Ex-Fiat-Chef Morchio

"Wollte Werk vollenden"

Foto: Fiat

Nach tagelangen Spekulationen hat der ehemalige Fiat-Vorstandschef Giuseppe Morchio erstmals die Gründe für seinen überraschenden Rücktritt erklärt.

Den Vorwurf, er habe zu viel Macht gewollt und nach dem Tod von Umberto Angelli auf die Doppelrolle als Präsident und Vorstandschef gehofft, wies der Manager zurück: "Ich habe keinen Moment lang daran gedacht, die Familie Agnelli zu ersetzen. Stattdessen wollte ich nur das Werk vollenden, für das ich nach Turin berufen wurde und dann die Konzernführung wieder abgeben", zitierte die Zeitung "La Repubblica" Morchio am Donnerstag (3.6.).

Der gewiefte Sanierer, der im vergangenen Jahr einen neuen Sanierungsplan für das angeschlagene Unternehmen ausgearbeitet hatte, war am Sonntag nach der Ernennung Luca Cordero di Montezemolos zum neuen Fiat-Präsidenten völlig unerwartet von seinem Amt
zurückgetreten.

Morchio über Montezemolo: "Medienwirksame Präsidentschaft"

Der Plan, der das Kerngeschäft mit Autos wieder in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie stellt, hatte in den letzten Bilanzen bereits äußerst positive Ergebnisse gebracht. "Ich bin nominiert worden, um Fiat zu sanieren und wieder auf Kurs zu bringen. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Chirurg im Operationssaal und glaubte, dort bis zum Ende des Eingriffs zu bleiben. Nur zwei, drei Jahre und ich hätte ganz Fiat wieder in die Hände der Familie Agnelli gelegt."

Die Wahl des Ferrari-Chefs zum neuen Fiat-Oberhaupt bezeichnete Morchio als "medienwirksame Präsidentschaft eines Managers, während Fiat einen starken Konzern-Chef braucht". Montezemolo und Morchio "wären ein schlecht zusammengewürfeltes Paar gewesen", sagte der frühere Pirelli-Manager. Am Dienstag war der italienisch-kanadische Industrie-Manager Sergio Marchionne zum neuen Vorstandschef des Turiner Traditionsunternehmens ernannt worden.

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