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E10-Verträglichkeit

Experte fordert Garantieschein

Der Biosprit E10 hat nach Meinung des Verbraucherschützers Holger Krawinkel nur noch eine Chance, wenn die Autohersteller auch langfristig die Haftung für mögliche Schäden übernehmen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa betont der Energie- und Verkehrsexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, das Beispiel E10 zeige, wie die Politik von Lobbyinteressen zerrieben werde.

Herr Krawinkel, die Strategie bei E10 scheint zu sein "Augen zu und durch". Meinen Sie, der Biosprit hat überhaupt noch eine Chance, sich beim Verbraucher durchzusetzen?

Krawinkel: Es kommt darauf an, ob es gelingt, insbesondere die Autoindustrie davon zu überzeugen, verbindliche Garantien abzugeben, damit das Kraftfahrt-Bundesamt alle Fahrzeughalter, die E10 ohne Probleme nutzen können, informieren kann. Das Schreiben müsste eine Art Garantieschein darstellen, auch für Schäden, die erst in fünf, sechs Jahren auftreten können.

Aber die Hersteller wehren sich dagegen, bei Schäden zu haften, die langfristig durch E10 auftauchen könnten...
 
Krawinkel: Wenn diese langfristigen Schäden, von denen keiner weiß, ob sie wirklich entstehen, nicht abgedeckt werden, wird es keine Akzeptanz geben. Sonst sagen viele Verbraucher, das ist mir zu teuer, wenn nach fünf, sechs Jahren der Motor kaputt geht. Dann tanken sie lieber kein E10. Umgekehrt ist es für die Industrie auch schwierig, aber sie hatte nach der Pleite bei der ersten versuchten E10-Einführung zweieinhalb Jahre Zeit, Tests durchzuführen.
 
Man hat den Eindruck, das Kind ist nun in den Brunnen gefallen.
Wenn es keine Garantien seitens der Autohersteller gibt, welche Restlaufzeit geben Sie E10 dann?
 
Krawinkel: Naja, die Restlaufzeit läuft ja schon. Es gibt quasi schon einen Verbraucherboykott. Das wird sich dann nicht ändern und dann wird die Mineralölindustrie reagieren müssen, auch um Schadensbegrenzung zu betreiben. Es darf aber in keinem Fall sein, dass der Verbraucher bei möglichen Strafzahlungen die Zeche zahlt.
 
Hat die Politik bei E10 versagt, weil sie sich zu sehr von der Autoindustrie austricksen ließ?
 
Krawinkel: Es gab ja zunächst auf EU-Ebene den Plan, den CO2-Ausstoß bei den Autoflotten auf 120 Gramm je Kilometer zu begrenzen. Die deutsche Bundesregierung hat dies aufgeweicht, 130 Gramm CO2 je Kilometer war dann die Maßgabe. Die fehlenden zehn Gramm sollten durch Biosprit erreicht werden. Wenn sich die Regierung in dieser Situation nicht verlässliche Zusagen der Industrie geben ließ, dass Motoren E10 auch vertragen, dann liegt hier ein schwerer handwerklicher Fehler der Politik vor.
 
Bringt E10 überhaupt etwas für das Klima?
 
Krawinkel: Wenn man sich mal die Kosten ansieht, gibt es eine Fraunhofer-Studie, die rechnet mit CO2-Vermeidungskosten von bis zu 170 Euro je Tonne CO2 durch Agrosprit, das ist zehn Mal so viel wie der aktuelle Marktpreis. Da muss man sich auch vor dem Hintergrund der Photovoltaik-Förderung schon fragen, warum setzt die Regierung immer auf die teuersten CO2-Vermeidungsstrategien? Dass so etwas zu wenig Akzeptanz findet, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ist E10 ein Lehrbeispiel für ein Zerriebenwerden der Politik zwischen unterschiedlichen Lobbyinteressen?
 
Krawinkel: Politisch ist es wahnsinnig interessant, was bei E10 passiert. Die Politik konnte sich erst nicht gegenüber der Industrie durchsetzen und ist von der Altlobby eingeknickt. Auf der anderen Seite macht sie sich aber auch abhängig von der neuen Lobby, die ihre Produkte mit staatlichen Subventionen auf den Markt bringen wollen.
Offensichtlich werden Umweltminister Röttgen und Verbraucherschutzministerin Aigner nun von der Agrarlobby gedrängt, keineswegs auf E10 zu verzichten, weil hier eine Menge investiert worden ist. Die Politik wird in diesem Fall also von den alten wie den neuen Lobbys getrieben.

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