Ferrari-Generaldirektor

"Ein Hybrid-Ferrari wird kommen"

Foto: ams

Ferraris Generaldirektor Amedeo Felisa über Verbrauchssenkung, die künftige Ausrichtung der Marke und Pläne für neue Modelle.

Die CO2-Diskussion erreicht längst auch Sportwagen-Hersteller. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Hybrid?
Felisa: Eine Hybrid-Lösung wird kommen. Wir sehen den Hybrid jedoch auch unter dynamischen Gesichtspunkten. Abgesehen davon: Ab sofort muss jedes neue Modell sparsamer sein als sein Vorgänger.

Wird der Enzo-Nachfolger mit dieser Technik kommen?
Felisa:  Nein. Das Hauptaugenmerk des Enzo-Nachfolgers wird auf seinen Fahrleistungen liegen.

Ist auch der aufgeladene Sechszylinder ein Thema?
Felisa: Beim Sechszylinder denkt jeder an einen Einstiegsmotor. Wir planen stattdessen einen aufgeladenen Achtzylinder, um unsere Emissions-Ziele von 40 Prozent CO2- Minderung bis zum Jahr 2012 zu erreichen.

Wäre der Dieselantrieb eine Alternative?
Felisa:  Diesel-Modelle erzielen außergewöhnliche Fahrleistungen. Aber ihr Leistungsgewicht ist schlecht. Wir erreichen unsere Verbrauchsziele auch ohne Diesel.

Jeder Ferrari wird größer als sein Vorgänger. Sind die Grenzen des Wachstums nicht längst erreicht?
Felisa:  Beim 360 Modena wollten wir mehr Platz im Innenraum als beim F355. Der 599 GTB Fiorano dagegen wuchs, weil wir seinen Motor hinter der Vorderachse platziert haben. Aber er hat auch einen größeren Kofferraum. Ab jetzt wollen wir die Dimensionen beibehalten oder sogar verringern, ohne das Raumgefühl zu verschlechtern.  

Auch das Gewicht steigt stetig an.
Felisa: Wir senken das Gewicht durcheine clevere Chassis-Architektur. Weniger Gewicht gleich weniger Verbrauch.  

Das zunehmende Drehmoment lässt sich immer schwieriger auf die Straße bringen. Was machen Ihre Allrad-Pläne?
Felisa: Für den F430 haben wir vor sieben Jahren 4x4-Studien erstellt. Allrad bringt zwar Traktion, aber auch bis zu 80 Kilogramm mehr Gewicht. Das fahren Sie dann jeden Tag spazieren. Zumindest auf trockener Straße können wir mit Heckantrieb die Performance eines Allradlers erzielen. Gewichtsverteilung und Reifenmischung sind hier wichtiger.

Und Karosserie-Konzepte wie ein viertüriges Coupé?
Felisa: In einem sind wir sehr konsequent: Wir bauen Zweitürer und bleiben in diesem Segment.

Damit wird es auch keinen SUV geben?
Felisa: Nein. Ein SUV wäre eher eine Variante für Maserati. Wir haben andere Ideen.

Meinen Sie das weitere Modell, das Sie nächstes Jahr präsentieren werden? Mit dem V8 unter der Fronthaube?
Felisa: Kein Kommentar.

Sie sagen also nicht Nein?
Felisa: Ich sage auch nicht Ja. Wir sehen, wie immer, Möglichkeiten, unsere Produktpalette zu erweitern.

Entwickeln Sie hier gemeinsam mit Maserati?
Felisa: Nein. Wir glauben nicht, dass es außer Motoren eine geeignete Plattform für beide Marken geben kann.

Wie sieht es mit einer Cabrio-Version des 599 aus?
Felisa: Obwohl aktuell kein 599 Spider geplant ist, haben wir diese Version beim Entwickeln berücksichtigt. Wir denken aber eher an eine Kleinserie à la Superamerica.

Und eine Art Leichtbau-599?
Felisa: Eher nicht. Der wäre zu nahe am 430 Scuderia.

Für 2010 erwarten wir den Nachfolger des F430. Wird es wieder ein Mittelmotor-Sportwagen?
Felisa: Beim F430-Nachfolger bleiben wir dem Mittelmotor treu. Im Übrigen auch beim Nachfolger des Enzo.

Wie entwickelt Ferrari das Thema Alltagstauglichkeit im Sportwagen weiter? Selbst ein 430 Scuderia federt ja gut.
Felisa: Neue Modelle müssen bessere Fahrleistungen erzielen und gleichzeitig alltagstauglicher sein als ihre Vorgänger. Aber nicht zu Lasten der Performance. Mit dieser Ausrichtung sind wir erfolgreich: Zu Beginn der neunziger Jahre fuhren unsere Kunden im Schnitt 3.000 Kilometer pro Jahr, heute sind es mehr als 10.000.

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