Ford-Krise

E-Mail aus der Chefetage

Foto: Ford 3 Bilder

Bis vor Wochen war General Motors die Top-Wette, wann immer ein möglicher Kollaps eines Industrieriesen zur Sprache kam. Inzwischen hat diese Rolle Ford übernommen. Dort brennt es an allen Ecken.

Es ist eine dieser Wochen, die Manager und Mitarbeiter in Depressionen stürzen kann in und um Dearborn. Der Verkauf im Juli um 35 Prozent abgestürzt, bei den Absatzzahlen hinter Toyota zurück gefallen, die Marktanteile auf einem historischen Tief, dafür türmen sich die Miesen des zweiten Halbjahres auf 254 Millionen Dollar. Als Dreingabe eine Gewinnwarnung für die Premier Automotive Group, unter deren Dach Ford die Luxusmarken Jaguar, Volvo, Landrover und Aston Martin zusammengepackt hat. Die Gerüchteküche spuckt und brodelt, woran auch eine E-Mail nichts geändert hat, die Ford am Mittwoch (2.8.) an die Mitarbeiter schickte. In dieser geht der Konzern-Boss auch auf Ken Leet ein, einen 48-Jährigen Ex-Goldman-Sachs-Mann, der jetzt zum engen Führungszirkel um Bill Ford geholt wurde. Der Auftrag des Investment Bankers, der bei Goldman Sachs der Ford-Experte war: Er lotet alle strategischen Optionen aus, die Ford zurück auf die Erfolgsspur führen kann. Oder geht es nur darum, die totale Pleite zu verhindern?

Wird Jaguar verkauft, oder gar Volvo? Entschieden ist nichts

Die Spekulationen schießen ins Kraut. Die heißesten in Reihenfolge ihrer Wahrscheinlichkeit:

Spekulation 1: Ford trennt sich von der Luxustochter Jaguar, die sich seit dem Einstieg 1989 zu einem extrem kostspieligen Vergnügen entwickelt hat. Noch nie in dieser Zeit hat Jaguar Gewinn erwirtschaftet, erst vergangenes Jahr musste Ford die darbende Tochter, einst für 2,6 Milliarden Dollar gekauft, mit 2.09 Milliarden Dollar unterstützen.

Spekulation 2: Ford zieht dieselbe Karte wie General Motors und verkauft die profitable Finanzsparte.

Spekulation 3: Nachdem die heiß gehandelte mögliche Verbindung zwischen General Motors und Renault-Nissan inzwischen erheblich abgekühlt ist, werden nun die schon vor einem Jahr geköchelten Kooperationsmöglichkeiten zwischen Renault-Nissan und Ford wieder aufgewärmt. Fakt hierzu: Es gab vor einem Jahr entsprechende Gespräche und Renault-Nissan Guru Carlos Ghosn hat niemals dementiert, nicht mit Ford zusammen gehen zu wollen.

Spekulation 4: Spätestens mit der Variante Renault-Nissan kommt auch das Thema Volvo wieder ins Spiel. Bis heute ist es für den damaligen Renault-Chef und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Louis Schweitzer

Spekulationen schießen ins Kraut

eine der schmerzlichsten Niederlagen, das das im Jahr 2000 schon perfekt scheinende Zusammengehen von Renault und Volvo an der Ignoranz der Politiker platzte, die damals noch hohen Einfluss beim einstigen Staatskonzern hatten. Angeblich ist die Liebe von Renault für Volvo nie erkaltet.

Angesichts dieser und weiterer Gerüchte (die bis zu voraussichtlichen Terminen für eine Insolvenzanmeldung reichen) hat sich am Mittwoch Konzernchef Bill Ford per E-Mail an die Mitarbeiter gewendet. In dieser wird viel angedeutet, wenig gesagt und nur eines konkret ausgeschlossen: Die Finanzsparte stellt für Bill Ford ein strategisches Herzstück des Konzerns dar, eine Veräußerung erklärt er zum Nicht-Thema.

Ob das allerdings zur Beruhigung der Lage beiträgt ist fraglich, zu oft schon in der Vergangenheit hat Bill Ford Positionen für unverrückbar erklärt, die er kurz darauf ohne zögern räumte. Zudem ist eines der weiteren Gerüchte, wie viel Einfluss Bill Ford überhaupt noch hat. So wollen Finanzkreise davon wissen, dass Ford den Investment-Banker Leet keineswegs freiwillig geholt hat, sondern dass dies auf Drängen des Aufsichtsrates geschah. Offen diskutiert wird derweilen, inwieweit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Gesundung von Ford die Gründerfamilie im Weg steht. In einem sind sich die Automarktexperten einig: So lange die Familie auf ihrem starken Einfluss beharrt, wird es keine Kooperation mit anderen Herstellern geben. Auch nicht mit Renault-Nissan.

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