manager habe in einem Gerichtsverfahren falsche Angaben gemacht. Das Stuttgarter Unternehmen und Zetsche erwirkten daraufhin eine einstweilige Unterlassungsverfügung, die Grässlin bislang jedoch nicht unterschrieb. Zetsche erschien im Gegensatz zu Grässlin nicht persönlich vor Gericht.

In der ersten mündlichen Verhandlung am Donnerstag betonte Grässlins Anwalt Holger Rothbauer, dass sein Mandant an seiner Aussage festhalten wolle, Zetsche habe vor Gericht eine Falschdarstellung abgegeben. Zetsches Rechtsbeistand Christian Schertz forderte Grässlin hingegen auf, die Unterlassungsverfügung anzuerkennen.

Ein Urteil wollte das Gericht frühstens am späten Donnerstagnachmittag fällen. Eventuell werde es auch noch notwendig sein, Zeugen zu hören, hieß es. Grässlins Anwalt Rothbauer kündigte bereits an, bei einer Niederlage vor Gericht Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Der Fall würde dann vor dem Berliner Kammergericht, dem Oberlandesgericht, verhandelt.

Graumarktgeschäfte, bei denen Autos an den offiziellen Vertriebskanälen vorbei verkauft werden, sind nach Meinung von Automobilexperten in der Branche üblich. Sie sind nicht im juristischen Sinne illegal, stehen aber im Widerspruch zu den Konzernrichtlinien, wonach nur offizielle Händler beliefert werden
dürfen. Bei den Graumarktgeschäften, von den Zetsche gewusst haben soll, ging es nach Angaben von Grässlin-Anwalt Rothbauer um acht Luxuslimousinen.

Grässlin, der Sprecher der Kritischen Aktionäre von Daimler-Chrysler ist, hat bereits mehrere juristische Auseinandersetzungen wegen des Autobauers geführt. Anfang des Jahres untersagte das Hamburger Landgericht dem Buchautoren die Behauptung, der ehemalige Chef des Autokonzerns, Jürgen Schrempp, sei im Juli 2005 unfreiwillig von seinem Posten zurückgetreten. Grässlin hatte erklärt, der Amtsverzicht Schrempps habe auch damit zusammengehangen, dass einige "Geschäfte nicht immer so sauber" gewesen seien.

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