Die neue GVO

Die Reaktionen

Nach dem Beschluss der EU-Kommission zur GVO-Änderung nehmen die großen Autobauer und Verbände Stellung.

Daimler-Chrysler sieht nach der Brüsseler Entscheidung für die Liberalisierung des Autohandels in der EU aktuell keinen Bedarf, seine Vertriebsstrategie anzupassen. Man sei überzeugt, auch unter den geänderten Rahmenbedingungen mit den Marken des deutsch-amerikanischen Autokonzerns die Kunden in gewohnter Qualität bedienen und erfolgreich im Wettbewerb agieren zu können, sagte ein Sprecher der Daimler-Chrysler AG am Mittwoch (17.7.) in Stuttgart. Die Neuregelung hebt die strikte Markenbindung der Autohändler auf und soll grenzüberschreitenden Handel mit Neuwagen erleichtern.

Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert (Foto) hatte allerdings im Februar die Vorschläge von EU-Kommissar Mario Monti hanebüchen und als eine Diskriminierung westeuropäischer Hersteller zu Gunsten exotischer Marken genannt. „Diese Pläne machen das Autofahren eher teurer und nicht billiger“, sagte Hubbert damals. Vor allem befürchte er den Wegfall mittelständischer Betriebe.

BMW-Sprecher Michael Rebstock sagte, „wir betrachten dieses neue Regelwerk als Herausforderung dafür, dass wir auch künftig flächendeckend unsere Kunden sehr gut versorgen wollen“. Der selbstständige Händler sei nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt des Vertriebs. „Unsere geringen Preisdifferenzen innerhalb der EU machen die jetzt möglich werdenden Geschäfte nicht attraktiv“.

Der Wolfsburger VW-Konzern hat gelassen auf die neuen EU-Vorgaben reagiert. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen sei gut vorbereitet und setze unverändert auf das bewährte System des Vertragshandels. Die von der EU-Kommission beschlossene Neuregelung der so genannten Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) hebt die strikte Markenbindung der Autohändler auf und soll grenzüberschreitenden Handel mit Neuwagen erleichtern.

Der Einzelhandel hat eine Liberalisierung des Autohandels im Zuge der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung der EU-Kommission begrüßt. Die Liberalisierung sei dringend notwendig und sorge für mehr Wettbewerb, erklärte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Mittwoch in Berlin. Mit dem Brüsseler Beschluss sei nun auch der Verkauf von Autos in normalen Einzelhandelsgeschäften grundsätzlich möglich. „Es gibt keine vernünftigen Argumente, die gegen den Autoverkauf in Einzelhandelsgeschäften sprechen“, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

Der Verband der Automobilindustrie hat die von der EU-Kommission beschlossene Neuregelung des Autovertriebs als unklar kritisiert. „Wir hätten uns im Beschluss aus Brüssel eine klarere Regelung der Markenexklusivität gewünscht“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, in Frankfurt.

Zwar habe es Verbesserungen früherer Entwürfe gegeben, wichtige Vorschläge seien aber nicht ausreichend berücksichtigt worden. Dies gelte vor allem für die Standortbindung der Händler, die im Oktober 2005 wegfallen soll, und den beschlossenen Mehrmarkenhandel. Kunden bevorzugten eindeutig exklusive Vertriebs- und Kundendienstkonzepte, erklärte Gottschalk. Er widersprach der Erwartung der EU-Kommission, dass es durch die neuen Regeln zu sinkenden Autopreisen kommen werde.

Auch nach Ansicht der IG Metall zeichnet sich ein Trend zu Preiserhöhungen in den Ländern ab, in denen Autos bisher vergleichsweise günstig angeboten wurden. Den Verbrauchern bringe die Neuordnung keine Vorteile, sie gefährde aber tausende von Arbeitsplätzen im Kfz-Gewerbe, meinte IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode.

Der Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes Rolf Leuchtenberger sagte in Bonn, mit der Neuordnung werde der Konzentrationsprozess im Kfz-Gewerbe beschleunigt. Für viele Europäer werde der Autokauf zukünftig teurer. Auch in den Werkstätten seien keine signifikanten Preissenkungen zu erwarten. Das Regelwerk biete Chancen und Perspektiven, allerdings nicht für alle der heute 45.800 Betriebe mit 514.000 Beschäftigten.

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