DC-Krise

Neue Verhandlungen - Streik am Donnerstag

Einen Tag vor den massiven Protestaktionen von mehreren zehntausend Daimler-Chrysler-Beschäftigten haben Vorstand und Gesamtbetriebsrat ihre Verhandlungen über die geplanten Kostensenkungen fortgesetzt.

Das bestätigte der Betriebsrat am Mittwoch (14.7.) in Stuttgart. Am Donnerstag werden in allen deutschen Mercedes-Werken mit insgesamt rund 160.000 Beschäftigten vorübergehend die Produktionsbänder für Pkw und Nutzfahrzeuge stillstehen. Wie viele Fahrzeuge in dieser Zeit nicht produziert werden, wollten Konzern und Betriebsrat zunächst nicht beziffern.

Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hat mit dem Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen in Sindelfingen gedroht, wenn bei der künftigen Produktion der neuen C-Klasse nicht 500 Millionen Euro eingespart würden. Dann könnte die Produktion hauptsächlich nach Bremen und teilweise nach Südafrika verlagert werden. Der Betriebsrat ist bereit, im Rahmen der Umsetzung des Entgeltrahmentarifvertrages (ERA) auf rund 180 Millionen Euro zu verzichten.

Die Sparte Mercedes Car Group (Mercedes, Smart, Maybach) ist mit Abstand der wichtigste Ertragsbringer des Autokonzerns. 2003 trug der Geschäftsbereich mit rund 3,1 Milliarden Euro zum gesamten operativen Konzerngewinn (Operating Profit) von 5,7 Milliarden Euro bei.

Enttäuschter Betriebsrat

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm zeigt sich zunehmend enttäuscht über den harten Kurs von Mercedes-Chef Hubbert. "Der harsche Ton und die völlige Unbeweglichkeit in der Sache haben mich schon überrascht und, wenn ich ehrlich bin, auch schockiert", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef der Zeitung "Die Welt".

Ein Arbeitskampf sei derzeit aber kein Thema. Sollte der Vorstand allerdings nicht einlenken, könnten die Proteste weitergehen. Näher gekommen sei man sich mit dem Vorstand bei den Punkten Ergänzungstarifvertrag für Dienstleistungen und der bezahlten 40-Stunden-Wochen in Forschung und Entwicklung, sagte Klemm.

Deeskalationstreffen: Klemm meets Schrempp

Auch scheinen die Verhandlungen keineswegs so verfahren, wie es derzeit aussieht. Aus Unternehmenskreisen wurde bekannt, dass Klemm sich vor einigen Tagen zu einem Spitzengespräch mit Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp getroffen hat. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Konzernchef eine Eskalation des Konflikts vermeiden will. Hubbert hatte erklärt, bis Monatsende müsse eine Entscheidung fallen.

Der Personalvorstand des nach Umsatz größten deutschen Unternehmens, Günther Fleig, bekräftigte in der "Welt" erneut die Notwendigkeit des Sparkurses. "Die zu schließende Deckungslücke in den Arbeitskosten hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert." Dem Konzern sind vor allem Sonderregelungen in Baden-Württemberg ein Dorn im Auge. Dazu zählen insbesondere die "Steinkühler-Pause" von fünf Minuten pro Stunde sowie Spätschicht-Zuschläge von 15 Prozent schon von mittags 12:00 Uhr an. Mercedes-Chef Hubbert hatte in diesem Zusammenhang von einer "baden-württembergischen Krankheit" gesprochen.

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