Delphi

Insolvenz angemeldet

Foto: Delphi

Der Gang des größten amerikanischen Autozulieferers Delphi Corporation zum Insolvenzrichter in New York deckt auf drastische Weise erneut die enormen Probleme der US-Autoindustrie auf. Delphi folgte damit vielen mittelgroßen US-Autoteilelieferanten, darunter Federal-Mogul, Collins & Aikman, Tower Automotive, Hayes Lemmerz International und Oxford Automotive.

Delphi will seine Geschäfte zwar weiter führen und sich bis spätestens Mitte nächsten Jahres sanieren. Es könnten jedoch zahlreiche der rund 3.500 Delphi-Zulieferanten ebenfalls in die Insolvenz getrieben werden.

Ford hat gerade erst 33 Not leidende Teilewerke und Betriebe in Nordamerika von seiner ehemaligen Autoteile-Tochter Visteon zurückgenommen, um sie zu sanieren und zum größten Teil weiter zu verkaufen. General Motors war offensichtlich nicht zu den geforderten Milliardenhilfen für seine ehemalige Teile-Sparte Delphi bereit, die 1999 verselbstständigt worden war.

Die amerikanischen Autoteilelieferanten stehen unter massivem Druck von General Motors, Ford und Daimler-Chrysler und anderer Autohersteller, die günstigere Einkaufspreise verlangen. Auch die US-Autogiganten GM und Ford leiden auf dem heimischen Markt unter Milliardenverlusten. Ihre dortige Autoproduktion schrumpft, und dies bedeutet fallende Umsätze bei Delphi und anderen Zulieferern. Hinzu kommen hohe Tarifkosten und "Altlasten" in Milliardenhöhe in Form von Krankenversicherungs- und Betriebsrentenverpflichtungen.

Die US-Bediensteten von Delphi erhalten im Schnitt Gesamtleistungen von etwa 65 Dollar je Stunde, während das Unternehmen in Mexiko, China und anderen Billiglohnländern nur einen Bruchteil zahlt.

Jetzt verlangt Delphi eine Zwei-Drittel-Reduzierung seiner amerikanischen Tarifkosten, will zahlreiche US-Werke konsolidieren oder schließen und tausende seiner 50.000 US-Bediensteten nach Hause schicken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Dies ist im Rahmen des Insolvenzverfahrens einfacher als vorher. Delphi muss allerdings vorsichtig taktieren, da die US-Automobilarbeitergewerkschaft UAW mit dem Rücken zur Wand bei zu drakonischen Sparmaßnahmen streiken und damit auch die Fertigung der Autokonzerne treffen könnte.

Delphi will in dem Insolvenzverfahren seine Pensions- und Krankenversicherungslasten entweder durch Konzessionen der Mitarbeiter massiv kürzen oder auf die ehemalige Mutter GM und die staatliche US-Garantiebehörde für Betriebsrenten abwälzen. Die US-Tarifverträge bei
Delphi, General Motors, Ford und Chrysler laufen bis 2007. Deshalb kommt dem Ausgang des Delphi-Insolvenzverfahrens enorme Bedeutung zu. Delphi könnte zum Präzedenzfall für die gesamte US-Autobranche werden, da die anderen Unternehmen mit Sicherheit auf entsprechende Zugeständnisse ihrer Mitarbeiter drängen werden.

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