Design des VW Passat

Gut in Form für die nächsten Jahre

VW Passat, Klaus Bischoff, Dirk Gulde Foto: Ingolf Pompe 9 Bilder

Der neue VW Passat muss Käufern heute auf Anhieb gefallen, darf in ein paar Jahren jedoch nicht alt aussehen. Wie das geht, erklärt VW-Designchef Klaus Bischoff.

Wer sich mit Klaus Bischoff unterhält, sieht Autos anschließend mit völlig anderen Augen. Allein über den bierdeckelgroßen Bereich vor dem Außenspiegel des VW Passat kann der VW-Chefdesigner minutenlang sprechen. Die unscheinbare Region hat es nämlich in sich, wie wir erfahren, da laufen Linien aus Motorhaube, Kotflügel, Tür und A-Säule ineinander über. Schon kleinste Ungenauigkeiten in der Produktion würden das Qualitätsempfinden des Betrachters daher massiv stören.

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Spezial VW Passat VW-Designchef Klaus Bischoff
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Doch Unexaktheiten werden keine geduldet. Im Gegenteil, die präzise Fertigung erweitert vielmehr das gestalterische Repertoire des Teams um Bischoff. Schließlich müssen nirgendwo vage Rundungen kaschieren, was der Schweißroboter nicht hundertprozentig zusammenbekommt.

Eine präzise Fertigung hilft

Die beiden Kanten in der Motorhaube sind ein gutes Beispiel dieser Präzision. Nur weil VW in der Lage ist, Bleche so zu verformen, dass innen ein Nullradius entsteht, kann Bischoff der Motorhaube zwei derart scharfe Kanten verpassen.

Allerdings ist es nicht nur die Fertigungssorgfalt, die den neuen Passat deutlich edler wirken lassen soll als den Vorgänger, der in seiner Grundform als B6 und B7 immerhin zehn Jahre lang gebaut wurde. Es sind auch die Proportionen des Neuen, der etwas flacher und breiter geworden ist und einen deutlich längeren Radstand bekommen hat. Mehr Radstand bei nahezu unveränderter Außenlänge führt zu kürzeren Überhängen, die Betrachter unterbewusst mit Oberklasse-Fahrzeugen in Verbindung bringen. Genauso wie wuchtig ausgestellte Kotflügel oder große Räder.

Auch was ein Design zeitlos macht, kann Bischoff erklären, schließlich stand der Passat in den letzten Jahrzehnten nie im Verdacht, extrem modisch daherzukommen: "Das Produkt muss halten, was die Form verspricht." Wenn ein Auto groß wirkt, aber wenig Platz bietet, führt dies bei Kunden schnell zu Enttäuschung. Zudem gilt es, die Anzahl gestalterischer Elemente gering zu halten. So wie beim VW-Zeichen am Heck, das gleichzeitig als Griff für den Kofferraumdeckel und Klappmechanismus für die Rückfahrkamera dient. "Natürlich könnte man das auch getrennt machen, was vielleicht anfangs die Blicke anzieht, sich längerfristig jedoch schneller abnutzt."
Dabei ist es Bischoff wichtig, dass das Auto weltweit gut ankommt: "Bei Apple gibt es auch nur ein einziges Design für alle Kontinente." Dass VW für wichtige Absatzmärkte wie China dennoch eigene Passat-Varianten anbietet, hat weniger mit der Optik als vielmehr mit dem Nutzungsverhalten zu tun. Im Chauffeursmarkt China sitzt der Autobesitzer traditionell immer noch hinten, weshalb Radstand und Beinfreiheit die entscheidenden Größen sind.

Jede Menge Crash-Vorschriften

Völlig frei in ihrer Kreativität sind Autodesigner heute jedoch nicht mehr, dafür sorgen schon die unzähligen Crash-Vorschriften aus aller Welt. Beispiel Fußgängerschutz: "Da kommt dann ein Prüfer und hält seine Schablone an den Kotflügel, und wehe, sie berührt zuerst die untere Kante." Falls das passiert, muss eine ganz andere Aufhängung für die Motorhaube her, die dann längst nicht mehr so flach verlaufen könnte wie die des Passat.

Womit wir übrigens wieder beim Bereich vor den Außenspiegeln angekommen wären, wo schon die ganzen Linien zusammenlaufen. Die Region hat es tatsächlich in sich. Ob das die zukünftigen Passat-Besitzer auch zu würdigen wissen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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