Highspeed-Rekord: Die schnellsten Autos der Welt

Das Ziel sind 300 Meilen pro Stunde

Koenigsegg Agera RS Koenigsegg Agera RS 03/2014 Hennessey Venom GT Rekordfahrt Bugatti Veyron Super Sport Scottsdale Auctions Week 21 Bilder

482,8 km/h: Für normalsterbliche Autofahrer scheint diese Marke extrem weit entfernt zu sein. Glaubt man den US-Herstellern SSC und Hennessey, steht der Durchbruch dieser Schallmauer kurz bevor. Und auch Koenigsegg mischt bei der Rekordjagd mit.

Für uns im metrischen System verhaftete Europäer ist die Zielmarke schwer greifbar: 300 Meilen pro Stunde (mph), das klingt gar nicht nach viel. Ist es aber, wenn man das Ganze in Kilometer pro Stunde umrechnet: 482,8 km/h – das hat noch kein Serienauto geschafft. Seit knapp einem Jahr hält Koenigsegg die Bestmarke für das weltweit schnellste straßenzugelassene Auto. 457,2 km/h bzw. 277,9 mph schaffte der 1.176 PS starke Agera RS am 4. November 2017 auf einem abgesperrten Highway im US-Bundesstaat Nevada – beim offiziellen Rekord. In der absoluten Spitze fuhr er gar 457,9 km/h schnell. Anscheinend eine Schmach für zwei amerikanische Highspeed-Fetischisten, denen Topspeed-Rekordwerte derart wichtig sind, dass sie diese unbedingt von einer US-Firma errungen sehen wollen.

300 mph sind nur die Basis

Eine dieser 300-mph-Jäger ist Hennessey. Firmenchef John Hennessey hat seinen neuen Venom F5 dazu auserkoren, die Krone nach Texas zurückzuholen. Denn frühere Venom-Versionen fuhren bereits schneller als alle anderen. Klar ist, dass für das Vorhaben schiere Motor-Power nötig ist. Im Fall des Venom F5 soll diese ein 7,6-Liter-Twinturbo-V8 gewährleisten. Das 1.622-PS-Kraftwerk steckt nicht mehr in einem Lotus-Chassis, wie sie ältere Venom-Generationen nutzten, sondern in einer Eigenkonstruktion. Zudem soll der F5 windschnittiger geworden sein, schließlich strebt John Hennessey nach Höherem: „300 Meilen pro Stunde sind nur so etwas wie die Grundlinie. Das Ziel ist, so schnell zu fahren wie wir können“, sagte der Texaner den britischen Kollegen von „Top Gear“.

Jarod Shelby, der Chef von SSC North America, strebt Ähnliches an. Er hält seine Firma, die früher als Shelby Supercars bekannt war, am besten für dieses Vorhaben gerüstet. Nicht nur, weil der Motor des für die Rekordfahrt vorgesehenen Tuatara, ein Twin-Turbo-V8 mit 5,9 Liter Hubraum, stärker ist als der des Hennessey Venom F5. 1.774 PS leistet das Aggregat, zumindest dann, wenn es mit E85-Ethanol-Kraftstoff gefüttert wird. Das Hypercar soll auch etwas leichter (1.247 statt knapp 1.400 Kilogramm) und aerodynamisch effizienter (cW-Wert von 0,28 statt unter 0,4) sein als der texanische Konkurrent.

Hennessey will über 2.000 PS herauskitzeln

Außerdem könnte SSC etwas früher dran sein als Hennessey. Im Mai 2019 sollen die ersten Autos fertig sein, dann könnte es zum prestigeträchtigen Angriff auf die 300-mph-Marke kommen. Hennessey sieht sich erst gegen Ende des nächsten Jahres bereit für das Vorhaben. Allerdings wollen die Texaner bis dahin noch einmal kräftig an der Leistungsschraube drehen. Laut John Hennessey lief sein Motor auf dem Prüfstand bereits mit mehr als 2.028 PS. „Wir werden diese Leitung nicht an die Kunden ausliefern. Aber wir werden so viel aus dem Motor herausholen, wie wir brauchen, um 300 mph zu erreichen“, sagt er im Top-Gear-Interview.

Koenigsegg Agera RS Foto: Koenigsegg
Koenigsegg Agera RS: mit 277,9 mph (457,2 km/h) das derzeit schnellste Serienauto der Welt.

Natürlich muss man den vollmundigen Ankündigungen der Amerikaner mit einer gesunden Skepsis begegnen. Dennoch scheinen sie deutlich konsequenter auf dieses Ziel hinzuarbeiten als die Europäer. Was kaum verwundert. Koenigsegg zum Beispiel kann sich das Highspeed-Treiben auf der anderen Seite des Atlantiks zwar interessiert, aber mit der nötigen Gelassenheit anschauen. Die Schweden halten ja den aktuellen Rekord, die anderen sind unter Zugzwang. Doch sobald sich Hennessey oder SSC in die Nähe der 300-mph-Marke begeben, will auch Koenigsegg bereitstehen. Gründer Christian von Koenigsegg hält den Agera RS bereits für fähig, das zu schaffen. „Wir können 300 mph erreichen, dafür brauchen wir nur höhere Drehzahlen und ein länger übersetztes Getriebe“, sagte er dem Magazin „The Drive“. Allerdings fürchtet er die unkontrollierbaren Aspekte eines solchen Vorhabens, Dinge wie Wind, Tiere, Bodenwellen. „Es ist machbar, aber nicht unser vorrangiges Ziel.“

