Finanzkrise

Höhepunkt für Zulieferer noch nicht erreicht

Edscha Fertigung Foto: Edscha

Die Krise bei den Automobilzulieferern steuert nach Ansicht von Experten erst noch auf ihren Höhepunkt zu. In den letzten Wochen sind nur die ersten Dominosteine gefallen.

"Der Scheitelpunkt der Insolvenzwelle wird im März erreicht", heißt es in einer Studie der Managementberatung Oliver Wyman zur "Krise in der Automobilindustrie". Erst im kommenden Monat machten sich die verlängerten Weihnachtsferien und Kurzarbeit bei zahlreichen Autoherstellern bei den Zulieferern bemerkbar.

Bis zu 100.000 Arbeiter betroffen

In den vergangenen drei Monaten hätten 22 Automobilzulieferer mit Werken in Deutschland Insolvenz angemeldet - Tendenz steigend. Bis Ende dieses Jahres könnten deutschlandweit 50 bis 80 weitere Betriebe folgen. Davon wären dann bis zu 100.000 Mitarbeiter betroffen. Treffen könne es sowohl kleine, familiengeführte Mittelständler als auch börsennotierte Unternehmen. Besonders gefährdet seien aber Firmen in der Hand von Finanzinvestoren. Dort sei die Zahl der Insolvenzen wegen einer "ungesunden Fremdkapitalstruktur" besonders hoch.



Schaeffler/Conti als Gradmesser

Viele der Zulieferer gingen pleite, obwohl sie zu "den Besten ihrer Klasse" zählten, heißt es in der Studie. "Die meisten der insolvent gewordenen Zulieferer waren strategisch hervorragend positioniert." Der Automobilzulieferer Edscha beispielsweise, der Anfang vergangener Woche Insolvenzantrag gestellt hatte, sei jahrelang Weltmarktführer bei Scharnieren gewesen.

Gleichzeitig warnte Wyman-Zulieferexperte Jan Dannenberg vor einem Kollaps des angeschlagenen Schaeffler-Konzerns. Der Umgang mit Schaeffler werde zum "Lackmustest" für die deutsche Zulieferindustrie, schrieb er. "Ein Kippen von Schaeffler käme einer Kernschmelze in der Automobilzulieferindustrie gleich. Schaeffler und Continental sind für den deutschen Automobilbau das, was Lehman Brothers für die Bankenwelt in den USA war."

Günstige Kredite als Hilfe

Ein Weg aus der Krise seien Kurzarbeit, Kündigungen von Leih- und Zeitarbeitern sowie harte Kostensenkungsprogramme, sagte Dannenberg. Außerdem seien Banken und Staat gefordert, Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, mit günstigen Krediten oder Bürgschaften unter die Arme zu greifen. Entscheidend sei es, das Eigenkapital zu erhöhen. Schließlich seien vielen Zulieferern in der Krise eine starke Verschuldung und hohe Zinslasten zum Verhängnis geworden.

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