Essen Motor Show

Tuner haben es schwer

Foto: Essen Motor Show

Auto-Veredler haben es derzeit nicht leicht. Ein Grund dafür ist die Modellpolitik der großen Autobauer: "Weil die Hersteller immer neue Modelle in verschiedenen Nischenbringen, müssen auch die Tuner immer mehr in den Nischen aktiv werden", sagt Michael Lauer von Verband Deutscher Automobil Tuner (VDAT) in Düsseldorf.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Konzerne den Tunern in Sachen Ideenreichtum bei der optischen Aufwertung ihrer Produkte kaum mehr nachstehen.

Die Hersteller treibt seit einiger Zeit der Drang, selbst kleinste Marktnische zu besetzten. Mit der Folge, dass die Industrie längst selbst das Tuning als Nische erkannt hat: "Die Industrie hat Grenzen überschritten, die man früher nicht überschritten hat", erklärt Harald Schmidtke vom Zubehör-Anbieter Zender in Mülheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz). Als Beispiel nennt er die besonders sportlichen AMG-Versionen von Mercedes, die M-Modelle von BMW oder auch die kürzlich gezeigte Studie des kommenden VW Golf GTI.

Diese Modelle haben all das ab Werk, was früher erst von Tuner-Hand möglich war: Leistungsstarke Motoren sowie sportlich wirkende Karosserieanbauteile. Für die Veredler besteht laut Schmidtke die Aufgabe nun darin, beim Thema sportliches Design wieder die Führung zu übernehmen und der Serie einige Jahre voraus zu sein.

Der Heckspoiler ist zurück

Die stärkere Verbreitung der ab Werk getunten Fahrzeuge hat nahezu unbemerkt die Wiederkehr eines lang verschmähten Anbauteils eingeläutet: Der Heckspoiler ist zurück, meist als recht dezente Variante. "Der Einsatz des Heckspoilers in Großserienmodellen hat dazu geführt, dass er nicht mehr als exotisch angesehen wird", so Lauer.

Die Kundschaft verlangt bei Anbauteilen für die Karosserien wieder etwas mehr Auffälligkeit - jedenfalls in den mittleren Preisklassen der Fahrzeuge. "Bei VW- und Audi-Fahrzeugen geht es eindeutig in Richtung auffälligerer Formen", sagt Harald Schmidtke von Zender. "Der Kunde ist stärker bereit, zum Beispiel in Stoßfänger zu investieren, die deutlich sportiv und modern wirken."

In den gehobenen Fahrzeugklassen mag man es dagegen oft ebenso dezent wie wirkungsvoll. So wie beim Mercedes-Veredler Brabus in Bottrop: "Die Kunden wollen, dass der Wagen sportlich und bullig dasteht", sagt Sprecherin Angela Müther. Gleichzeitig solle aber nicht auf den ersten Blick zu erkennen sein, dass die eindrucksvolle Erscheinung vom Tuner geschaffen wurde.

Auch bei den Rädern zeigt sich der Einfluss der Hersteller. Denn in Sachen Zubehör-Rad lautet derzeit das Motto: "Alles unter 18 Zoll ist langweilig", so Philip Blau von Oettinger in Friedrichsdorf. Denn was kleiner ist, gibt es in der Regel eben serienmäßig oder zumindest in der Aufpreisliste der Hersteller.

Nach oben sind 18 Zoll beim Durchmesser der Felge längst nicht die Grenze. Es geht weiter in Richtung jenseits von 20 Zoll. Unbegrenztes Wachstum ist jedoch nicht erstrebenswert. Michael Lauer hält 22 Zoll für eine noch praxistaugliche Obergrenze. Darüber sorgt die schicke Optik für weniger angenehmes Fahren. "Je größer das Rad und je dünner beziehungsweise flacher der Reifen, desto unkomfortabler wird es", so Markus Bäcker, Sprecher des Opel-Tuners Irmscher in Remshalden bei
Stuttgart.

Große Räder bieten großes Geschäft

Für Autoveredler sind Räder-Reifen-Kombinationen traditionell der größte Teil des Geschäfts. Laut Michael Lauer liegt der Anteil der Räder an den Tuning-Maßnahmen derzeit bei 28 Prozent. Das Interesse an der Steigerung der Motorleistung ist vergleichsweise gering: Laut VDAT lag der Anteil im Jahr 2002 bei zwölf Prozent. Allerdings hat sich in diesem Bereich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Während einst fast ausschließlich Benzinern zusätzliche Pferdestärken entlockt wurden, wollen nun auch viele Dieselfahrer mehr Leistung.

Das Aufpäppeln des Autos macht vor dem Innenraum nicht halt. Was hier getan wird, hängt zum einen von der Fahrzeuggattung ab, zum anderen ändert sich der Zeitgeist. So stellt Mercedes-Spezialist Brabus Unterschiede fest zwischen den Vorlieben der S-Klasse-Besitzer und denen der Eigner eines SL-Roadsters. "Es wird allgemein viel mit Leder im Innenraum gemacht", sagt Angela Müther. "Bei einem SL wird dabei schon einmal mit außergewöhnlichen Farben gearbeitet. Bei der S-Klasse ist eher Schlichtes wie cremefarbenes Leder gefragt."

Bei der Verschönerung der Innenräume preiswerterer Autos ist wiederum die über viele Jahre so beliebte Verzierung mit Holzblenden nicht mehr ohne Konkurrenz. "In letzter Zeit sind auch sportliche Oberflächen wie Carbon, Kevlar oder Metalloptik gefragt", sagt Markus Bäcker von Irmscher. Ganz neu dabei sei außerdem Steinernes - wie ein Schaltknauf mit Granitoberfläche.

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