DC-Krise

Reaktionen Teil 1

Foto: dpa

Update ++ Die aktuelle Arbeitszeitdiskussion und die jüngste Drohung von DC-Vorstand Jürgen Hubbert, aus Kostengründen die Produktion der C-Klasse zu verlagern, stoßen nur teilweise auf Kritik.

Während der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer eine Verlängerung der Arbeitszeiten auf 40 Stunden fordert, um die Konkurrenzfähigkeit zu sichern, kritisiert der Verband der Automobilhersteller VDA den Trend in der deutschen Industrie zur Jobverlagerung ins Ausland. "Wir widersprechen der abwegigen Vorstellung, man könnte etwa die Fertigung in Niedriglohnländer verlagern und sich in Deutschland auf die Beschäftigung von Ingenieuren in Forschung und Entwicklung konzentrieren", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Dienstag (12.7.).

Engelen-Kefer: "Kaum erträgliche Drohung"

Konkreter wird die die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer. Sie nennt die Kostensenkungspläne des Stuttgarter Autokonzerns eine "kaum erträgliche Drohung und Bedrohung". Sie bedauere es sehr, dass die Debatte durch eine so "extreme Forderung" wieder in Richtung pauschaler Verlängerung der Arbeitszeiten geführt werde, sagte sie in Berlin. Sie plädierte für flexiblere Arbeitszeiten. "Ich kann nur hoffen, dass man wieder auf den Weg der Vernunft zurückfindet", so die DGB-Vize.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich in Stuttgart für Lösungen auf betrieblicher Ebene aus. Zugleich rief er Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, den Arbeitszeit-Konflikt nicht zu ideologisieren. "Ich warne vor jeder Einseitigkeit, das bringt die Leute auf die Bäume." Jede Branche benötige unterschiedlich flexible Arbeitszeiten. Die rein
Wochenarbeitszeit-Debatte sei schädlich. Stattdessen könne beispielsweise über ganzjährige Arbeitszeitkonten geredet werden.

Der stellvertretende Fraktionschef der SPD im Bundestag, Michael Müller, sagte der "Berliner Zeitung": "Das ist ein unglaublicher Verfall des Verständnisses von Unternehmertum in Deutschland." Der Chef des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, warf Daimler-Chrysler eine "Verrohung der Sitten" vor. "Das ist Kapitalismus pur", sagte er der "Berliner Zeitung". Im "Tagesspiegel" kritisierte Hoffmann, Mercedes-Chef Jürgen Hubbert gehe es "nur um die Erhöhung des Gewinns".

Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende, Margret Mönig-Raane, sagte dem Fernsehsender n-tv: "Das Skandalierende finde ich, dass die Belegschaft so erpresst wird." Es sei nicht neu, dass Arbeitsplätze aus der Industrie abwandern. Neu sei aber die Methode, mit der Unternehmen Arbeitnehmern "die Pistole auf die Brust" setzten.

Solidarität der Daimler-Chrysler-Belegschaft

Der Betriebsrat des Bremer Daimler-Chrysler-Werks will die Belegschaften im Streit um Einsparungen in der Autoproduktion nicht auseinander dividieren lassen. "Die vom Konzernvorstand angedrohte Verlagerung der C-Klasse-Produktion von Sindelfingen nach Bremen erscheint für das Bremer Werk zwar als tolle Sache. Sie hätte mit Einkommensverlusten bis zu 700 Euro pro Monat jedoch einen hohen Preis", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Werner.

Durch eine Verlagerung wären 6.000 Arbeitsplätze im baden-württembergischen Sindelfingen bedroht, ohne dass in Bremen zusätzliche Arbeitsplätze entstünden, sagte Werner. "In diesem Punkt sind wir jedoch absolut solidarisch."

Aus Marketingsicht scheint eine Standortverlagerung sogar nach Südafrika der Marke Mercedes nicht zu schaden. Nach Einschätzung des Marketing-Experten Volker Nickel sei vor allem der gute Ruf und die Qualität ausschlaggebend. Der Produktionsstandort sei nicht der entscheidende Faktor, sagte der Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft in Berlin: "Entscheidend ist nicht Made in Germany, sondern Made by Mercedes-Benz - darum geht es."

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