Die rote Hölle

Ferrari Racing Days auf dem Hockenheimring

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So viele schwarze, springende Pferde auf gelbem Grund sieht man noch nicht einmal in Maranello: Die Ferrari Racing Days waren zu Gast auf dem Hockenheimring.

Dass er überhaupt so entspannt dastehen kann: lächelnd, sonnenbebrillt, ein Glas Wasser in der Hand, die Haare noch etwas zauselig vom Duschen. Dabei kommt Peter Knoflach quasi direkt aus dem Krankenhaus. Nur Stunden vorher hat ein Bergungstraktor seinen Ledlenser-Ferrari aus einem Reifenstapel gezogen – Bremsversagen in der Hockenheimer Spitzkehre.

Knoflachs Tacho zeigte zu diesem Zeitpunkt mehr als 250 km/h an. „Ja, das war schon unangenehm“, sagt er und fasst sich an die Stirn. „Mir ist nichts passiert – meinem Auto allerdings schon. Jetzt muss der Ersatzwagen her.“ Unüberhörbar: sein Schweizer Akzent. Unverkennbar auch: seine Rennfahrerseele. Wenn’s irgendwie geht, wird gefahren. Rumsitzen? Keine Option. Peter kämpft in der Amateurklasse der Ferrari Challenge um Punkte. An diesem Septemberwochenende gastiert der millionenschwere Zirkus der Ferrari-Clienti im kleinen Hockenheim. Das sieht man – und man hört es. Zwischen das Grölen eines grandtourigen F12-Motors mischt sich das kehlige V8-Schreien eines 458 Speciale. Rot wird zur dominierenden Farbe, im Straßenverkehr wie im Fahrerlager.

Ein Fest für Ferrari-Verrückte

Eigens für die Verpflegung der VIP-Gäste stellte Ferrari eine riesige klimatisierte Halle auf den Parkplatz vor dem Fahrerlager, gegen die so manches Promi-Zelt auf der Wiesn aussieht wie ein Gartenhäuschen. Und geht man nach Füllmenge, war jeder Gast ein VIP.

Kein Wunder, zeigt dann ein kleiner Spaziergang durchs Fahrerlager und die Boxengasse. In jeder Box wuseln Mechaniker, Smartphones werden auf die Schätze gerichtet. Acht komplette Boxen sind für die ganz besonderen Spielzeuge reserviert – das Ferrari-XX-Programm: 599XX Evo, FXX auf Enzo-, FXX-K auf LaFerrari-Basis. Jedes einzelne Fahrzeug mehr als eine Million Euro teuer.

Vor einem gelb-blauen FXX-K schnürt sich eine blonde Frau die farblich passenden Schuhe, bevor sie in das 1.050 PS starke Hybrid-Monstrum klettert. Nicht ohne Grund tragen alle Ferrari-Mechaniker Ohrstöpsel oder Kopfhörer: Zu sagen, es sei „laut“, wäre eine gnadenlose Untertreibung – die Zwölfzylinder der XX-Fahrzeuge sorgen bei Vorbeifahrt unter Volllast dafür, dass dir ohne Ohrstöpsel tatsächlich schwindelig wird.

Wenn der Hockenheimring Gänsehaut bekommen könnte, täte er das aber erst bei der exklusivsten aller Ferrari-Veranstaltungen: den Trainingsrunden der F1-Clienti. Diese Leute haben sich alte Formel-1-Renner gekauft und dürfen die ein paarmal im Jahr auf den Rennstrecken der Welt ausführen: Niki Laudas 312T von 1975 etwa oder Eddie Irvines F399 mit V12-Motor von 1999. Dessen Echo donnert von der Bernie-Ecclestone-Kurve zurück bis zur Tribüne an der Nordkurve. Irre.

Am Truck von Knoflachs Team Kessel Racing wäscht währenddessen ein Mechaniker die Räder, in seinem Mundwinkel glimmt eine Zigarette. „Die Autos sollen ja auch schön aussehen – immerhin sind es Ferrari“, sagt er mit einem leichten italienischen Singsang in seiner Stimme. Peter muss sich erst noch an sein neues Auto gewöhnen. „Es fühlt sich komplett anders an“, sagt er nach einem für ihn nicht ganz zufriedenstellenden Qualifying. Eigentlich heißt es ja: „Dabei sein ist alles“, aber wir wissen: Für Rennfahrer gilt das nicht.

Finale in Daytona

Ferrari und Daytona – das passt nicht erst seit gestern zusammen. Das Finale der „Ferrari Racing Days“-Saison fand 2016 allerdings zum ersten Mal auf der legendären Strecke statt. Mit dabei war auch sport auto-Leser Mario Meisterl, und der hatte – geht man nach dem Foto – wohl durchaus seine Freude. Auf der Agenda standen die Final­läufe der Ferrari Challenge und Trainingsfahrten der XX- und F1-Clienti-Programme. Sogar die beiden Formel-1-Piloten Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen kamen vorbei und drehten mit ihren Rennautos ein paar Runden auf dem für NASCARs vier Kilometer langen Oval. Und: Schön warm war’s auch wieder.

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