Temperatur-Stress für die Reifen

Ein anderer limitierender Faktor sind die Reifen. Michelin scheint bisher als einziger Hersteller in der Lage zu sein, die passenden Gummis für derlei Geschwindigkeitsrekorde backen zu können. Aber auch die Franzosen haben so ihre Bedenken, was die 300-mph-Marke angeht. Alles steht und fällt damit, wie lange ein Auto braucht, um diesen Speed zu erreichen: „Falls das Auto zwar schnell 270 Meilen pro Stunde erreicht, aber weitere fünf Minuten bis 300 braucht, dann wird es nicht funktionieren“, sagt Michelin-Produktmanager Eric Schmedding im Gespräch mit „The Drive“. Das Problem: Je länger ein Reifen bei diesem Speed rotiert, desto heißer wird er. Das bedeutet extremen Stress für den Pneu – mit bislang unabsehbaren Folgen.

John Hennessey glaubt allerdings, das Reifenthema im Griff zu haben. Sein Auto sei schließlich leicht und windschlüpfrig genug. Überhaupt hält er das Thema Aerodynamik für das wichtigste beim 300-mph-Unterfangen. Andere wie Ex-Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer halten die Motorleistung für entscheidend. „Um 450 km/h zu erreichen, musst du mindestens 1.500 PS haben, sonst wirst du es nicht schaffen“, wurde er einst zitiert.

Bugatti Chiron Fahrbericht
Der Tacho reicht bis 500 km/h

Bugatti hält sich raus

Der Bugatti Chiron hat 1.500 PS, theoretisch müsste er also zu dieser Geschwindigkeit in der Lage sein. Der Luxushersteller aus dem VW-Konzernuniversum beteiligte sich früher rege an allen möglichen Rekordjagden. Der Veyron Super Sport hielt eine Zeitlang mit 268 mph (431 km/h) das Zepter des weltweiten Tempokönigs, bis er vom Hennessey Venom GT abgelöst wurde. Noch vor einem Jahr trieb Ex-Formel-1-Pilot Juan-Pablo Montoya den Chiron in knapp 42 Sekunden von Null auf 400 km/h und zurück zum Stillstand – eine Bestmarke, die nun ebenfalls der Koenigsegg Agera RS (36,44 Sekunden) hält. Aber statt vom Verlust der Bestmarken angestachelt zu werden, sieht sich Bugatti die Tempobolzerei der Amerikaner und Schweden lieber aus der Ferne an. Ein Angriff auf die Topspeed-Krone steht derzeit nicht auf der Agenda. Dürheimers Nachfolger, der aktuelle Bugatti-Chef Stephan Winkelmann, setzt derzeit andere Prioritäten. Eine naheliegende Interpretation ist aber auch, dass die Bugatti-Leute den Chiron in seiner jetzigen Ausprägung für nicht schnell genug halten, um sich wieder an die Spitze der Bestenlisten zu setzen. Also lassen sie es ganz sein. Die offiziell angegebenen, elektronisch abgeregelten 261 mph (420 km/h) scheint der Bugatti-Klientel ja auch zu reichen – das Auto gilt als ausverkauft.

Also toben sich Hennessey und SSC derzeit alleine aus, Koenigsegg begnügt sich vorerst mit der Beobachterrolle. Ob der demonstrativ zur Schau gestellte Optimismus der Amerikaner die Schweden tatsächlich beunruhigen muss und Bugatti doch noch mal ins Rennen um den Topspeed-Rekord einsteigt, wird sich in Zukunft zeigen. Spannend wird die Jagd nach dem 300-Meilen-pro-Stunde Ziel auf jeden Fall – auch für die Anhänger des metrischen Systems.

Top 12 Schnellste Serienautos der Welt

Platz

Modell

Topspeed in mph

Topspeed in km/h

1

Koenigsegg Agera RS

277,9

457,2

2

Hennessey Venom GT

270,4

435

3

Bugatti Veyron Super Sport

268

431

4

Hennessey Venom GT Spyder

265,6

427,4

5

Bugatti Chiron

261

420

6

SSC Ultimate Aero

256

412

7

Bugatti Veyron EB 16.4

253,8

408

8

Saleen S7 Twin Turbo

248

399

9

Koenigsegg CCR

242

389

10

McLaren F1

241

388

11

Pagani Huayra BC

238

383

12

Zenvo TS1

233

375

Neues Heft
Top Aktuell Toyota Corolla Limousine (2018) Toyota Corolla Limousine (2019) Überall verbessert
Beliebte Artikel Infiniti Q Inspiration Infiniti Q Inspiration (2018) Das ist die neue Luxuslimousine Airbag, Crashtest, Adaptive Prallkissen Takata-Airbag-Rückruf Mazda ruft 1,6 Mio. Autos zurück
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu