Ehemalige Aktionäre verklagen Daimler-Chrysler

Daimler-Chrysler wird im Zusammenhang mit dem Rücktritt des früheren Vorstandchefs Jürgen Schrempp von zwei ehemaligen Aktionären wegen entgangener Kursgewinne auf Schadensersatz verklagt.

Die Kläger werfen dem Autobauer vor, den Rückzug Schrempps zu spät offiziell bekannt gegeben zu haben. Die beiden Klagen werden am 25. Januar vor dem Amtsgericht und Landgericht Stuttgart verhandelt, teilten die Kanzleien CLLB und Rotter am Mittwoch (11.1.) in München mit. Ein Sprecher von Daimler-Chrysler erklärte dazu in Stuttgart: "Wir werden uns gegen die Vorwürfe verteidigen."

Die beiden auf Kapitalmarktfälle spezialisierten Kanzleien betonten, dass sie mit den zivilrechtlichen Klagen juristisches Neuland betreten. Erst Gesetzesänderungen in den vergangenen Jahren hätten Klagen gegen Aktiengesellschaften wegen verletzter Veröffentlichungspflichten möglich gemacht.

Die Daimler-Chrysler-Aktie war nach der Bekanntgabe des Schrempp-Rücktritts am 28. Juli um bis zu rund elf Prozent gestiegen. Bereits vor der offiziellen Mitteilung des Konzerns hatte es jedoch Agenturberichte über den bevorstehenden Rücktritt Schrempps gegeben. Gegen Daimler-Chrysler wird geprüft, weil der Konzern möglicherweise Veröffentlichungspflichten verletzt haben könnte.

Schadensersatzansprüche von 3500 und 6000 Euro gefordert

Der von der Kanzlei Rotter vertretene Aktionär, der rund eine halbe Stunde vor der Bekanntgabe des Schrempp-Rückzugs seine Aktien verkaufte, verklage Daimler-Chrysler auf Schadensersatz von rund 6000 Euro, sagte Rechtsanwältin Annette Roider. Falls die Klage erfolgreich sei, habe Rotter derzeit weitere 13 ehemalige Aktionäre, die Daimler-Chrysler auf Schadensersatz verklagen wollen.

Der von CLLB vertretene Aktionär macht nach Angaben seines Rechtsanwalts Franz Braun rund 3500 Euro geltend. Da der Anspruch unter 5000 Euro liegt, werde die Klage vor dem Amtsgericht Stuttgart verhandelt. Braun rechnet nicht mit einer Entscheidung des Gerichts am 25. Januar. Seiner Einschätzung nach haben alle Aktionäre, die ihre Anteile in dem Monat vor dem Rücktritt Schrempps verkauft haben, möglicherweise Anspruch auf Schadensersatz.

Roider ergänzte, dass der Schadensersatz-Anspruch möglicherweise noch weiter zurückreicht, falls sich im Zuge der Ermittlungsverfahren herausstellen sollte, dass der Rücktritt Schrempps schon vorher geplant war.

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