Ford erwägt Verkauf einer Beteiligung an Finanztochter

Foto: Ford

Der angeschlagene amerikanische Autokonzern Ford zieht den Verkauf einer "erheblichen Beteiligung" an seiner Finanzsparte Ford Credit in Erwägung. Dies hat die "Detroit News" am Samstag (26.8.) in ihrer Onlineausgabe berichtet.

Die Kontrollmehrheit an Ford Credit könnte nach Angaben eines Analysten sechs Milliarden Dollar wert sein, berichtete die Zeitung.

Dies sei Geld, dass Ford zur Finanzierung seiner Restrukturierungsmaßnahmen verwenden könne. Die Bargeldbeschaffung sei jedoch nur ein Teil des Bildes. Noch mehr Sorge bereite das schlechte Kreditrating der Ford Credit, das tief in den Bereich von Schrottanleihen gefallen sei. Dies erschwere es dem Unternehmen, sich Geld zu konkurrenzfähigen Zinssätzen zu beschaffen. Der Gewinn der Ford Credit sei im zweiten Quartal um 40 Prozent auf 441 Millionen Dollar gefallen, was zum Teil auf höhere Mittelbeschaffungskosten zurückzuführen gewesen sei.

Die Zeitung nannte den Teilverkauf der Ford Credit eine von mehreren Optionen. Ford konzentriere sich jedoch angesichts von Verlusten und rückläufigen Marktanteilen auf operative Probleme.

Ein potenzieller Verkauf von Ford Credit und andere zur Diskussion stehende strategische Schritte hätten eine Rolle beim Rücktritt von Robert Rubin im Ford-Verwaltungsrat gespielt. Der ehemalige amerikanische Finanzminister Rubin, einer der wichtigsten Spitzenmanager bei der Citigroup, hatte am Freitag nach sechs Jahren sein Amt als Ford-Verwaltungsratsmitglied niedergelegt. Zur Begründung verwies Rubin auf die kommende Prüfung "strategischer Optionen" bei Ford. Es könnte die Frage aufkommen, ob seine Beziehungen zu Ford und Citigroup den Anschein von Interessenkonflikten erwecken könnten.

Ford hat nach Darstellung der Zeitung auch vorläufige Gespräche mit einer Investmentgruppe unter Führung von Jacques Nasser im Hinblick auf einen möglichen Verkauf europäischer Marken geführt, einschließlich Land Rover, Jaguar und Aston Martin. Ford ziehe auch eine Allianz mit einem anderen Autohersteller in Erwägung oder möglicherweise sogar eine "Privatisierung" des Unternehmens.

Eine Privatisierung ist nach Wall-Street-Jargon die Überführung einer Aktiengesellschaft in die Hand von Anlegern und der Rückzug von der Börse. Oft sind Investmentfirmen bei solchen Transaktionen involviert. Die Ford-Familie kontrolliert 40 Prozent der stimmberechtigten Ford-Aktien.

Ford wolle seinen Restrukturierungsplan kurz nach dem Verwaltungsratstreffen am 14. September bekannt geben, schrieb die Zeitung. Der Plan dürfte die verschärfte Streichung von Angestelltenstellen, ein umfangreicheres Abfindungsprogramm für Ford- Arbeiter und mehr Fabrikschließungen beinhalten. Konzernchef Bill Ford wolle sich in der nächsten Woche mit Spitzenmanagern treffen, um die Pläne in die endgültige Form zu bringen. Die Automobilarbeitergewerkschaft UAW habe für Dienstag Gewerkschaftsfunktionäre ihrer lokalen Ford-Sparten nach Detroit bestellt.

Der Ford-Konkurrent General Motors ist dabei, eine 51-prozentige Beteiligung an seiner Finanztochter GMAC verkaufen, wobei dem Branchenführer rund 14 Milliarden Dollar zufließen könnten. Nach Darstellung der "Detroit News" hätten Viele an der Wall Street Ford geraten, dies auch zu tun.

Ford hatte vor wenigen Tagen wegen des schwachen Pickup- und Geländewagenverkaufs in Nordamerika für das vierte Quartal eine drastische Produktionskürzung von 21 Prozent angekündigt. Das Unternehmen will auch seinen Restrukturierungsplan "Way Forward" (Weg Vorwärts) vom Januar beschleunigen und erweitern, in dessen Rahmen bis 2012 bis zu 30.000 Stellen gestrichen und 14 nordamerikanische Fabriken geschlossen werden sollten.

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