Experte

Autobauern drohen weitere Einschnitte

Foto: dpa

Internationalen Autoherstellern drohen nach Absatzrückgängen und Produktionsdrosselungen laut Experten in den nächsten Monaten weitere tiefe Einschnitte.

"Aus heutiger Sicht ist es möglich, dass 2009 einzelne Produktionswerke geschlossen werden müssen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass der eine oder andere schwächere Hersteller in der Kette in Existenznot gerät", sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft Geislingen, Willi Diez, am Donnerstag (9.10.) in einem Gespräch mit der dpa. "Ursache für die Probleme der Automobilindustrie ist nicht die Finanzkrise, sie verschärft sie aber."

Zu kämpfen hätten die Hersteller vor allem mit einem raschen Wandel des Marktes - wegen der Klimaschutzdebatte und steigender Spritpreise kaufen die Kunden lieber kleinere Autos. "Es geht weg vom großen Geländewagen, hin zum Kleinwagen." In Europa halte außerdem die Debatte über CO2-Grenzwerte und CO2-Besteuerung die Kunden davon ab, neue Autos zu kaufen. "Eine einheitliche europäische Regelung würde viel Unsicherheit vom Markt nehmen."

Ein milliardenschweres Hilfspaket für den Bau umweltfreundlicherer Modelle nach dem Vorbild der USA lehnt Diez aber ab. "Ich denke, das ist der falsche Weg. Wenn man mit dem Subventionieren einmal anfängt, ist es sehr schwer, wieder rauszukommen." Beispiele dafür seien etwa die Landwirtschaft und der Bergbau.

Die Finanzkrise habe die Probleme der Autobranche weiter verschärft. "Die Banken halten sich mit der Finanzierung von
Fahrzeugen zunehmend zurück", sagte Diez. Außerdem sei vielen Kunden die Lust vergangen, neue Autos zu kaufen. "Wer Angst um sein Sparbuch hat, der wird nicht ins nächste Autohaus laufen, um sich einen neuen Wagen auszusuchen." Der Experte rechnet damit, dass 2009 in Westeuropa rund 12,9 Millionen Autos verkauft werden - 1,4 Millionen weniger als voraussichtlich 2008.

Ein seit Jahren schwelendes Problem sei auch die Überproduktion. "Im nächsten Jahr könnten 16 Millionen Autos mehr produziert als verkauft werden", sagt der Auto-Professor. Das entspreche bei einer möglichen Gesamtproduktion von etwa 68 Millionen Autos einer Überkapazität von fast einem Drittel. "In den vergangenen Jahren lag der Wert bei etwa 20 bis 25 Prozent."

Viele Autobauer errichteten derzeit in den wichtigen Wachstumsmärkten wie China, Russland, Indien und Osteuropa neue Werke. "Dafür werden aber nicht Produktionen in Westeuropa in der gleichen Größenordnung geschlossen." Diese Problem sei nur schwer zu lösen. "Es gibt da keine Formel, dass jeder Hersteller jetzt 10 bis 20 Prozent weniger produziert. Jeder sucht seine Chancen auf dem Markt."

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