Erste Testfahrt Mercedes AMG GT

Unterwegs im V8-Supersportler

10/2014 Mercedes AMG GT Mitfahrt Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Im Frühjahr 2015 kommt der neue Mercedes AMG GT. Wir machen, was alle wollen: Fahren. Ans Steuer lässt uns AMG noch nicht, aber in dem neuen V8-Sportler sitzt man auch auf dem Beifahrersitz in der ersten Reihe – quasi mittendrin statt nur dabei.


Wenn AMG zu einer ausgiebigen Testrunde mit dem zukünftigen Top-Dynamiker GT bittet, sollte man die eigene dynamische Regelschwelle etwas anheben. Nach dem vergleichsweise exklusiven SLS sticht die Sportwagenmarke mit dem AMG GT ab Frühjahr 2015 in ein scharf umkämpftes Feld. Dort lauern etwa Porsche 911 (Turbo) und Jaguar F-Type R.


Mercedes AMG GT
Der Mercedes AMG GT in Bewegung 2:25 Min.

Biturbo-V8 kennt keinen Turbohammer

Auch wenn der nagelneue Mercedes AMG GT im wesentlichen das famose, bocksteife Aluminium-Chassis des inzwischen eingestellten SLS aufträgt, so pflegt nicht nur wegen der großen Heckklappe seinen ganz eigenen Charakter. Unter anderem durch die fünf Zentimeter Radstand, die sie ihm zwischen Vorderachse und A-Säule wegschnippelten. Dort wohnt statt des 6,2-Liter-Bigblock ein Vierliter-V8 mit Biturbo-Aufladung. "Zuerst fürchteten wir noch gähnende Leere im Motorraum, inzwischen ist er aber proppevoll", sagt AMG-Boss Tobias Moers. Was unter anderem an der aufwendigen Kühlung des zum Start bis zu 510 PS starken V8-Biturbo liegt. Die Luft wird zuerst über den Motor und dann vor der Spritzwand zur Passagierkabine nach unten geleitet, damit dem schuftenden Powerblock selbst unter kritischen Bedingungen kein Hitzschlag droht. Trotzdem Angst vorm Downsizing? I wo: der Biturbo-V8 klingt nicht nur wummerig und rotzig wie ein fetter Saugmotor, sondern entwickelt seine Leistung auch ähnlich linear. Er hält sich nicht lange mit Turbolochen auf, sondern pumpt gleich Druck an die Hinterachse. Aber: Die Zeit des schwer kontrollierbaren Turbohammers ist vorbei, meint Moers, feine Dosierbarkeit ist mindestens so wichtig wie schiere Power. Nicht zu vergessen die perfekte Chassiskontrolle. Hier bietet die GTS-Variante des Neuen eine Kombination aus Verstelldämpfern, elektronisch gesteuertem mechanischem Sperrdifferenzial sowie vier separat geregelten und gesteuerten Motorlagern.

Mercedes AMG GT verspricht Komfort und Alltagstauglichkeit

Letztere kontrollieren die Bewegungen des Aggregates und präzisieren damit das Fahrverhalten des 1,5-Tonners. Dazu passt, wie die nur moderat progressiv verzahnte hydraulische Lenkung mit konstanter Servounterstützung feine Rückmeldung bietet. Wie bisher kümmert sich die Transaxle-Bauweise mit dem modifizierten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an der Hinterachse um ausgewogene Gewichtsverteilung mit etwa 53 Prozent hinten. Kein schlechter Plan, wenn es gegen allradkompetente Gegner wie der Porsche Turbo geht, der seine Hinterräder sogar mitlenkt.

Der Mercedes AMG GT bietet überraschend guten Federungskomfort sowie hohe Alltagstauglichkeit, soll aber je nach gewähltem Fahrmodus auch unerbittliche Sportlichkeit bieten. Zum Beweis zieht mein Fahrer nach der entspannten Passage auf einer zerrütteten Schlechtwegpiste einen astreinen Hochgeschwindigkeitsdrift – untermalt vom zornigen Achtzylinderschnauben aus dem geöffneten Klappenauspuff. Spätestens jetzt bringen wir noch mal den eingangs formulierten Wunsch aller an. Keine Chance. Aber es ist nicht mehr lang bis zur ersten Fahrt am Steuer des neuen schwäbischen Bollerwagens – und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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