EU-Verkehrsplan

Brüssel sorgt für Streit

DB-Autozug Foto: Motor Klassik

Im Kampf gegen klimaschädliche Treibhausgase setzt Brüssel auf eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf Schienen- und Wasserwege. Bis Mitte des Jahrhunderts soll der Kohlendioxid-Ausstoß des Verkehrs um 60 Prozent sinken, teilte die EU-Kommission am Montag (28.3.) in Brüssel mit. Dafür fallen Kosten in Billionenhöhe an.

"Wir sind überzeugt, dass wir dieses ambitionierte Ziel erreichen können", sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas bei der Vorstellung einer bis 2050 reichenden Mobilitätsstrategie. Sowohl Vertreter der Automobilbranche als auch Umweltschützer kritisieren die Pläne.

Ausbau von Schienen- und Wasserwegen

Die EU-Behörde setzt mehrere Ziele, die bis 2050 erreicht werden sollen. In Innenstädten sollen 2050 keine klassischen Benzin- oder Dieselautos mehr fahren dürfen. Die Hälfte des Personen- und Güterverkehrs auf Mittelstrecken soll von der Straße auf Züge und Schiffe verlagert werden. Schiffe sollen umweltfreundlicher werden und 40 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Der Flugverkehr soll in den kommenden vier Jahrzehnten auf einen Anteil von Bio-Kraftstoffen von zwei Fünfteln kommen.
 
Kallas forderte stärkere Investitionen, insbesondere in die Eisenbahn. Insgesamt rechnet er mit hohen Kosten für die gesamten Pläne von rund 1,5 Billionen Euro.
 
Die europäischen Verkehrsminister diskutieren an diesem Donnerstag in Brüssel erstmals über die Vorschläge. Deutschland habe noch keine abgeschlossene Bewertung, sagten Diplomaten. Die Kommission sei ambitionierter als die meisten Mitgliedstaaten.
 
Umweltschützer kritisierten das Vorhaben von Kallas. Die Brüsseler Interessengruppe "Transport und Umwelt" bezeichnete das 60-Prozent-Ziel als "pure Fantasie". Die Grünen im EU-Parlament erklärten, künftige Generationen sollten offensichtlich die "Zeche des Verkehrsrausches" zahlen. "Wir fordern die Kommission im Interesse der Bürger und des Klimas deshalb auf, mehr Rückgrat zu beweisen."
 
Der Verband europäischer Automobilhersteller ACEA wandte ein, der Schienenverkehr könne den Straßen-Transport nicht ersetzen. "Straßengüterverkehr spielt eine Hauptrolle, man darf ihm nicht mit Zwangsmaßnahmen begegnen", erklärte der Generalsekretär des Verbandes, Ivan Hodac.

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